Eine kantig-kultverdächtig-alberne Idee, deren Umsetzung jedoch nur gelegentlich brilliert. Zumeist überwiegt das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen – statt auf einem feschen, stylischen Stuhl.
Es bieten sich zwei Wege an, auf denen sich Seth Grahame-Smiths Bestseller von 2009, in dem er Jane Austens Klassiker «Stolz und Vorurteil» um Zombies bereichert, für die Leinwand adaptieren lässt. Option a): Die Variante des radikalen Stilclashs – in der einen Sequenz nüchterne, originalgetreue Jane-Austen-Verfilmung, in der nächsten reißerischer Zombieslasher. Diesen Weg geht die 28-Millionen-Dollar-Produktion jedoch nur sporadisch. Etwa in der Introsequenz, in der Mr. Darcy, hier ein von Sam Riley mit knarzender Stimme und schroffem Charme ultracool verkörpert Zombiejäger, auf einer zurückhaltenden Teegesellschaft einen Untoten ausfindig macht. Regisseur Burr Steers («17 Again – Back to High School») erfüllt diese Szene mit horrorfilmartiger Suspense, lässt die Kamera durch den Raum geistern, fängt die angespannten Gesichter der Anwesenden in Nahaufnahme ein, bis sich die Anspannung im obligatorischen Schock- und Metzeleffekt entlädt. Einen selbstironischen, stylischen Vorspann später hält sich Steers, der auch das Drehbuch verfasst hat, dagegen erstmal im konventionellen Bereich des Kostümdramas auf, mit Landschaftsaufnahmen, Schwenks durch prachtvoll eingerichtete Anwesen und höflich vorgetragenen Zwistigkeiten zwischen gut situiert Figuren.
Solche pointierten Diskrepanzen zwischen Geschehen und Aktion lässt «Stolz und Vorurteil & Zombies» daraufhin missen, erst im letzten Viertel unterbricht der Kampf gegen die drohende Zombieapokalypse das sich zuspitzende Romantikdrama. Doch Steers gehen in dieser finalen Passage die inszenatorischen Ideen aus, die Kämpfe wirken steif und ein Gros der Zombieeffekte (die zumeist löblicherweise praktisch umgesetzt sind) ist längst nicht mehr so makaber-detailfreudig wie in der ersten Hälfte. Darüber hinaus offenbaren die konstanten halbnahen Aufnahmen die Budgetbeschränkungen des Films – lassen sich doch dadurch, dass nur wenig des die Protagonisten umgebenden Schlachtfeldes zu sehen ist, Statisten, Kostüme, Requisiten und Effekte einsparen.
Im Mittelteil ist «Stolz und Vorurteil & Zombies» hauptsächlich eine Fusion aus Kostümdrama und Zombiefilm: Es entwickelt sich die klassische Jane-Austen-Handlung, bloß dass im Hintergrund die Zombieplage stattfindet und daher junge Damen eine Ausbildung in asiatischer Kampfkunst erhalten und noch etwas selbstständiger sind als in der Vorlage. Steers setzt diese Verschmelzung zweier Genres trocken und ohne überdeutliche Augenzwinkerei um, verzichtet aber auch darauf, die Zombies als Bedrohung spürbar zu machen. Sie sind für weite Strecken einfach Sand im Getriebe der Liebesverwicklungen – was zwar einen spröd-humoristischen Charme hat, aber angesichts der zahmen Horrorelemente auch von wenig Mut zeugt.
«Stolz und Vorurteil & Zombies» ist als abgefahrene Literaturadaption leider etwas inkonsequent. Phasenweise ist es ein abgedrehtes Hin-und-Her-Springen zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Stühlen, manchmal ruht der Film auf einem originellen Stuhl. Zumeist trifft aber weder das eine, noch das andere zu – und in einem Raum mit drei leeren Stühlen auf dem staubigen Boden zu sitzen, macht halt nicht ganz so viel Spaß. Steers‘ Regieführung ist solide, aber arm an Charakter, was sowohl das Humorpotential als auch die mögliche Intensität der Geschichte beschneidet.