Vermischtes

Ist der Fernseher tot? So steht es um das einstige Lieblingsgerät der Deutschen

  |  7 Kommentare

In den 1950er Jahren zogen die ersten Fernseher in die Wohnzimmer der Deutschen ein. Das Programm war damals noch sehr beschränkt.

Der Nordwestdeutsche Rundfunk begann zum Beispiel 1952 mit einer täglichen Sendezeit von drei Stunden. Bald schon konnten die Menschen dank Liveübertragungen erstmals an historischen Events wie der Krönung von Elizabeth I. (1953) und der Fußballweltmeisterschaft im darauffolgenden Jahr teilhaben. 1973 sahen bereits 93 Prozent aller Deutschen fern. Doch seit beginn des 21. Jahrhunderts werden analoge Übertragungswege zunehmend von digitalen Versionen abgelöst. Ist das Ende der TV-Ära in Sicht?

TV in the Park
"TV in the Park" by Leslie Duss (CC BY-ND 2.0)

Das Smartphone als Tor zur Welt
Es ist vor allem das Internet, das dem TV Konkurrenz macht. Die meisten Menschen sehen die 90er Jahre als den Beginn des digitalen Zeitalters an. Es begann mit dem anfangs doch recht sperrigen Personal Computer, doch mittlerweile surfen die Deutschen das Netz auch auf Laptops, Tablets und Smartphones. Letztere haben den anderen Geräten in den letzten Jahren den Rang als meistgenutztes Gerät für den Internetzugang abgelaufen.

smartphone
"smartphone" by Christian Spannagel (CC BY-SA 2.0)

So nutzen Sie Deutschen das Internet
Laut einer 2016 durchgeführten ARD/ZDF-Onlinestudie verbringen die Deutschen im Durchschnitt täglich zwei Stunden und acht Minuten im Internet. Für den Zugang nutzen 66 Prozent ihr Handy. Bei den befragten 14- bis 29-Jährigen waren es sogar fast 100 Prozent. Die meiste Zeit verbringen die Deutschen mit Medienkonsum und Kommunikation. Vor allem Facebook und WhatsApp sind äußerst beliebt.

Aber auch die Nachfrage nach Spiele-Apps steigt stetig. 2016 wuchs der Markt um 30 Prozent und erreichte somit einen Wert von 409 Millionen Euro. In Deutschland gibt es momentan etwa 17,3 Millionen Menschen, die ihr Smartphone für Spiele nutzen und das immer größer werdende Angebot hat erheblich dazu beigetragen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich mit Snake begnügen musste. Gute Grafiken und ein kinoreifer Soundtrack sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Man kann sogar bereits mit dem Handy im online Casino um Echtgeld spielen und auch der zur Zeit starke Trend zum Live Streaming wird von den online Casinos nur zu gern aufgegriffen. Diese Entwicklung lässt sich kaum aufhalten.

handmade & watching tv
"handmade & watching tv" by  (CC BY 2.0)

Was bedeutet das für den Fernseher?
Die Deutschen nutzen das Internet ca. eine halbe Stunde pro Tag, um Medieninhalte zu konsumieren. Fernsehbeiträge machen nur ca. elf Minuten dieser Zeit aus. Das klingt anfangs nicht nach viel, jedoch ist dies nur ein Durchschnittswert. Menschen unter 30 nutzen das Internet deutlich häufiger, um Fernsehprogramme zu schauen als ältere Leute. Die Zahl der 14- bis 29-Jährigen, die noch Fernsehen zu geregelten Zeiten schauen, ist rückläufig. 2010 schaute diese Altersgruppe noch 135 Minuten pro Tag fern. 2015 waren es bereits nur noch 118 Minuten. Für die Fernsehsender und die Werbebranche ist dies ein großer Verlust.

Selbstbestimmtes Fernsehen ist immer weiter auf dem Vormarsch. Sowohl Streamingdienste wie Netflix und Amazon als auch die Online-Mediatheken der Fernsehsender sind mittlerweile nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Die Zuschauer sind eben anspruchsvoller geworden, denn online kann man Programme oftmals in besserer Qualität und zu jedem Zeitpunkt aufrufen. Ist Fernsehen also tot? Es ist zwar ein langsamer Prozess, aber früher oder später wird wohl analoges Kabel- und Satellitenfernsehen von der digitalen Übertragung abgelöst werden.

