«Sexy Beasts»: Palina lässt grüßen

Die neue Dating-Show auf sixx überzeugte am Mittwochabend mit hohem Unterhaltungswert und Kurzweil - weckte allerdings starke Erinnerungen an ein Format, das erst im Sommer auf ProSieben floppte.

Die Show bietet alles, was Frauen wollen: außergewöhnliche Dates, einen Schuss Romantik und vor allem ganz viel Spaß - denn wo kann man schon Menschen in Monster-Masken beim Flirten zuschauen? Besonders faszinierend ist natürlich der Moment, in dem die Masken fallen - jedes Mal ein absoluter Wow-Effekt.
sixx-Geschäftsführerin Eun-Kyung Park über «Sexy Beasts»
Kuppelshows im deutschen Fernsehen haben nun wirklich nicht den allerbesten Ruf. Nicht zuletzt durch ethisch äußerst fragwürdige Formate wie «Schwiegertochter gesucht» und «Schwer verliebt» haben viele paarungswillige Menschen längst das Vertrauen in das Medium verloren, während «Der Bachelor» schon von den Protagonisten selbst längst eher als Casting für Möchtegern-Prominente denn als Partnervermittlung verstanden wird. Um mit frischen Ideen in diesem Sektor auch nur ansatzweise aufrichtig zu wirken, muss also ein Element geschaffen werden, das besondere Tiefe verspricht. Im Falle von «Sexy Beasts» tragen die Teilnehmer Horror-Masken, die dafür sorgen sollen, dass der Charakter und nicht das Aussehen im Vordergrund steht. Aufgrund der etwas arg kurz geratenen Sendezeit kratzt man in der Umsetzung zwar trotzdem nur an der Oberfläche, bietet allerdings durchweg kurzweilige Unterhaltung mit einer positiven Dynamik an.

In der Auftaktfolge bekommt der 30-jährige Christian insgesamt drei weibliche Kandidatinnen angeboten, die mit unterschiedlichen Mitteln um seine Gunst buhlen sollen. Die Gesichter aller vier Protagonisten sind dabei in unterschiedliche Schreckensmasken gehüllt, sodass man wenn überhaupt nur minimale Rückschlüsse auf deren Aussehen ziehen kann. Schon bei der insgesamt etwa fünf Minuten umfassenden Vorstellung der Kandidaten fallen zwei Dinge auf: Die Masken - die übrigens mit der Zeit allesamt fallen - sind bemerkenswert liebevoll und aufwändig gestaltet, sodass man sie beinahe schon in einem mittelprächtigen Horror-Streifen einsetzen könnte. Und die Protagonisten machen allesamt einen sehr extrovertierten und selbstbewussten Eindruck, stehen mitten im Leben und sprechen eine sehr junge Zielgruppe zwischen 20 und 35 Jahren an. Der Kommentator schlägt in eine ähnliche Kerbe, wirkt dabei allerdings etwas bemüht - hält sich im weiteren Verlauf der Sendung jedoch glücklicherweise zunehmend zurück.

Das weitere Vorgehen: Im Speed Date-Teil bekommt Christian jeweils zehn Minuten Zeit, mit den Damen ins Gespräch zu kommen. Da in der TV-Fassung nur rund ein Drittel dieser Zeit überhaupt gezeigt wird, bekommt man ebenso dynamische wie oberflächliche Abbildungen dieser sich zumeist auf Standard-Fragen nach Alter, Beruf und Hobbys beschränkenden Smalltalks geboten. Nachdem im Anschluss bereits die erste Dame die Koffer packen muss, begibt sich der Umworbene mit den beiden Finalistinnen auf Kletter-Tour und ins Möbelhaus, um sich besser kennen zu lernen. Auch hier bleibt für den Zuschauer ein ähnlicher Eindruck haften wie zuvor: Irgendwie macht das Spaß, was man da zu sehen bekommt, ein wirkliches Bild von der Chemie zwischen Mann und Frau kann man sich jedoch kaum machen.

Von dem angepriesenen Tiefgang, mit dem die Sendung beworben wird, bleibt in der geschnittenen Endfassung also kaum etwas übrig. Wie man vor dem Fernsehgerät damit umgehen möchte, ist in erster Linie eine Frage der persönlichen Einstellung: In Sachen Unterhaltungsfaktor und Dynamik leistet die Produktion eine sehr gute Arbeit. Wem jedoch eine besondere Empathie und das Gefühl, Teil der Szenerie zu sein, wichtig ist, wird hier kaum mit einem positiven Gefühl aus den gerade einmal knapp 30 Minuten Netto-Sendezeit herausgehen.

Quoten von «Crazy Dates»

Mit gerade einmal 0,54 Millionen Zuschauern wurde die bisher einzige Ausgabe des ProSieben-Formats Anfang Juni böse abgestraft: Nur 3,8 Prozent aller und 6,0 Prozent der werberelevanten Zuschauer wurden erzielt. Allerdings ging man auch im Anschluss an den Casting-Flop «Keep Your Light Shining» auf Sendung, der ähnlich miese Werte verzeichnete.
Wer bei der Betrachtung ein Deja-vu hatte, muss sich nicht zwangsläufig um die eigene Verfassung sorgen. Bereits im Sommer lief mit «Crazy Dates» auf dem großen Schwestersender ProSieben einmalig ein sehr ähnlich gepoltes Format, das allerdings eine herbe Bruchlandung hinlegte (siehe Infobox). Damals traf eine junge (und unmaskierte) Frau auf zwei Männer, deren gesamter Körper von Tierkostümen umhüllt war. Begleitet wurde die Dame von Palina Rojinski, das sixx-Pendant kommt hingegen ohne Moderation aus - was es keinesfalls schwächer macht. Der Vorteil von «Crazy Dates» war allerdings die Tatsache, dass der Hauptakteur nur zwischen zwei Bewerbern zu wählen hatte, wodurch die Kennenlern-Phase etwas intensiver und nachhaltiger vonstatten ging. Die Schwäche des ProSieben-Formats: Man wollte die Sendezeit unbedingt auf eine ganze Stunde strecken und zeigte deshalb gleich zwei Datings hintereinander - wodurch die Luft in der zweiten Hälfte merklich raus war.

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Ob «Sexy Beasts» langfristig in der Lage ist, die Zuschauer vor die Geräte zu locken oder sich abermals baldige Verschleißerscheinungen bemerkbar machen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen. Die Premierenfolge überzeugte jedenfalls durch ihre flotte und sehr kurzweilige, wenngleich auch vergängliche und oberflächliche Aufmachung. An Tiefgründigkeit wurde zugunsten eines höheren Unterhaltungswerts mächtig gespart, was für ein primär auf Quote abzielendes Format allerdings legitim ist. Letztlich bleibt die Frage, ob diese Idee überhaupt von den Zuschauern angenommen wird - zur Bejahung dessen wird man auch auf Paula Lambert hoffen müssen, die zuvor um 20:15 Uhr in «Frauendingsbums - Attraktives Halbwissen» mehr oder minder wichtige Fragen beantwortet und im Anschluss um 22:50 Uhr mit neuen Folgen ihres Sex-Talks «Paula kommt» auf Sendung geht.

«Sexy Beasts» soll auch an den kommenden drei Mittwochabenden jeweils um 22:15 Uhr bei sixx ausgestrahlt werden.
13.11.2014 00:20 Uhr  •  Manuel Nunez Sanchez Kurz-URL: qmde.de/74431