«SOKO»-Serien halten dem «Gefragt - Gejagt»-Hype stand - Noch!?

Während das vorabendliche Jäger-Quiz die Privatsender längst reihenweise hinter sich gelassen hat, beißt es sich trotz kräftiger Zugewinne nach wie vor die Zähne an den ZDF-Krimiserien aus. Dabei hatte die ARD vor einiger Zeit sogar schon einmal die Nase vorn - allerdings auch unter etwas anderen Rahmenbedingungen.

«G-G»-Quotenentwicklung in St. 3

  • 18:50h: 2,18 Mio. (9,2% / 4,8%)
  • Dez 16: 2,31 Mio. (11,3% / 5,8%)
  • Jan 17: 2,73 Mio. (12,5% / 6,8%)
  • Feb 17: 2,93 Mio. (13,9% / 8,1%)
Durchschnittliche Werte. Die eingangs um 18:50 Uhr ausgestrahlten Folgen liefen wöchentlich im Oktober und November.
Keine Frage, «Gefragt - Gejagt» hat einen Lauf: Nachdem die dritte Hauptprogramm-Staffel der Quizshow zunächst noch ein wenig Anlaufzeit benötigt hatte, ja mit ihren wöchentlichen Specials am Freitag sogar ungewohnterweise relativ klar unterhalb des Sender rangierte, hat man sich spätestens seit Beginn des neuen Kalenderjahres auf ein äußerst respektables Quoten-Niveau hochgearbeitet (siehe Infobox) und liegt inzwischen regelmäßig bei knapp drei Millionen Zuschauern. Auch die ARD hat längst das Potenzial seiner bei Kritikern wie Fans gleichermaßen beliebten Show erkannt und lässt es am Abend erstmals samstags zur besten Sendezeit ran - und künftig freitags sogar wieder in Doppelfolgen (wir berichteten). Doch an einem Konkurrenten beißt man sich bislang noch die Zähne aus: Die ZDF-«SOKO»s liegen in vermeintlich unerreichbarer Ferne.

Konkret lag man in den vergangenen Wochen sehr konstant bei 2,87 bis 3,04 Millionen Zuschauern, was in der Regel mit sehr weit überdurchschnittlichen 14 Prozent Marktanteil einherging. Die fünf «SOKO»-Sendungen des ZDFs aus München, Köln, Wismar, Stuttgart und Wien hatten indes im Regelfall auf Reichweiten zwischen 3,71 und 3,98 Millionen sowie Marktanteile zwischen 17 und 18 Prozent zu verweisen, also doch noch auf spürbar bessere Werte. Einzig am 23. Februar waren das Hochtempo-Quiz und der Niedrigtempo-Krimi annähernd gleichauf: Ersteres erzielte mit 3,23 Millionen und 15,6 Prozent die besten Werte seiner Vorabend-Historie, während ein neuer Fall aus Stuttgart angesichts von nur 3,37 Millionen sowie 15,2 Prozent einen erstaunlich schwachen Tag erwischte. Die kleine Schwäche könnte auch damit zusammenhängen, dass die Serie hier erst um 18:15 Uhr und damit etwa zehn Minuten später als sonst auf Zuschauerjagd ging.



«Gefragt - Gejagt» kommt näher! Aber zu langsam?


Im direkten Vergleich mit dem Februar des Vorjahres hat sich «Gefragt - Gejagt» aber schon ein wenig näher ranpirschen können. Damals endete die Staffel bereits Mitte des Monats, hatte bis dahin aber mit 2,70 Millionen und 12,4 Prozent aber seinen damals stärksten Monatsschnitt hingelegt - und war doch zu keiner Zeit in der Lage, dem damals noch minimal zuschauerträchtigeren Mitbewerber gefährlich zu werden. Noch deutlich beeindruckender liest sich allerdings die Entwicklung der Quizshow innerhalb der aktuellen Staffel, denn mit gerade einmal rund 2,3 Millionen lag man damals noch gut und gerne um rund anderthalb Millionen Fernsehende im Rückstand. So gesehen hat sich die Differenz zuletzt ziemlich deutlich verringert, eine sukzessive Aufholjagd ist zu beobachten, ja mittelfristig scheint es auch denkbar, dass sich das Quoten-Gefüge zugunsten der ARD entwickelt.

Doch da wäre ein Problem: Die Jäger haben voraussichtlich nur noch rund anderthalb Monate Zeit, das Großwild zu zähmen, denn danach müssen sie wieder Platz machen für Pilawa und Pflaume. Hier liegt gewissermaßen die Crux für die Programmverantwortlichen des Ersten Deutschen Fernsehen, die mit der Vorabend-Konzeption einhergeht, einen Sendeplatz mit gleich drei erfolgreichen Formaten (und dem «Paarduell») zu bestücken und jeweils mit längeren Staffeln auszustatten: Wie sich im Laufe der vergangenen Jahre gezeigt hat, benötigt jede Sendung erst einmal eine gewisse Anlaufzeit, um dann in der Folge allerdings auch von Quotenrekord zu Quotenrekord zu eilen. Die Gesamtentwicklung um 18 Uhr seit Start der dauerhaften Quizschiene im Februar 2015 zeigt allerdings steil nach oben und gibt den Verantwortlichen in ihrem Handeln auch voll und ganz Recht: Einst mit nicht einmal anderthalb Millionen Zuschauern am Vorabend begonnen, hat man die Zuschauerschaft seither quasi verdoppeln können.

