2092. Der Orbit ist von Raumschiffwrackteilen, ausrangierten Satelliten und anderem Müll regelrecht verseucht. Dass Raumfahrt überhaupt möglich ist, ist den Space Sweepers zu verdanken, die den Müll einsammeln. Doch werden diese verwegenen Abenteurer etwa als Helden verehrt? Das Gegenteil ist der Fall. Der Job ist lausig bezahlt und die Müllsammler sind zumeist Outlaws, die ihrer Vergangenheit davonrennen. So wie die Besatzungsmitglieder der Victory – denen eines Tages ein irritierender Fang ins Netz geht.
Eines Tages gelingt es der Besatzung der Victory ein besonders wertvolles Wrack aus dem Orbit zu fischen. Ein Wrack, das ihnen eine unerwartete Überraschung beschert, entdecken sie doch in einem Schutzraum ein kleines Mädchen namens Dorothy. Ein Mädchen, das über alle Weltnachrichtensender gesucht wird – denn hinter ihrem menschlichen Antlitz, berichten diese Kanäle, sei Dorothy in Wahrheit eine Androidin, die als Waffe konstruiert worden ist und in sich eine Wasserstoffbombe trägt.
«Space Sweepers» macht Laune. Er bietet nicht nur viele Schauwerte, am Ende sind es die wunderbaren Charaktere, die im Gedächtnis bleiben, allen voran Dorothy. Nach und nach wickelt das Kind die Weltraum-Outlaws um ihre Finger – inklusive Bubs, der mehr und mehr schwesterliche Gefühle für die Kleine entwickelt und ganz nebenbei das eigene Geschlecht definiert. Mit der Figur des James Sullivan kreiert die Story darüber hinaus einen fantastischen Gegenspieler der Außenseitercrew. Richard Armitage, Hauptdarsteller der Serie «Berlin Station» und Darsteller des Zwerges Thorin Eichenschild in «Der kleine Hobbit» verkörpert Sullivan als eine Mischung aus Steve Jobs und shakespearesken Finsterling vom Schlage Macbeth oder Richard III. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Armitage konsequent Englisch spricht, wie überhaupt die Kommunikation in verschiedenen Sprachen in dieser Welt als normal dargestellt wird. Französisch, Schwedisch, Russisch: Eine ganze Reihe von Nebenrollen werden von europäischen Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert, die konsequent in ihren Muttersprachen sprechen. Das verleiht der Story ein sehr eigenes Flair, auch wenn man als Zuschauer einiges an Untertiteln mitlesen muss, da nur die südkoreanischen Hauptfiguren für die deutsche Zuschauerschaft synchronisiert worden sind.
Mit 136 Minuten Spielzeit ist «Space Sweepers» allerdings gut eine Viertelstunde zu lang. Gerade im zweiten Akt kommt die Story kurzzeitig aus dem dramaturgischen Tritt und verliert sich zeitweise in Geschwätzigkeit. Das ist zwar gut gemeint, weil diese Geschwätzigkeit dazu dient, den Protagonisten (aber auch ihrem Antagonisten) etwas mehr Tiefe zu verleihen. Nur spannend ist das leider nicht. Dass es anders geht, beweist die Inszenierung der Vorgeschichte von Tiger Park. Sie braucht gerade einmal zwei Szenen, die nur wenige Sekunden Spielzeit umfassen – und doch alles über ihn erzählen, was man wissen muss, um das Wesen dieses Charakters zu verstehen. Glücklicherweise bleibt dies jedoch der einzige Kritikpunkt an diesem ansonsten äußerst unterhaltsamen, herzlichen und nicht zuletzt an Action reichen südkoreanischen Filmspektakel. 

• Space Sweepers • Alien • Berlin Station • Der kleine Hobbit
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