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Das Comeback des Talks, aber mal anders: ‚Wollen den Weg in ein besseres Miteinander ebnen‘

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Als Studentin gehörte die Talkshow von Bärbel Schäfer zu ihren TV-Lieblingen, heute arbeitet sie an der Renaissance des Daily-Talks. Produzentin Bianca Barth erklärt, wieso sich das neue Sat.1-Vorabend-Format «Ungelogen» dennoch klar von früheren Genre-Vertreten abhebt. Wir haben mit ihr auch über die große Verantwortung der Produzenten gegenüber den Kandidaten bei Lügendetektor-Shows gesprochen und gefragt: Wie groß ist der Markt für Daily-Talk im Privatfernsehen?

Zur neuen Sat.1-Sendung

«Ungelogen» zeigt echte Menschen und ihre echten Geschichten: Jeweils zwei Menschen führen das ehrlichste Gespräch ihres Lebens. Was steht ungeklärt zwischen ihnen? Was belastet ihre Beziehung zueinander? Was wollten sie schon immer voneinander wissen? Mit Unterstützung von Kommunikations-Experten wagen die Gesprächspartner sich an Themen, die auch mal wehtun, im Alltag oft unter den Tisch fallen und das Miteinander belasten. Sat.1 zeigt die 30 Minuten lange Sendung ab 2. September um 17.30 Uhr. In Teilen Deutschlands läuft auf dem Slot aber ein Regionalprogramm.
Frau Barth, wenn ich jetzt an einen Lügendetektor im Rahmen eines Talk-Formats denke, dann werden unweigerlich Erinnerungen wach an frühere Daytime-Formate wie «Britt», der Talk damals um eins in Sat.1. Auch wenn er nicht von Ihnen produziert wurde, kann man denn mit guten Erinnerungen an die damaligen Daily-Talks denken?
Als das Genre Talkshow groß wurde, war ich Studentin und gestehe hiermit: Ich habe mich so manchen Tag vorm Lernen gedrückt und lieber Bärbel Schäfer & Co. geguckt. Das war damals irgendwie aufregender als die nächste Hausarbeit. Heute sehe ich das natürlich kritischer. «Ungelogen» ist definitiv keine klassische Talkshow, wir wollen das Genre ganz neu aufladen. Bei uns steht das offene und ehrliche Gespräch zwischen zwei Menschen im Mittelpunkt.

Sie werden mir jetzt natürlich sagen, dass beide Formate nicht vergleichbar sind. Wo liegen denn die Unterschiede zwischen «Ungelogen» und einstigen Talks mit Lügendetektor-Einsatz?
Genau. Der offensichtlichste Unterschied ist, dass bei «Ungelogen» qualifizierte Fachleute die Gesprächsführung übernehmen, nicht klassische Moderator*innen. Unsere fünf Experten nutzen die Ergebnisse des Lügendetektors zur Unterstützung bei der Wahrheits-Suche und zur Veranschaulichung. Aber sie sind alle geschult im Auslesen von Körpersprache und Mimik und erkennen auch ohne den Lügendetektor, ob jemand gerade die Wahrheit sagt oder sich aus der Affäre zieht. Und ihr Kern-Anliegen ist eben nicht, eine Lüge zu finden und dann zuzusehen, wie die Leute sich deswegen in die Haare kriegen. Sondern den Gesprächspartnern mit Aufdecken der Lüge zu helfen, klarer zu sehen und ihnen einen Weg in ein besseres Miteinander zu ebnen. Das klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch – aber genau das wollen wir bei «Ungelogen» erreichen.

