Fernsehen wird billiger

Fernsehen wird nicht sterben. Es wird noch lange existieren. Die Zukunft liegt im gleichen Netz.

Wie verfasst man seine letzte Kolumne? Ich persönliche hasse TV-Jahresrückblicke und mag daher einen letzten Blick in die Zukunft des Fernsehens wagen. Fünf Jahre lang durfte ich hier jeden Sonntag meine Artikel veröffentlichen. Irgendwann aber beginnt auch im Kopf die Wiederholung. Genau aus diesem Grund erscheint heute die letzte Ausgabe.

DVB-T wird sterben und in gar nicht so ferner Zukunft wird TV nur noch über das Netz gesendet werden. Damit wird dann auch die Quotenlüge ihr endgültiges Ende finden. Der Zuschauer wird sekundengenau in seinem Sehverhalten erfasst werden. Die Preise für TV-Werbung werden weiter sinken. Am Ende wird das Fernsehen noch günstiger produzieren müssen. Nur die Leuchttürme werden weiterhin existieren. Einen Tatort wird es auch in 15 Jahren noch geben. Er wird wohl auch noch lange von den Gebührenzahlen finanziert werden. Serien dagegen wird man wohl immer mehr von Anbietern wie Netflix beziehen.

Die neuen Player sind hier schon heute stark im Markt. Amazon wird Serien produzieren, Google irgendwann Rechte für Sportevents erwerben und Sky nur noch durch den Fußball attraktiv sein. PayTV wird global den Durchbruch schaffen. Schon heute zahlt man im Abo für Musik. Viele Deutsche zahlen auch eher unbewusst für PrimeVideo einen Jahresbeitrag. PayTV ist damit auf Umwegen zum modernen Lifestyle geworden. Die Zuschauer denken hier nicht mehr an teure Veträge, sondern gewöhnen sich an die Flatrate auch beim Videokonsum.

Fernsehen wird es dagegen immer schwieriger haben. Man muss billiger produzieren, Buzz für Shows erzeugen und mit weniger Mitarbeitern auskommen. Allerdings wird das Fernsehen nicht sterben. Helene Fischer rockt neuerdings den Saal und holt ein paar Millionen Zuschauer vor die Mattscheibe. Das schafft das Netz noch nicht. Zumindest nicht über Stunden und an nur einem Abend. Vielleicht sehen wir sogar noch Harald Schmidt 2015 mit einer LateNight im Schweizer Fernsehen. Die können sich so ein teures Format vielleicht leisten.

Die nahe Zukunft wird auf jeden Fall sehr spannend. Wie sehr werden Netflix, Amazon und Co. wirklich speziell für den deutschen Markt produzieren? Wird es etliche Exklusiv-Formate im Netz geben, oder werden die Mediatheken eher aus dem Katalog von Hollywood zehren? Fällt der Rundfunkbeitrag in den nächsten zehn Jahren? Wird WebTV endlich zum Geschäftsmodell?

Wahrscheinlich braucht es irgendwann den Begriff "WebTV" gar nicht mehr, weil TV ein Teil vom Web geworden sein wird. Die Verschmelzung hat längst begonnen.
28.12.2014 11:00 Uhr  •  Rob Vegas Kurz-URL: qmde.de/75368