Vermischtes

Martin Rütter, Die «Pferdeprofis» und Co.

Können die TV-Formate rund um Tiere punkten? Können Martin Rütter und seine Kollegen sinnvolle Tipps geben oder ist dies einfaches Unterhaltungsfernsehen?

Der Fernsehmarkt ist mittlerweile voll von Tiersendungen, in denen Haus- oder Wildtiere entweder in ihrem Alltag gezeigt, verschiedene Problematiken aufgegriffen oder praxiserprobte Tipps für den Heimtierhalter vor dem Bildschirm gegeben werden. Doch wie sieht es eigentlich hinter den Kulissen aus, sind die Sendungen gescriptet oder verlaufen die tierischen Abenteuer der Magazine und Zoo-Soaps wirklich spontan und realitätsnah? Und sind die vielen Informationen und darin enthaltenen Ratschläge überhaupt korrekt? Ein Blick auf einige der gängigsten Fernsehformate und deren Kritiken durch die Zuschauer zeigt, wie empfehlenswert und hilfreich das Tierfernsehen wirklich ist.

1. Martin Rütter – der Hundeprofi


In Deutschland gilt Martin Rütter als der Hundeprofi schlechthin und ist mit einer gleichnamigen Serie sehr erfolgreich auf Vox vertreten. Spezialisiert hat sich der ehemalige Sportwissenschafts-Student zunächst bei einem Lehrgang für Tierpsychologie, darauf folgten diverse Praktika in Wolfsaufzuchtstationen und viele Reisen rund um die Welt, in denen er Tiere beobachtete. Abschließend folgte außerdem noch die Spezialisierung auf Ausbildungen von Blindenführ- und Rollstuhlbegleithunden. Während die Serie das Gefühl aufkommen lässt, dass die Fälle stets schnell gelöst sind, so sieht es hinter den Kulissen anders aus. Tatsächlich werden die Teilnehmer laut Angaben Rütters über drei bis sechs Wochen begleitet und müssen dabei bis zu 50 Trainingseinheiten absolvieren – diese kontinuierliche Betreuung ist wichtig für den langfristigen Erfolg und wird zudem durch das umspannende Netzwerk an D.O.G.S.-Hundezentren unterstützt. In den Zentren, die deutschlandweit Standorte haben, werden vor allem Kurse, Seminare und Themenvorträge mit unterschiedlichen Schwerpunkten abgehalten. Dabei stehen den Nutzern qualifizierte D.O.G.S.-Trainer zur Seite, die nach der Philosophie des Hundeprofis ausgebildet worden sind. Die Fälle in der Serie selbst sollen laut Rütter übrigens zu 100% echt und authentisch sein, wie ein Interview mit lokalkompass.de belegt:

„Unsere Hundeprofi-Fälle beispielsweise sind absolut echt, da wird nichts inszeniert oder gefaket, das erzeugt eine hohe Glaubwürdigkeit. Dazu kommt Authentizität, ich bin gerade heraus, ob prominenter oder normaler Hundebesitzer, bei mir bekommt jeder eine ehrliche Meinung, die kann auch mal unbequem ausfallen. Früher wurde bei der Hundeerziehung alles immer so unerträglich verbissen gesehen. Ich finde, Hundetraining darf und muss auch Spaß machen. Ich glaube, diese Mischung bei mir gefällt den Menschen, in diesem speziellen Fall den weiblichen."

Aber auch hier kommt es gelegentlich zu Kritik, da sich gerade Tierliebhaber in ihren Methoden und Vorstellungen nur selten einig werden. So bemängeln einige Zuschauer, dass Rütter sich hinsichtlich der Ernährung von Hunden nicht klar ausdrückt, was voraussichtlich auch mit Sponsoren der Sendung wie Pedigree zu tun haben dürfte. So wird bisher immer noch eine Stellungnahme zum sogenannten BARFEN vermisst, also dem Füttern von rohem Futter, wie es beispielsweise hier genauer in Augenschein genommen werden kann. Die Methode gilt als besonders gesund und vor allem natürlich, dementsprechend gut sollte sie also eigentlich in das Programm des Hundeprofis passen oder zumindest einmal Erwähnung finden.

