Mit «SpongeBob Schwammkopf 3D» findet eine unterhaltsame, aber schwach erzählte Fortsetzung ihren Weg in die Kinos – erwachsenen Film- und Literaturfreunden werden dennoch einige Höhepunkte geboten.
So wurden gleich an den ersten Tagen nach der Premiere Millionen von US-Amerikanern Zeugen von Burger-Barts erfolgreicher Suche nach dem magischen Buch, das seinem Besitzer erlaubt, Änderungen im Text vorzunehmen und so die erzählte Geschichte nach Belieben zu verändern. Der schurkische Pirat nutzt diese Gelegenheit, um in den Besitz der legendären Krabbenburgerformel zu kommen, die dem Besitzer des im Herzen von Bikini Bottom liegenden Fast-Food-Restaurants „Krosse Krabbe“, Mr. Krabs, bis dahin ein beständig hohes Einkommen gesichert hatte. Dass der Täter in diesem Fall nicht Sheldon Plankton ist, glaubt dem Einzeller nur SpongeBob Schwammkopf – nachvollziehbarer Weise, steckt doch immer sonst der grüne Winzling hinter allen Einbruchs- und Diebstahlplänen, stets mit dem Ziel, seinen eigenen gastronomischen Betrieb, den „Abfalleimer“, für Kunden interessant zu machen. Dass mangels Geheimformel nun überhaupt keine Krabbenburger mehr zubereitet werden können, stürzt Bikini Bottom in die größte Krise seiner Existenz, verfallen die verzweifelten Bewohner doch vor lauter Hunger in zerstörerische Anarchie. So ist es wieder einmal an SpongeBob und seinen Freunden, sich an die Fersen des Übels zu heften und mit allen Mitteln zu versuchen, die gesellschaftliche Ordnung wieder herzustellen – ganz gleich ob über oder unter Wasser.
Tatsächlich geht der Streifen oft viel zu weite Wege, um den passenden Anlauf für die nächste relevante Szene zu finden; dabei fällt die Spannung so tief, dass selbst Kinder, die den halben Weg zwischen Fußboden und Erwachsensein noch nicht bewältigt haben, Gefahr laufen, gelangweilt auf ihren Sitzschalen hin- und herzurutschen. Dass die größere Zahl des jungen Publikums dennoch durchgängig Begeisterung empfinden dürfte, liegt dann auch nicht am Inhalt, sondern der großartigen Technik des Films. «SpongeBob Schwammkopf 3D» spielt mit Real-, Zeichentrick- und computeranimiertem Trickfilm gleichermaßen und meistert dabei jede der Kategorien mit Bravour. Es ist nicht zu übersehen, dass die rund 75 Millionen US-Dollar Produktionskosten vor allem in die aufwändige Umsetzung der Effekte gesteckt wurden. Hier brilliert das Werk geradezu und positioniert sich deutlich am oberen Ende dessen, was in Sachen 3D-Technik im Trickfilm bislang seinen Weg in die Kinos gefunden hat.
Kommt Fritz Rott, der Patrick Star spricht, seit sich Marco Kröger mit den Produzenten in finanziellen Fragen überwarf, seinem Vorgänger im Stimmklang immerhin nah, wirkt Thaddäus in «SpongeBob Schwammkopf 3D» fast schon deplatziert. Das ist mit Blick auf die unvermeidbare Kurzfristigkeit weder den verantwortlichen Entscheidungsträgern noch Tobias Lelle anzulasten, der dazu berufen wurde, Prüter zu ersetzen. Dennoch wird die Neubesetzung, bei jung wie alt, für Verwunderung sorgen und das Filmvergnügen trüben – das spiegelt sich bereits jetzt im Netz wieder, wo jeder animierte Schnipsel aus dem Werk mit kritischen Kommentaren über die veränderte Tonlage des griesgrämigen Weichtiers überschwemmt wird. Das eiserne bis ignorante Schweigen Nickelodeons zu diesem Thema tut sein Übriges, um zur maximalen Verwirrung unter den Freunden der Serie beizutragen. Gewidmet ist der Film einem anderen kürzlich verstorbenen Synchronsprecher; Oscar-Preisträger Ernest Borgnine, der im Jahr 2012 95-jährig verstarb, sprach in «SpongeBob Schwammkopf» die Nebenfigur Meerjungfraumann.
Dabei darf die Kritik an der Erzählung nicht missverstanden werden: Natürlich sind an Filme, die sich vor allem an ein erwachsenes Publikum richten, andere Ansprüche zu richten, als an eine Produktion für Kinder. Dass die inhaltliche Qualität unter diesem Umstand jedoch nicht zwangsweise zu leiden hat, beweisen viele Streifen von Pixar und einzelne Ausreißer anderer Studios. Die vergebliche Hoffnung, nach vielen Jahren erzählerisch schwacher Fernsehstaffeln wieder eine SpongeBob-Produktion alter Garde verfolgen zu können, die sowohl Erwachsenen, als auch Kindern in jedem Sinne Freude bereitet, nährte auch die angekündigte Rückkehr kreativer Köpfe, die die Sendung Jahre zuvor verlassen hatten. Allen voran ist hier der studierte Meeresbiologe Stephen Hillenburg zu nennen, der sich als Schöpfer der Serie im Jahr 2004 zurückzog. Dass es sich, abseits von erholsamen eineinhalb Stunden, in der das eigene Kind alle Quengeleien einstellt, für Erwachsene dennoch lohnen kann, eine Eintrittskarte zu lösen, ist vor allem den zahlreichen kulturellen Anspielungen zu verdanken, die sich dicht gepackt ausmachen lassen. Von «Die Simpsons» über «Moby Dick» bis «Fluch der Karibik» entdecken Film- und Literaturfreunde zahlreiche visuelle und gesprochene Verweise auf Klassiker der Unterhaltung. Am Schönsten und ausführlichst umgesetzt ist dabei der Fingerzeig auf Douglas Adams satirische Science-Ficiton-Komödie „Per Anhalter durch die Galaxis“.