Und obgleich die Wechselspielchen das Rate-Triumvirat gerne einmal dann ausgebremst haben, als die Einschaltquoten so richtig durch die Decke gingen: Sie wussten bislang sehr gut Ermüdungs- und Abnutzungserscheinungen zu verhindern, machen den Sender weniger verwundbar, falls in nächster Zeit doch mal das eine oder andere Format seinen Zenit überschreiten sollte und erschließen zudem offenbar durchaus unterschiedliche Zielgruppen, wenn man die fast schon obligatorische Quotendelle bei jeder Übergabe des Staffelstabs bedenkt. Das ZDF hingegen zeigt seit Jahren mit großem Erfolg die verschiedenen Vertreter der «SOKO»-Marke, musste im Laufe der vergangenen zwei Jahre aber doch ein Stück weit Federn lassen. Im Februar 2015 sahen im Schnitt noch etwa 4,2 Millionen Menschen die neuen 18-Uhr-Ausgaben, 2013 wurden in der Regel sogar noch rund 4,5 Millionen verbucht. Der Trend ist also momentan ganz klar auf Seiten der Quizshows.


Quiz vor Krimi - Da war doch mal was...


«SOKO»-Quoten neu vs. alt

  • Neu: 3,46 Mio. (19,2% / 5,1%)
  • Alt: 2,69 Mio. (16,1% / 4,4%)
Durchschnittliche Werte der letzten September- und ersten Oktober-Woche 2016 (Übergang zwischen alten und neuen Folgen).
Eifrige Leser mit besonders gutem Gedächtnis mögen an dieser Stelle vielleicht an den vergangenen Sommer denken, als «Wer weiß denn sowas?» temporär an der Konkurrenz vorbeigezogen war. Ein seriöser Vergleich der Aktualität mit der damaligen Gemengelage fällt insofern schwer, dass sämtliche «SOKO»-Serien in den Sommermonaten lediglich mit Wiederholungen aufwarteten und erst im Oktober in neue Staffeln starteten - was ihnen ein erhebliches Quoten-Plus auf Anhieb bescherte (siehe Infobox). Zugleich machte es ihnen die ARD aber auch insofern leichter, dass sie parallel zum Start der neuen Staffeln von «Wer weiß denn sowas?» auf das etwas schwächere «Quizduell» umstellte, das zudem sein Publikum erst einmal wiederfinden musste. Die Kombination aus beidem führte dazu, dass ARD und ZDF plötzlich nicht mehr annähernd auf Augenhöhe rangierten, sondern auf einmal rund anderhalb Millionen zwischen den beiden Sendern lagen.

Komplett anders stellt sich der Status quo beim jungen Publikum zwischen 14 und 49 Jahren dar, wo Das Erste längst nicht mehr der hinterherlaufende öffentlich-rechtliche Akteur ist, sondern inzwischen sogar ziemlich deutlich in Front liegt. Mit aktuell regelmäßig über acht Prozent bei knapp einer halben Million Zuschauer können sogar neue Ausgaben der Krimis nicht mithalten, die stattdessen bei etwa fünf bis sechs Prozent rangieren - kein tolles Niveau, aber angesichts der Gesamt-Werte sicherlich ein verschmerzbarer Makel. Als das «Quizduell» einst vor zwei Jahren zur großen Offensive blies, lag es mit seinen rund fünf Prozent bereits etwa auf Augenhöhe mit dem ZDF und im Normalfall hinter sämtlichen sechs großen Privatsendern. Das hat sich mittlerweile massiv gewandelt: Da «Die Simpsons» und «Explosiv» mit ihren zehn bis zwölf Prozent längst keine unschlagbaren Giganten mehr sind, langt es bei besonders gutem Jagdwetter mitunter sogar zur Marktführung um 18 Uhr. Um die VOX-Tierklinik, «Mein Lokal, dein Lokal» und das längst nicht mehr überragende «Köln 50667» zu schlagen, bedarf es sogar in der Regel nur der Normalform.

Quiz oder Krimi: Was schauen Sie um 18 Uhr?
Ich sehe in der Regel die ARD-Quizshows.
68,0%
Bei mir laufen normalerweise die «SOKO»s.
11,6%
Weder noch, ich schaue einen anderen Sender.
11,6%
Ich sehe zu dieser Zeit meist gar nicht fern.
8,8%


Und so gilt für den 18-Uhr-Slot momentan das, was auch die generelle Tendenz des Fernsehmarktes ist: ARD und ZDF machen dem Privatfernsehen mächtig zu schaffen und können beide mit Fug und Recht darauf verweisen, zugkräftige Angebote in petto zu haben. Dennoch dürfte es dem Ersten Deutschen Fernsehen daran gelegen sein, die Mainzer mittelfristig zu überholen und sich damit in gewisser Weise dafür zu rächen, dass drei Stunden vorher «Bares für Rares» der langjährigen Erfolgssoap «Sturm der Liebe» längst den Rang abgelaufen hat. Sollte der erste Samstagabend-Einsatz für «Gefragt - Gejagt» so erfolgreich verlaufen wie erhofft, könnte die große Chance darauf schon sehr bald folgen, denn schon «Wer weiß denn sowas?» profitierte einst massiv von seiner Primetime-Premiere - und gehört heute zu den rar gewordenen Shows, die locker mehr als fünf Millionen Menschen am Abend mobilisieren können.
04.03.2017 15:00 Uhr  •  Manuel Nunez Sanchez Kurz-URL: qmde.de/91580