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Es gibt 7 Kommentare zum Artikel
Vittel
20.11.2017 12:50 Uhr 1
" Ist Fernsehen also tot? Es ist zwar ein langsamer Prozess, aber früher oder später wird wohl analoges Kabel- und Satellitenfernsehen von der digitalen Übertragung abgelöst werden."



Dieser Satz zeigt besonders gut, dass die althergebrachten Kategorien Fernsehen, Internet, dedizierte Geräte usw. nicht mehr wirklich passen.



Ich nutze Displays unterschiedlichster Größe um Inhalte zu konsumieren.

Los geht es bei den ca. 5" meines Handys über die 10" meines Tablets und 22" meines Monitors zu 42" meines TVs.

Je nach Aufenthaltsort und Inhaltsart und Lust&laune variere ich entsprechend.



Mir ist egal, aus welcher Plattform (Youtube, Netflix, Amazon, ÖR Sender, Twitch) die für mich interessanten Inhalte stammen und welcher Übertragungsweg dahinter steht. (Analog ist natürlich tot, hat mit der Transformation aber nur am Rande zu tun)



Ich kann mit jedem Gerät auf alle Plattformen zugreifen und die Inhalte per Knopfdruck zwischen den Geräten wechseln.



Das müssen alle Anbieter in Zukunft verstehen um weiterhin ihre Zuschauer zu erreichen. Die Privatsender sind für mich z.B. nicht mehr empfangbar, weil die Streams hinter Registierungs- oder sogar Bezahlschranken liegen. Für werbeverseuchte Sendungen werde ich aber natürlich nicht bezahlen und mich auch nicht aufwendig registrieren.
kauai
21.11.2017 09:18 Uhr 2
Wie ist denn folgender Satz gemeint?


Meines Erachtens ist die Empfangsqualität des herkömmlichen TVs durchaus noch besser als die Bildqualität eines Streams.



Ansonsten ziehe ich den Fernseher jederzeit einem Computer-Monitor vor, so wie ich die Ausstrahlung über einen (Pay-) TV-Sender oder eine DVD jederzeit einem Stream vorziehen würde.



Laptop oder Tablet sind mir einfach zu klein um dauerhaft Filme oder Serien zu schauen. Vom Handy will ich aufgrund der Display-Größe gar nicht erst anfangen, wobei sich das "Problem" bei mir eh nicht stellt, da ich kein Smartphone besitze.



Ich muß allerdings dazu sagen, daß ich nicht mehr zur Gruppe der 14-29jährigen zähle, jedoch immer noch deutlich in der werberelevanten Zielgruppe liege.
Vittel
21.11.2017 10:04 Uhr 3


Der herkömmliche TV hat ja erst mal nichts mit der Empfangsqualität zu tun. Es kommt darauf an, wie und was man am herkömmlichen TV anschaut.



Analoges Kabel und Sat (soweit noch verfügbar) sieht natürlich grauenhaft aus. Ebenso das alte DVB-T (DVB-T2 habe ich noch nicht gesehen)



DVB-C ist besser, aber in bewegten Szenen (z.B. Glitter bei einer Bühnenshow) hagelt es Blockartefakte ohne Ende, wenn die Datenrate nicht stimmt. Das ist bei den Privatsendern immer wieder zu beobachten.

DVB-S hat die besten Datenraten und daher ein ganz anständiges Bild.





Beim Streaming kommt es natürlich auch auf die Quelle an. Der ZDF und Arte Stream bzw. die Mediathek ist ganz ordentlich. Der ARD Stream ist nicht so toll, da ist DVB-C/S deutlich besser.



Netflix und Amazon sind gut, über DVD aber unter Blu-Ray. Netflix 4k soll vergleichbar sein mit Blu-Ray, also über DVB-C/S

Einige Twitchstreams werden in 1080p 60FPS gestreamt, das sieht dann natürlich auch besser aus als DVB-C/S



Auf Youtube gibt es einiges Material in 4k 60 FPS, das jegliches herkömmliche TV Bild in den Schatten stellt.






Was hat Streaming speziell mit Computer-Monitor zu tun? Den Stream legt man sich auf das Display/Gerät, das in der entsprechenden Situation am geeignetsten ist.



Filme und Serien zu Hause streamt man natürlich auf den großen TV im Wohnzimmer.



