Am 11. April startet auf sixx die sechste Staffel von «Good Wife» während die siebte und letzte Staffel gerade im amerikanischen Fernsehen läuft. Grund genug, sich die von Kritikern gefeierte Serie genau anzusehen.
Mittlerweile ist die Figur des Antihelden wie kaum eine andere im US-amerikanischen Fernsehen und auch beim internationalem Publikum etabliert: Walter White entwickelte sich von einem unscheinbaren Chemielehrer und liebevollen Familienvater in «Breaking Bad» zu einem genialen Drogenbaron; «Mad Man» Don Draper verfiel regelmäßig in existentielle Krisen, versuchte seine alte Identität abzustreifen und eine neue zu finden, meistens in den Armen schöner Frauen und Alkohol; und ganz aktuell lässt ein gewisser Richie Finestra (Bobby Cannivale) seine Familie regelmäßig zurück, um mit seiner Drogen- und Alkoholsucht sein «Vinyl»-Imperium in Gefahr zu bringen.
Die beiden Autoren und Erfinder der Serie, das Ehepaar Michelle und Robert King, nahmen sich für ihre Story-Prämisse offensichtlich ähnliche Skandale von prominenten Politikern wie Ex-Präsident Bill Clinton und dem ehemaligen New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer zum Vorbild, der 2008 ebenfalls wegen dem in den USA illegalen Umgang mit Prostituierten sein Amt niederlegen musste. Das Ehepaar King nimmt diesen Skandal als Ausgangspunkt für die Reise einer scheinbar privilegierten Ehefrau, die sich jahrelang um Haus und Kinder gekümmert und die eigene juristische Karriere hinten angestellt hat. Zehn Jahre nachdem sie aufgehört hat, Jura zu praktizieren, nimmt sie mit Hilfe ihres Studienfreundes Will Gardner bei der erfolgreichen Anwaltskanzlei „Lockhart & Gardner“ ihre Arbeit wieder auf. Den politischen und privaten Scherbenhaufen, den ihr Mann hinterlassen hat, muss sie wieder zusammenfegen. Und dank der Arbeit eines cleveren Autorenteams ist ein unterhaltsames, erzählerisches Mosaik daraus entstanden, das zu einem der besten und elegantesten CBS-Dramen jüngerer Fernsehgeschichte wurde.
Dies sind nur wenige der zahlreichen Fälle, mit denen sich Alicia Florrick selbst und ihre Anwaltskanzlei Lockhart & Gardner beschäftigen. Dennoch ist «Good Wife» kein einfaches Perpetuum mobile, bei dem in einer Dauerschleife Fälle gelöst werden, wie es schon andere CBS-Anwaltsserien wie z.B. «Boston Legal» oder «The Practice» in der Vergangenheit getan haben. Kleinere Handlungen haben meistens Einflüsse auf übergeordnete Storylines und umgekehrt, was für diese Art von Network-TV zu der Anfangszeit von «Good Wife» noch relativ ungewöhnlich war. Dabei haben die Anwälte von Lockhart & Gardner selten die moralische Oberhand, auch wenn sie oftmals ihre Fälle gewinnen. In den meisten Fällen versagt sogar eher das Justizsystem und selten handelt es sich um einen echten juristischen Sieg, was jedem Triumph einen fiesen Nachgeschmack geben sollte, wenn die Serie nicht so konstant mit sich selbst amüsiert wäre. Hier werden große Versicherungsfirmen vertreten, die Patienten notwendige, aber teuere und riskante Operationen verweigern, dort wird auf das Recht von freier Meinungsäußerungen gepocht, auch wenn es um die fehlgeleiteten Meinungen von Abtreibungsgegnern geht.
Ihre Vorgesetzten, Will Gardner (Josh Charles) und Diane Lockhart (Christine Baranski), sind überzeugende Powerplayer, denen man sofort abkauft, dass sie nicht so erfolgreich sind, weil sie sich im Laufe ihrer Karriere eine weiße Weste bewahrt haben. Andererseits müssen sie immerzu ethisch fragwürdige Firmenentscheidungen mit den eigenen Moralvorstellungen vereinigen. Selten gewinnt die Moral. Kalinda Scharma (Archie Panjabi) ist die hauseigene Privatdetektivin, die zunächst Alicias vertrauensvollste Verbündete ist und später eine verhasste Freundin werden sollte, die selbst eine Affäre mit Peter Florrick in seinen wilderen Tagen hatte. Die coole, fast leidenschaftslose Detektivin ist beinahe immer der Schlüssel zu jeden noch so verfahrenen Fall. Ein Freigeist, der weder eine feste Bindung zu ihren Arbeitgebern noch eine feste Beziehung mit einem Mann oder einer Frau eingeht. Ebenso wenig lässt sie sich in ihrer Sexualität festsetzen und hat zahlreiche Affären mit Mitgliedern beider Geschlechter.
Für viele humoristische Highlights sorgen auch einige Gastauftritte: Da wäre zum einen Michael J. Fox als oftmals gegnerischer Anwalt Louis Canning, der wie der Darsteller selbst an einer neurologischen Krankheit leidet und absolut kein Problem damit hat, diese Tatsache auszunutzen, um sich Sympathien bei Richtern und Geschworenen zu erschleichen. Die rothaarige «True Blood»-Darstellerin Carrie Preston hat ebenso skurrile Auftritte als Elsbeth Tascioni. Die hoch-exzentrische, aber ebenso effektive Juristin wird oft als Geheimwaffe eingesetzt, um ihre Gegner erst zu verwirren und dann zu besiegen. Eine Rolle, die Preston einen verdienten Emmy für die beste Gastrolle einbrachte. David Lee ist dagegen einer dieser Charaktere, die man liebt, zu hassen. Immerzu auf seinen eigenen Vorteil bedacht, hat er kein Problem, das Gesetz bis zum Bruch zu biegen. Der Scheidungsanwalt poltert am liebsten durch die Gänge von Lockhart & Gardner und findet in jeder noch so verfahrenen oder traurigen Situation eine fiese und sarkastische Pointe, um seine Abscheu gegenüber der Welt und ihrer Bewohner deutlich zu machen. Dies sind nur ein paar Figuren der schier endlosen Liste mit äußerst sehenswerten Nebencharaktere, die nicht einmal die wunderbar gezeichneten Richterfiguren mit einschließt, die sich regelmäßig bei Gericht die Klinke in die Hand geben, und unsere Helden ständig mit neuen Exzentrizitäten herausfordern. Und trotz oder gerade wegen ihrer zahlreichen Fehler sieht man diesen smarten, erfolgreichen und fähigen Charakteren mit einem Heidenspaß bei der Arbeit zu.

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07.04.2016 18:39 Uhr 1
09.04.2016 10:00 Uhr 2