Die Kino-Kritiker

Der langweiligste Raubzug der Welt: «Ein letzter Job»

von   |  1 Kommentar

Wer bislang daran gezweifelt hat, dass ein Heist-Movie eine stinklangweilige Angelegenheit sein kann, den belehrt Regisseur James Marsh mit «Ein letzter Job» nun eines Besseren.

Filmfacts: «Ein letzter Job»

  • Start: 25. April 2019
  • Genre: Krimi/Komödie
  • Laufzeit: 108 Min.
  • FSK: 12
  • Kamera: Danny Cohen
  • Musik: Benjamin Wallfisch
  • Buch: Joe Penhall
  • Regie: James Marsh
  • Darsteller: Michael Caine, Jim Broadbent, Michael Gambon, Francesca Annis, Charlie Cox
  • OT: King of Thieves (UK 2018)
Bevor sich Regisseur James Marsh vor allem mit seinem oscarnominierten Stephen-Hawking-Biopic «Die Entdeckung der Unendlichkeit» einen Namen bei der breiten Publikumsmasse machte (oder zumindest, bei denen, die wenigstens hin und wieder mal einen Blick ins Programmkino ihres Vertrauens werfen), widmete sich der gebürtig aus Cornwell stammende Regisseur der Inszenierung von Dokumentationen. Darin war er sogar richtig erfolgreich; sein Film «Man on Wire» – ein Porträt über Philippe Petit, den Artisten, der Mitte der Neunzigerjahre auf einem Drahtseil zwischen den Zwillingstürmen des World Trade Centers balancierte, und über den Robert Zemeckis erst vor wenigen Jahren den Film «The Walk» drehte – gewann in der Kategorie „Beste Doku“ sogar einen Academy Award. Dieser vom Dokumentarfilm geprägte Karrierebeginn hat bis in die Gegenwart Spuren hinterlassen.

Mittlerweile inszeniert Marsh zwar vorwiegend Spielfilme; auf wahre Ereignisse als Grundlage für seine Geschichten greift der Filmemache allerdings immer noch zurück. Das gilt für «Die Entdeckung der Unendlichkeit» (wir erinnern uns: Stephen Hawking) ebenso wie über sein Seglerdrama «Vor uns das Meer» mit Colin Firth und nun eben auch für «Ein letzter Job». Bislang hat Marsh die Balance zwischen sich sichtbar für seine Figuren interessierendem Porträt und auf Entertainment abzielende Veranschaulichung der jeweiligen 'true events' immer gefunden. «Ein letzter Job» beendet seinen Triumphzug nun gewaltig und größtmöglich unangenehm.

Nur einmal noch...


Der Ruhestand ist was für Rentner, das findet zumindest Brian Reader (Michael Caine). Seine alten Freunde sitzen im Knast, die Ehefrau ist unter der Erde und auch sonst verflucht der Ex-Ganove seinen ereignislosen Alltag. Ein letztes Mal juckt es ihn in den Fingern, sich und allen anderen zu beweisen, dass er es immer noch drauf hat. Und so versammelt Brian, dem Alter und der modernen Technologie zum Trotz, eine Riege Krimineller der alten Schule um sich und wagt gemeinsam mit ihnen einen riskanten Coup, der als größter Einbruch aller Zeiten in die Geschichte Großbritanniens eingehen wird. Doch es ist wesentlich leichter Beute zu machen, als sie loszuwerden…

Da sich James Marsh mit seinem neuesten Projekt an die filmische Nacherzählung eines der spektakulärsten Kriminalfälle jüngerer britischer Geschichte wagt, müsste man ja erst einmal davon ausgehen, dass diese zweifellos aufsehenerregende Anekdote von den Schmuck und Diamanten im stibitzenden Gangster-Rentnern auch eine entsprechend aufsehenerregende Inszenierung spendiert bekommen müsste. Doch Pustekuchen! Mit viel gutem Willen lässt sich in «Ein letzter Job» zwar so etwas wie eine Heistcomedy mit einem guten Schuss klassischem Krimi erahnen, doch es dauert nicht lange, bis man als Zuschauer begreift, dass nichts davon so richtig zündet. Für eine Komödie ist der Film einfach viel zu unlustig, für einen Krimi, gar Thriller oder einfach auch nur einen Heistfilm (die «Oceans»-Filme lassen grüßen!) ist er zu keinem Zeitpunkt spannend.

Dabei wurden beim sogenannten Hatton Garden Raub (benannt nach dem gleichnamigen Geschäftsviertel in London) nicht nur Schmuck und Diamanten im Wert von über 200 Millionen britische Pfund erbeutet – so viel wie bislang bei keinem anderen Beutezug im Vereinigten Königreich. Die Täter wurden außerdem schon ein Jahr später verhaftet und sieben von den insgesamt acht festgenommenen Männern verurteilt. Noch dazu gelang ihnen der Einstieg in den unterirdischen Tresor auf durchaus unkonventionelle Weise; wie zum Teufel lässt sich also so eine schon von Natur aus spannende Geschichte so gegen die Wand fahren?