In der Bahn hat man keinen >42" TV dabei ;), da muss dann Tablet oder Notebook ausreichen und man muss das Material vorher zwischenspeichern, da der mobile Empfang nicht ausreicht.



Zwischendurch mal kurz Nachrichten schaue ich auch mal auf dem Handy wenn ich unterwegs bin.



Eine Reparaturanleitung von youtube streame ich auf den Computermonitor auf dem Schreibtisch.



Eine Kochsendung bzw. Kochanleitung streame ich auf dem Tablet in der Küche, usw.





Das meine ich ja, die Grenzen zwischen Quellen, Übertragungswegen und Geräten verwischen immer weiter. Am Schluss bleibt nur das Interface (Display+Ton) und der jeweilige Inhalt übrig, die sucht man sich entsprechend aus.

Alles andere wie Übertragungsweg, Sender, usw. rückt vollkommen in den Hintergrund.
kauai
21.11.2017 13:38 Uhr 4


Ich habe digitalen Sat-Empfang und die Bild-Qualität ist im Regelfall besser als das, was ich bei einer 12K-Verbindung beim streaming empfange. Ich muß aber dazu sagen, daß sich meine Erfahrungen lediglich auf 4-5 Quellen beschränken. Vielleicht wäre das bei 4K anders (ich glaube es aber nicht wirklich), aber da kann ich nicht mitreden, da weder mein TV noch mein Monitor 4k-fähig sind.




Mein TV ist nicht ans Netz angeschlossen - ich bin mir nicht Mal sicher, ob er netzfähig ist! Wenn ich streame dann über den Fire-TV-Stick und gezielt Serien oder Filme.



Ich habe noch nie eine Mediathek genutzt und auch youtube nutze ich nur in sehr seltenen Fällen (wenn dann am Rechner). Dazu fahre ich mit dem Auto zur Arbeit und nicht mit der Bahn. Dementsprechend brauche ich weder ein Smartphone noch ein Tablet, da ich unterwegs eh kein Internet nutze.
Vittel
21.11.2017 14:49 Uhr 5
Ja klar, wenn man keinen Bedarf hat dafür, dann ist es auch egal. Aus Nutzersicht spielt das keine Rolle, alle Empfangsformen funktionieren noch mal abgesehen von den bisherigen Analognutzern, die jetzt nach und nach umsteigen müssen.



Aber aus Anbietersicht sieht es eben anders aus. 80% der Menschen in Deutschland besitzen bereits ein Smartphone, je jünger, desto mehr an der 100%.



Die Nutzungsgewohnheiten verändern sich, das steht ja im Artikel. Netflix und Amazon Video sind gerade mal drei Jahre auf dem Markt und haben manche Gesellschaftsgruppen fast komplett durchdrungen und Sehgewohnheiten auch abseits des eigenen Programmangebots verändert.



Wer als Inhalteanbieter in Zukunft weiter mitspielen will, der muss sich entsprechend anpassen.

Einzig die Geschwindigkeit dieser Transformation ist noch offen.
Florence
22.11.2017 04:31 Uhr 6
Die Überschrift und Teile des Artikels sind aber durchaus unglücklich gewählt. Denn inhaltlich will man das Fernsehen unter die Lupe nehmen, was so erstmal nur bedingt etwas mit dem Fernseher selbst zu tun hat. Reines Fernsehen rückt für viele sicherlich immer weiter in den Hintergrund, keine Frage, der Fernseher aber wird vermutlich noch immer im gleichen Maße genutzt und ist ganz sicher nicht tot. Ich schau deutlich weniger TV-Programm, aber die wöchentliche Betriebszeit meines Fernsehrs hat sich deswegen nicht wirklich verringert. Als Abspielmedium ist ein großer Bildschirm mit hoher Auflösung deutlich wohlfühlender als angestrengt über längere Zeit auf ein kleines Smartphone oder Tablet Display zu starren, wer will das schon wenn man zu Hause ist? Vermutlich niemand. Ich konsumiere zu Hause auf einem kleinen Bildschirm lediglich Clips auf Youtube oder mal einen Twitsch-Stream, aber keinen hochwertigen Content in Form von Serien bzw. Filmen, die werden nach wie vor zu Hause auf dem Fernsehr geschaut.
Kaffeesachse
22.11.2017 08:42 Uhr 7
Das wird genau so tot sein wie es dem Buch, der Zeitung, dem Radio und was weiß ich nicht alles schon vorausgesagt wurde.
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