2. Tamme Hanken – der „Knochenbrecher“


Einen unkonventionelleren Weg wählt hingegen Tamme Hanken, der sogenannte „Knochenbrecher“ aus Filsum. Allein durch seine Statur fällt der 2, 06 Meter große Ostfriese auf, aber auch der typisch norddeutsche „Schnack“ macht den Hünen sympathisch. Allein das könnte bei so manchem Sender vielleicht schon für ein eigenes Format reichen, Tamme Hanken hat es jedoch aufgrund seiner Arbeit als einer der besten Pferde-Chiropraktiker weltweit ins Fernsehen geschafft. Mit seinen großen Händen erfühlt und erspürt er die Nerven eines kranken Tieres. Um blockierte Körperstellen zu behandeln, streckt er die Gelenke der Tiere und entfernt störende Verrenkungen – so kommt es auch zu den entstehenden „Knacks-Geräuschen“, denen der Knochenbrecher seinen Namen verdankt. Fakt ist, dass Herr Hanken auf seinem Reha-Hof auch abseits der Show kranke und verletzte Tiere behandelt, hinzu kommt außerdem der sogenannte Kummertag, an dem alle erdenklichen Tiere direkt auf dem Hof behandelt werden, wenn sich die Besitzer zuvor anmelden. Nebenbei betreibt Hanken eine Pferdezucht sowie den dazugehörigen Verkauf. Keinesfalls kann hier also nur von einer Fernsehsendung die Rede sein, diese ist vielmehr ein weiterer Zusatz im Portfolio und findest meist zeitgleich zum Alltagsleben auf dem Hof statt. Zwar gibt es auch hier einige Fälle, in denen Zuschauer oder Besucher von Tamme Hanken nicht zufrieden waren, die große Mehrzahl spricht allerdings positiv über die Maßnahmen, die für Pferde und andere Tiere wie etwa Hunde, Katzen und sogar Kleintiere wie Hamster geboten werden. Kritischer wird der Knochenbrecher hingegen von dem Pferdemagazin Cavallo betrachtet, bei dem Winnie Dreschel – ebenfalls auf chiropraktische Behandlungen spezialisiert – Verletzungsgefahren für die Tiere vermutet und das immer wieder gleiche Behandlungsmuster kritisiert.

3. hundkatzemaus


Das Magazin hundkatzemaus ist vor allem auf Haustiere ausgerichtet und berichtet bereits seit 2001 über verschiedenste Themen. Neben Service-Beiträgen zu artgerechter Tierhaltung, Tests zu Produkten für Heimtiere oder Wissensbeiträgen zu Tierarten und verschiedenen Rassen kommen neben der Moderatorin Diana Eichhorn auch immer wieder unterschiedliche Experten wie Tiertrainer, Zoologen und Wissenschaftler zum Einsatz. Ergänzt wird das Format durch den Tierarzt Dr. Wolf, der Erkrankungen und Behandlungen näher erläutert und dafür Tiere in seiner Heimtierpraxis behandelt. Seit 2008 fokussiert sich die Serie außerdem verstärkt auf unterschiedliche Tierschutzthemen wie falsche Haltung oder besondere Problemfälle. Mit rund einer Million Zuschauern pro Folge gilt hundkatzemaus als DIE beliebteste Tiersendung im deutschen Fernsehen und wird aufgrund der vielen praxisnahen Tipps und Beitrage größtenteils als sehr positiv wahrgenommen. Lediglich einige Folgen konnten die Zuschauer bisher nicht überzeugen und führten mitunter sogar zu Empörung aufgrund der dargestellten Sachverhalte. Dies bezieht sich beispielsweise auf einen zum Teil sehr reißerisch nachgestellten Filmbeitrag, der den Vorwurf von „Gossenjournalismus der übelsten Sorte“ und „Diffamierung von Jägern“ mit sich brachte. Genauer geht es dabei um einen Fall, dem die angebliche Tatsache zugrunde liegt, dass jährlich 40.000 Hunde und 350.000 Katzen von deutschen Jägern erschossen werden – Zahlen, die in den Raum geworfen, im Nachhinein jedoch nicht belegt werden können. Weitere Einzelfälle haben ebenfalls für Aufsehen gesorgt, darunter auch folgende Geschichte, die bei doggennetz.de genauer nachgelesen werden kann. Bis auf einige Ausnahmen, die grenzwertig erscheinen, kann hundkatzemaus jedoch tatsächlich mit vielen guten Tipps und Ratschlägen punkten, die vor allem für klassische Haustiere wie Hund, Katze oder Kleintier geeignet sind.