Gehe ich recht in der Annahme, dass «Ungelogen» ein sehr positiv belegtes Format sein soll? Sie sagten ja bereits, dass die Devise der Sendung auch „Redet miteinander! Ein offenes und ehrliches Gespräch tut gut“ lautet. Ist das auch der Unterschied zu anderen Lügendetektor-Sendungen?
Ja, das stimmt! Und ich fand es ein bisschen erschreckend, wie wenig wir offenbar miteinander über die Dinge sprechen, die wirklich wichtig sind. Streiten – das schon, aber ein konstruktives Gespräch führen mit der Absicht, die Situation zu verbessern, ist offenbar nicht gerade Usus in Beziehungen. Wir hatten zum Beispiel Teilnehmer, die nach ihrem Gespräch sagten, dass sie sowas noch nie gemacht hätten – und damit meinten sie, sich gegenübersitzen ohne Handy in der Hand oder mit einem Auge am Fernseher und konzentriert und ohne Ablenkung miteinander sprechen.

Natürlich hat man immer eine Verantwortung für die Teilnehmer einer Sendung. Dass man ihnen nichts vormacht und sie anständig behandelt.
Bianca Barth, Produzentin UFA Show & Factual über die Verantwortung gegenüber Talk-Gästen
Im Vereinigten Königreich stehen Sendungen dieser Art ja durchaus in der Kritik, weil sie die Talk-Teilnehmer zumindest dort offenbar recht unter Stress setzen. Welche Verantwortung haben Sie als Produzent in diesem Fall gegenüber den Teilnehmern?
Natürlich hat man immer eine Verantwortung für die Teilnehmer einer Sendung. Dass man ihnen nichts vormacht und sie anständig behandelt. Dass man bei Grund zur Sorge noch mal anruft und gegebenenfalls psychologische Betreuung im Nachgang anbietet, wenn man das Gefühl hat, es wäre nötig - das mussten wir zwar nicht oft, aber es kam vor. Das ist eine Verantwortung, die wir im Team sehr ernst genommen haben. Und auch unsere Auswahl an Experten zeigt, dass wir verantwortungsvoll mit den Teilnehmern und ihren Themen umgehen.

Auch «Ungelogen» ist eine Adaption – nämlich von «The Lie Detective» aus England. An welchen Stellschrauben haben Sie für den deutschen Markt noch gedreht?
In Großbritannien ist «Ungelogen» ein wöchentliches Format. Wir haben es mit Sat.1 als Daily adaptiert. Dafür arbeiten wir mit einem Team von fünf Experten statt nur mit einem «Lie Detective» wie in UK. Im Originalformat werden zudem ausschließlich Liebesbeziehungen behandelt – bei «Ungelogen» haben wir die Themen breiter gefächert. Bei uns haben sich nicht nur Paare, sondern auch Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen zum ehrlichsten Gespräch ihres Lebens zusammengesetzt. Unausgesprochenes gibt’s in jeder Art von Beziehung.

Wenn Sie ans Casting zurückdenken; welche Beweggründe haben denn Menschen, sich vor laufender Kamera an ein solches Gerät anschließen zu lassen?
Die Bandbreite ist sehr groß. Ich glaube, Neugierde ist eine sehr menschliche Regung und wenn Sie die Möglichkeit bekommen, über etwas, was sie umtreibt, endlich die Wahrheit herauszufinden – dann kann das ein Beweggrund sein. Sicherlich waren auch Menschen dabei, die es einfach spannend fanden, an dieser Art Gesprächs-Experiment teilzunehmen. Und es vielleicht am Anfang auch gar nicht so wahnsinnig ernst nahmen – dann aber doch aufschlussreiche Erkenntnisse gewonnen haben. Bei etlichen gab es echten Leidensdruck und die Hoffnung, dass sie ihre Situation verbessern können mit einem solchen Gespräch. Wir haben von vielen Teilnehmern hinterher das Feedback bekommen, was für eine befreiende oder bereichernde Erfahrung ihr ehrlichstes Gespräch für sie war. Übrigens auch, wenn Dinge ans Licht kamen, von denen man gehofft hatte, sie wären eben nicht wahr.

Sehen Sie eigentlich einen Markt für weitere tägliche Talks im Privatfernsehen?
Darüber sprechen wir am besten noch einmal, wenn «Ungelogen» ein paar Wochen gelaufen ist.

Alles Gute für den Start und Danke für das Gespräch.

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