Interview

«GZSZ»-Produzentin Petra Kolle: „Trends interessieren mich nicht“

von   |  6 Kommentare

Im Exklusiv-Interview spricht die Macherin von Deutschlands erfolgreichste Daily über die starken Quoten und kommende Themen. Wir fragen nach weiteren Vertragsverlängerungen und ziehen einen Vergleich mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Quoten-Quickie

Mit um die 24 Prozent Marktanteil liefen Ende Mai - kurz nach dem Primetime-Special - die stärksten «GZSZ»-Folgen des Jahres. Um die eineinhalb Millionen 14- bis 49-Jährigen sehen die tägliche Serie im RTL-Vorabendprogramm. Regelmäßig ist die Produktion von UFA Serial Drama damit die Nummer eins und das meistgesehene TV-Programm in dieser Altersspanne.
Frau Kolle, Glückwunsch zu den starken Quoten der vergangenen Saison. Wie ist denn das: Wenn man die Messlatte so hoch hängt: Will man dann in der neuen Saison automatisch noch besser werden oder herrscht in Hinblick auf die Zuschauerzahlen reine Zufriedenheit?
Niemals! Natürlich sind wir glücklich über den Erfolg der jetzigen Staffel, aber ausruhen dürfen wir uns nicht. Die deutsche Fußballnationalmannschaft als abschreckendes Beispiel vor Augen bemühen wir uns täglich, immer besser zu werden. Wir müssen noch härter trainieren, neue taktische Konzepte ausprobieren, jungen Talenten eine Chance geben und aufpassen, dass niemand sich einem wahlkämpfenden Despoten an den Hals wirft.

Mauerwerk-Brand, Familien-Streit zwischen KF und Gerner, MeToo-Geschichte mit Lilly, häusliche Gewalt bei Martin und Nina - welche Storys gehörten für Sie zu den Highlights?
Die Highlights sind immer in der nächsten Saison! ich habe gar keine Zeit, mich hinzusetzen und von Vergangenem zu schwärmen. Die Quoten sind eine Sache, aber so richtig zufrieden bin ich immer erst dann, wenn über «GZSZ» auf allen Kanälen diskutiert und sich aufgeregt wird.

Lassen Sie uns mal in die Handlung einsteigen: Mit Blick auf die ersten sieben Monate in diesem Jahr standen quasi alle Figuren zumindest für eine gewisse Zeit im Fokus. Chris und Sunny, die in der zweiten Hälfte 2017 tragende Storys hatten, sind zuletzt ein bisschen aus dem Fokus geraten. Wie geht es hier weiter?
Unser Hauptcast besteht aus 18 bis 22 Charakteren. Die können nicht alle gleichzeitig Protagonisten einer Story sein. Die Zuschauer können aber sicher sein, dass eine Figur, die in der letzten Saison eher im Hintergrund stand, in der nächsten wieder ins Zentrum rückt.

Sie haben kürzlich eine Tochter von Nina in den Kiez gebracht, die die Geschichte rund um Familie Ahrens weitererzählen wird. Was sind hier Ihre grundsätzlichen Überlegungen…
Familienkonflikte sind zahlreich im Leben eines jeden von uns. Insofern eignen sie sich hervorragend für dramatische Geschichten. Familienzuwachs vergrößert das Konflikt- und damit das Storypotential.

Vertragsvlängerungen «GZSZ»

  • 2016 bekannt geworden: Wolfgang Bahro (Jo Gerner) verlängert um fünf Jahre
  • März 2017: Felix von Jascheroff (John) verlängert um zwei Jahre
  • Sommer 2017: Thaddäus Meilinger (Felix) verlängert um ein Jahr
  • Sommer 2017: Anne Menden und Niklas Osterloh (Emily und Paul) verlängern Verträge. Laufzeit: nicht veröffentlicht
Vor rund einem Jahr hatten Sie bekannt gegeben - ganz öffentlich via Twitter - dass Schauspieler Thaddäus Meilinger um ein Jahr verlängert hat. Entsprechend muss ich jetzt fragen: Bleibt er der Serie auch nach dem Jahr nun erhalten?
Mir persönlich verraten solche Meldungen tendenziell zu viel. Obwohl man selbstverständlich Verträge auch kündigen kann…

Abgänge sind ja immer schmerzlich und mit Anni steht der nächste Ausstieg bevor: Wird es in den kommenden Monaten noch weitere geben?
Kein Kommentar.

Vielleicht können wir ja mal etwas allgemeiner auf die Zeit Herbst/Winter schauen: Welche Themen begegnen uns da bei «GZSZ»?
Liebe, Drama, Wahnsinn…


Das Sommerhighlight war natürlich der Dreh auf Mallorca rund um John und Shirin und natürlich auch um Shirins (jetzt) Ex-Mann. Der sitzt gerade wieder im Knast und viele Fans rätseln: Wird Erik nochmal auftauchen?
Wir sind zwar keine Knast-Serie, aber die Geschichte um das Scheitern der Ehe von Shirin und Erik muss noch zu Ende erzählt werden.