4. Die Pferdeprofis – ein Desaster für Vox?


Nachdem der Hundetrainer mit Martin Rütter ein offensichtlicher Erfolg des Senders war und noch immer ist, hatte Vox bereits im Februar 2012 beschlossen, das Programm auszubauen und künftig auch Pferdebegeisterte vor den Fernsehschirm zu locken. Im Grunde keine schlechte Idee, doch bereits nach den ersten Folgen war klar, dass der Sender sich mit dem neuen Format keinen Gefallen getan hat. Denn das anfänglich familientauglich wirkende Format entpuppte sich schnell als doch nicht ganz so gelungene Sendung, die bereits nach der ersten Folge sehr viel Kritik einstecken musste. In zahlreichen Internetforen und auf sozialen Plattformen (unter anderem hier oder hier) wurde bereits kurz nach der Ausstrahlung lautstark darüber debattiert, dass ein völlig falscher Umfang mit dem Pferd gezeigt werde und zudem auch noch unlautere Methoden der Pferdeausbildung zum Einsatz kämen – für einige Zuschauer grenzte das Format sogar bereits an Tierquälerei.

Nichts desto trotz muss aber auch hier gesagt werden, dass es durchaus auch positive Rückmeldungen zu den Pferdeprofis gibt und diese nach wie vor über Vox ausgestrahlt werden. Die Tatsache, dass so manche Situation der Sendung konstruiert wirkt und dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch ist, sei einmal dahingestellt. Da es sich bei den beiden Pferdeprofis Bernd Hackl und Sandra Schneider andererseits aber auch um echte, ausgebildete Profis handelt (Bernd Hackl ist einer der wenigen Horsemen in Deutschland, Sandra Schneider ist zertifizierte Pferdekommunikationstrainerin), sind viele der Fehler und Missverständnisse vermutlich auch auf den Schnitt der Serie zurückzuführen.

5. Tiersendungen im Fernsehen


Übrigens müssen auch andere Tierformate sich mit Kritik auseinandersetzen, allen voran die beliebten Zoo-Soaps, die vor allem von den öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt werden – darunter beispielsweise „Eisbär, Affe und Co“, „Elefant, Tiger und Co.“ oder „Nashorn, Zebra und Co.“. Vor allem Tierschützer beklagen, dass die Tiere nur als Kulisse für die nach Aufmerksamkeit heischenden Tierpfleger herhalten dürfen, während die Probleme der oftmals nicht artgerechten Haltung ungenannt bleiben. Und tatsächlich haben die Dokusoaps über hinter Gittern lebende Tiere derzeit Hochkonjunktur, sodass mittlerweile immer häufiger wilde Tiere als Freunde der Menschen inszeniert und weniger gern in realistischen Dokumentationen in ihren natürlichen Lebensräumen – etwa den weiten Steppen Afrikas – betrachtet werden. Veterinärmediziner und Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierverhalten an der Freien Universität Berlin Jörg Luy sagte dazu in einem Interview mit dem NDR folgendes:

„Kaum ein Bereich dieses ererbten Verhaltensrepertoires kann in einem Zoo uneingeschränkt ausgelebt werden. Die Zoos bemühen sich zwar darum, die Umgebung der Tiere so "natürlich" wie möglich aussehen zu lassen, aber die Anforderungen, die sich den Tieren in ihrer ursprünglichen Umgebung stellen, sind in aller Regel völlig anders und nicht selten wesentlich umfangreicher und komplexer als im Zoo. Selbst wenn sich ein Zoo darum bemüht, Tiere, deren komplexe Bedürfnisse er nicht befriedigen kann, zu verwöhnen, sind nicht selten übergewichtige, unglücklich wirkende Individuen die Folge. Das Problem der Zoos ist ihr überholtes Selbstverständnis, das zunehmende Kritik hervorruft.“

Kurz-URL: qmde.de/77568
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