Der «Tatort» bekommt in Bälde Verstärkung. Massive Verstärkung. Gleich fünf neue Ermittlerteams sind angekündigt, darunter jeweils eines unter der Leitung von Til Schweiger und Wotan Wilke Möhring, deren neue Reihen in Hamburg angesiedelt sind. Doch auch in Dortmund und im Saarland wird bald wieder munter gemordet, während Thüringen seinen ersten «Tatort» überhaupt erhalten soll. Zieht man die in diesem Jahr eingestellten Reihen um das Saarland-Duo Kappl und Deininger (gespielt von Maximilian Brückner und Gregor Weber) und den Hamburger Undercover-Ermittler Cenk Batu (gespielt von Mehmet Kurtulus) ab, so sind das netto drei neue Reihen der Dachmarke, die uns in nächster Zeit ins Haus stehen, womit man auf insgesamt zwanzig Ermittlerteams kommen wird.
Unterschiede hat es schon immer gegeben: Die Münsteraner Version mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl in den Hauptrollen konzentriert sich dramaturgisch etwa sehr stark auf die amüsanten Konflikte, die sich aus der Interaktion zwischen den beiden grundverschiedenen Hauptprotagonisten ergeben, und lässt die eigentlichen Krimi-Plots dabei nicht selten die zweite Geige spielen. Der Wiener «Tatort» um Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ist dagegen für seine manchmal recht derben Töne bekannt, für den typischen Wiener Humor und den Hauch Sozialkritik, den man trotz all der Kuriositäten fast immer in die Folgen einbaut. Deutlich mehr in die Sozialkritik-Schiene geht dagegen die niedersächsische Reihe um die Ermittlerin Charlotte Lindholm (gespielt von Maria Furtwängler), die hauptsächlich in der Landeshauptstadt Hannover angesiedelt ist, während die nun eingestellte Hamburger Reihe um Cenk Batu (gespielt von Mehmet Kurtulus) für deutsche Krimi-Verhältnisse eine hohe Plot-Dichte aufwies und vergleichsweise actiongeladen erzählte. Das hat die positive Konsequenz, dass der «Tatort» heute kein Einheitsgewäsch mehr ist, sondern durch die vielen thematisch und narrativ sehr unterschiedlichen Reihen nicht nur für jeden Geschmack etwas bieten kann, sondern sogar wöchentlich problemlos zwischen eher humoristischen und eher ernst-sozialkritischen Umsetzungen alternieren kann. Das schafft kaum eine andere Dachmarke.
Doch es gibt auch Kritik an dieser Neuerung – unter Anderem auch aus den eigenen Reihen: «Tatort – Leipzig»-Hauptdarstellerin Simone Thomalla ließ sich von Bild.de etwa folgendermaßen zitieren: „Wenn ein «Tatort»-Team jetzt nur noch maximal zweimal im Jahr ermittelt, kann man viele Geschichten, gerade zwischen den Kommissaren, nicht mehr erzählen. Die Abstände zwischen den Ausstrahlungen sind zu groß.“• Tatort
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