Behäbigkeit trägt einen neuen Namen


Erzählerisch wählt Autor Joe Penhall («The Road»), der das Skript auf Basis eines Zeitungsartikels rund um den Hatton Garden Raub schrieb, eigentlich einen guten Weg: Er beginnt bei den räubernden Antihelden und bleibt dort auch bis zum Schluss. Ein klassischer Heist-Plot eben, nur dass einem die Charaktere in «Ein letzter Job» letztlich nicht egaler sein könnten. Zwar räumen die Macher ihren Hauptfiguren Einiges an Raum ein, indem sie viel Zeit für die Vorbereitungen des Coups aufwenden und anschließend zeigen, wie der Einbruch damals abgelaufen ist. Doch genauso wie das als heiter und leichtfüßig anvisierte Vorgeplänkel, in dessen Rahmen man nichts über die Charaktere erfährt, außer, dass sie sich allesamt so gar nicht eingestehen wollen, dass sie zum alten Eisen gehören und sie darüber hinaus ihrer Zeit als Gangster hinterhertrauern.

Interessanterweise kann man sich anhand ihrer Attitüde hier so gar nicht vorstellen, dass in ihnen allen einmal ein solcher gesteckt haben soll und auch ihre renitenten Versuche, wieder ins Räuber-Business einzusteigen, schildert der Film mit keinerlei Biss. Hinzu kommen die allesamt völlig gelangweilten Schauspielleistungen. Dass die Figuren also für das brennen, wie es «Ein letzter Job» einem hier weismachen will (und worüber der Plot letztlich ja auch mitreißen soll), ist nicht mehr als pure Behauptung.

Passend dazu packt Kameramann Danny Cohen («Raum») das ohnehin stinklangweilige Szenario auch noch in triste, unspektakuläre Bilder; Und die beiden Editoren Jinx Godfrey («Die Entdeckung der Unendlichkeit») und Nick Moore («Tatsächlich… Liebe») mit ihrem behäbigen Schnitt auch den letzten Rest Dynamik aus dem Film. Fast scheint es, als wären die für Visualität zuständigen Kräfte der eigentlichen Geschichte immer ein Stück hinterher. Das Ergebnis ist pure Behäbigkeit, während derer man dem Film permanent zurufen möchte, er möge doch bitte endlich einmal das Gas voll durchdrücken – oder irgendwie anderweitig aus dem Quark kommen. Bleibt zu guter Letzt noch ein Blick die Darsteller. Diese sind ohne Zweifel namhaft, spielen allerdings allesamt derart unmotiviert, als wäre ihnen schon während der Dreharbeiten die Lust an alledem abhandengekommen.

Michael Caine, der Alfred aus Christopher Nolans «Dark Knight»-Trilogie, schlafwandelt sich genauso wie seine Kollegen mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch die Geschichte. Nicht einmal die behauptete Trauer um seine verstorbene Frau nimmt man ihm ab. Und viel mehr erfährt man ja auch ohnehin nicht über ihn oder den Rest der Gauner-Bagage. Jim Broadbent («Paddington»), Tom Courtenay («45 Years»), Ray Winston («Departed – Unter Feinden») und Paul Whitehouse («The Death of Stalin») stimmen in diese Lustlosigkeit mit ein und erinnern allenfalls daran, dass man sich mal wieder «Ocean’s Eleven» anschauen sollte, aber ganz bestimmt kein zweites Mal «Ein letzter Job».

Fazit


James Marshs auf einer wahren Geschichte beruhende Krimikomödie «Ein letzter Job» ist weder lustig noch spannend, sondern einfach nur ein träges, hüftsteifes und langweiliges Unterfangen, das für die beteiligten Darsteller einen Tiefpunkt in der Schauspielkarriere markiert.

«Ein letzter Job» ist ab dem 25. April in den deutschen Kinos zu sehen.

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Quotermain
25.04.2019 10:36 Uhr 1
Zitat:

"Michael Caine, der Alfred aus Christopher Nolans «Dark Knight»-Trilogie, schlafwandelt sich...durch die Geschichte."

Naja, bei Michael Caine denke ich nicht zuerst an Batman, ebensowenig wie bei Christian Bale.



Schlafwandeln.....Vielleicht hätte man ihm vorher lieber nochmal "The Italian Job" (1969) gezeigt.

Der war übrigends 10 Minuten kürzer.



Der deutsche Titel " Ein letzter Job" ist noch dazu auch ein Schnarcher.

Da klingt "King of Thieves" besser,...oder soll das hmmm "Italian Job"=>"Letzter Job" sein, wegen Michael Caine?



So ist das immer ein Problem der deutschen Übersetzungen.

Da kommen hier dann immer wieder so Stilblüten.

Schon vor 30 Jahren wurden mit Burt Lancaster und Kirk Douglas aus "Tough Guys", festhalten jetzt wirds lustig: "Archie und Harry – Sie können’s nicht lassen"

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