«GZSZ» hat sich auch optisch weiterentwickelt: Ein Set wie das der Lehmann-Bank mit großer Fensterfront und somit Blick auf die Straßen Berlins wäre vermutlich sogar vor 5 oder 7 Jahren noch undenkbar gewesen?
Nö, das ist ja ein Außendreh-Motiv. Solche Gebäude und Büros gab es auch vor Jahren schon.

Wir orientieren uns bei «GZSZ» einzig und allein an unseren eigenen Ansprüchen: jede Geschichte, jeden Charakter, jeden Konflikt so zu inszenieren, auszuleuchten und umzusetzen, dass eine größtmögliche emotionale Wirkung erzielt wird.
Petra Kolle, Produzentin von «GZSZ»
Erkennen Sie bei optischen Fragen von Dailys weltweit eigentlich einen Trend? Wenn wir uns zehn Jahre zurückerinnern, dann war ja der Einsatz von Farbfiltern besonders in Telenovelas besonders gefragt, später waren es doch wieder grellere und kontrastreichere Bilder. Woran orientiert man sich und welche Impulse liefern vielleicht auch große Primetime-Soaps wie «Riverdale» oder «Denver-Clan»?
Trends interessieren mich nicht. Sobald wir Trends wahrnehmen, sind sie schon wieder veraltet. Wir orientieren uns bei «GZSZ» einzig und allein an unseren eigenen Ansprüchen: jede Geschichte, jeden Charakter, jeden Konflikt so zu inszenieren, auszuleuchten und umzusetzen, dass eine größtmögliche emotionale Wirkung erzielt wird. Es gibt keine anderen Vorgaben von mir für die Bildsprache. Sollten wir damit Trends setzen, dann wäre es mir als Zuschauerin anderer Serie nur recht!

Und - die letzte Frage, zugegeben keine ganz einfache: Wenn Sie - völlig unabhängig von der Verfügbarkeit der Darsteller, eine schon ausgestiegene «GZSZ»-Figur zurückholen könnten: Wer würde dann im Kiez wieder auftauchen?
Niemand - es sei denn, die Story verlangt danach. Ein Beispiel: Als wir die Figur Sunny erfunden haben, war uns die Verwandtschaft mit Jo Gerner wichtig. Sunnys Mutter Vanessa tauchte dann irgendwann in der Geschichte auf. Und wir haben uns gefreut, dass Anne Brendler wieder die Vanessa gespielt hat - wie vor 20 Jahren. Story first!

Danke für das Gespräch.

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Es gibt 6 Kommentare zum Artikel
5vor
01.09.2018 10:19 Uhr 1
Bei der merkt man, die hat Biss und Ahnung. Nicht so wie Guido Reinhard, der immer das gleiche erzählt und nun schon wieder mit ner belanglosen Kuschelsoap scheitert. Wie man den gleichen Fehler wie bei Mila machen kann, ist mir schleierhaft.
Waterboy
01.09.2018 10:59 Uhr 2
Naja sonderlich viel hat man nun nicht erfahren. Eigentlich gar nix.



Sympatisch kommt sie in dem Interview nicht gerade rüber. Und dafür das sie keinem Trends hinterher jagen will, sind die Geschichten aber ziemlich trendy.
anna.groß
01.09.2018 11:37 Uhr 3
Die war mir aber jetzt auch direkt unsympathisch und bestätigt mir nur, warum ich GZSZ schon lange nicht mehr schaue ... was haben wir das früher gesuchtet, alles gekauft, was es gab und auf dem Schulhof drüber geredet. Allein schon so ein überjunger Cast, wo Katrin, Maren und Alex schon als Oldies gelten, ist mir zu trendy!
5vor
01.09.2018 12:34 Uhr 4
Das ist nicht richtig. Seit ein paar Jahren setzt gzsz vermehrt auf ältere Figuren und spricht damit auch wieder mehr ein Publikum ab 30 an. Das ist auch der Grund gewesen, warum ich nach vielen Jahren Pause 2015 wieder eingestiegen bin.
5vor
01.09.2018 12:34 Uhr 5
Das ist nicht richtig. Seit ein paar Jahren setzt gzsz vermehrt auf ältere Figuren und spricht damit auch wieder mehr ein Publikum ab 30 an. Das ist auch der Grund gewesen, warum ich nach vielen Jahren Pause 2015 wieder eingestiegen bin.
anna.groß
01.09.2018 15:11 Uhr 6
Wie gesagt, die Figuren in den 40ern zählen für mich nicht! Speaking of Clemens, Elisabeth & Daniel ...

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