Das Traurige am deutschen Film ist, dass angesichts nur geringer Kopienanzahlen Perlen wie «Rockabilly Reqieum» unbeachtet bleiben. Dabei erzählt das Werk von Till Müller-Edenborn eine Geschichte, die die klassische Hollywood-Dramaturgie eines Coming-of-Age-Dramas ad absurdum führt.
Die Freunde und Musikerkollegen Sebastian (Sebastian Tiede), Hubertus (Ben Münchow), Eddie (Jeremias Kochorz), Buddie (Roland Schreglmann) und die Punkprinzessin Debbie (Ruby O. Fee) leben für ihre Musik, und finden in ihr zugleich die so ziemlich einzige Möglichkeit, ihr schwieriges Familienleben für ein paar Minuten hinter sich zu lassen. Eines Tages hören Sie über das Radio den Aufruf, dass eine angesagte Rockabilly-Band für ihre anstehenden Gigs eine Vorgruppe sucht. Ein Angebot, wie geschaffen für Sebastian und seine Freunde, für die das der ganz große Erfolg bedeuten könnte und damit der endgültige Ausbruch aus den Engen und Zwängen der nur von Außen heilen Fassade von Bürgerlichkeit. Doch was passiert, wenn sich für die Protagonisten eine derartige Geschichte nicht im letzten Moment zum Guten wendet, präsentiert uns Regisseur Müller-Edenborg hier auf sehr prägnante Art und Weise.
Es beginnt wie eine von zig cineastischen Erfolgsgeschichten, in denen sich eine Band langsam vom Niemand zur ganz großen Nummer hochmusizieren darf (aktuell ist «Sing Street» nur eines von unzähligen Beispielen). Normalerweise dienen derartige Storys hauptsächlich der Message, dass man alles erreichen kann, wenn man nur fest dran glaubt. Doch was ist, wenn das pure Glauben an das Erreichen des eigenen Ziel nicht ausreicht? Es dauert nicht lange, bis der Zuschauer begreift, dass das Happy-End hier alles andere als zum Greifen nah ist. Die ersten 15 Minuten widmet sich Till Müller-Edenborn ausschließlich der Band, die den vielsagenden Namen Rebels trägt; dargestellt von großartigen Jungdarstellern, denen spätestens mit ihrer Performance in «Rockabilly Requiem» sämtliche Türen zu weiteren einprägsamen Rollen offen stehen werden.
Doch nicht nur in Hubertus‘ Familie sind Gewalt und Streit an der Tagesordnung. Sebastians Zuhause wird von Verwahrlosung und sozialem Missstand dominiert. Drogen, Gewalt, Kindesmisshandlung: Womit sich der junge Mann und seine noch wesentlich jüngere Schwester hier Tag für Tag auseinander setzen müssen, ist für den Zuschauer bisweilen nur schwer erträglich, bildet zu der Leichtigkeit, die innerhalb der musikalischen Momente dominiert, jedoch eine solch emotionale Diskrepanz, dass genau hieraus der Reiz entsteht. Auf der einen Seite steht der unbedingte Traum vom Ruhm, in der Musik der einzige Zufluchtsort für die eigentlich so furchtlosen Jugendlcihen steht. Auf der anderen Seite sind da die niederschmetternden Vorkommnisse im Zuhause der beiden Jungen. Beide Elemente sind dramaturgisch und emotional äußerst intensiv. Dass der Film dadurch aber auch seinen Fokus der Rockabilly-Musik-Hommage verliert, trägt nur zur Unberechenbarkeit ob des Ausgangs der Geschichte bei. Je weiter diese nämlich voran schreitet, desto mehr kristallisiert sich auch heraus, dass man hier nicht davon ausgehen sollte, dass die Romantik eines Coming-of-Ages-Filmes hier besonders zum Tragen kommt. Dazu scheinen Regisseur Till Müller-Edenborn und Autor Jörg Bruhn einfach viel zu realistisch zu sein.