„Um Gottes Willen! Was bringen die mir für einen abstrusen Fall?“ Mit diesen Worten spricht Alexander Hold in der Retrospektive über seine erste TV-Gerichtsverhandlung in Sat.1. Es war der 12. November 2001, als der Sender aufgrund des Erfolgs von «Richterin Barbara Salesch» eine zweite Court-Show im deutschen Fernsehen startete. Der abstruse erste Fall, von welchem Hold heute spricht, handelte von einem jungen Paar, das sein eigenes Baby in einem Bahnhofs-Schließfach versteckte, um die Nacht in der Disco verbringen zu können. Abstrus, geradezu unglaubwürdig und konstruiert wirkte Holds erste Gerichtsverhandlung, die von Anfang an auf Laiendarsteller und gespielte Szenen setzte. Doch den Zuschauern gefiel es – trotz oder gerade wegen der Skurrilität der verhandelten Fälle, die in den kommenden Monaten um 16.00 Uhr auf sie warteten.
Diese neuen Trends machten auch ihnen zu schaffen: Mittlerweile erreichen beide Shows bei der für Sat.1 entscheidenden werberelevanten Zielgruppe nur noch leicht überdurchschnittliche Einschaltquoten. «Richter Alexander Hold» interessieren in diesem Jahr 12,7 Prozent der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Beim Gesamtpublikum ist die Sendung dagegen weiterhin sehr gefragt: Hold erreicht hier 2,35 Millionen Zuschauer und durchschnittlich 21,1 Prozent Marktanteil seit Anfang 2011. Damit liegt sein Format immer noch ungefähr gleichauf mit den Werten, die RTL im direkten Gegenprogramm mit der Scripted Reality «Familien im Brennpunkt» einfährt. Im internen Vergleich ist Hold, der bei Sat.1 meist eine der höchsten Reichweiten des Tages einfährt, auch erfolgreicher als Barbara Salesch – und darf daher aktuellen Planungen zufolge bis mindestens 2013 im Fernsehen verhandeln.
Eine Woche vor Alexander Hold, am 05. November 2001, startete die Psychotherapeutin Angelika Kallwass ihre TV-Karriere – die allerdings recht schnell beendet worden wäre: Denn anfangs setzte ihre Sendung «Zwei bei Kallwass» – wie auch zunächst «Richterin Barbara Salesch» – auf echte Gäste, die bei Kallwass ihre Probleme schilderten und psychologischen Rat erhielten. Die Quoten waren zunächst schwach; schon nach zwölf Folgen änderte man das Konzept und setzte auf Laiendarsteller. Und wie zuvor Salesch wurde auch Kallwass erst erfolgreich, als Sat.1 die vermeintlich langweiligen echten Fälle gegen dramatisierte, skurrile und geschauspielerte Geschichten ersetzte. «Zwei bei Kallwass» wurde zum Quotenhit – und ebenfalls zum Trendsetter, doch ähnliche Helpshows wie «Die Jugendberaterin» bei ProSieben konnten später nicht an den Sat.1-Erfolg anknüpfen. Heute ist Angelika Kallwass noch immer auf Sendung – und relativ erfolgreich dazu: 12,4 Prozent der jüngeren Zuschauer schalteten in diesem Jahr durchschnittlich ein. Beim Gesamtpublikum konnte die Sendung im Schnitt 1,58 Millionen Menschen und damit 16,2 Prozent erreichen. • Angelika Kallwass • Alexander Hold
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