«ESC» gastiert 2015 in Wien

Lange Zeit stand die österreichische Hauptstadt im Wettbewerb mit zwei anderen möglichen Austragungsorten, nun hat sich der ORF festgelegt. Der Stadtrat wagt sich bereits an eine Kostenprognose.

Wien liegt im Herzen Europas, steht in besonderem Ausmaß für Musik und Weltoffenheit, war Gastgeber zahlreicher Großereignisse und ist natürlich als Hauptstadt besonders geeignet, einen Song Contest für das gesamte Land zu veranstalten.
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz
Fast drei Monate ist es mittlerweile schon her, dass Conchita Wurst nach Jahren des Misserfolges endlich wieder einen Sieg beim «Eurovision Song Contest» für Österreich einfuhr – übrigens nach Udo Jürgens 1966 erst den zweiten überhaupt. Daraus resultierend zeichnet im kommenden Jahr der Österreichische Rundfunk (ORF) für die Organisation des ebenso aufwändigen wie kostspieligen Musikevents verantwortlich. Immerhin hinsichtlich des Ausstrahlungsortes herrscht nun Klarheit: Die Wiener Stadthalle hat am Mittwoch den Zuschlag bekommen.

Die Entscheidung für die österreichische Hauptstadt Wien ist der Geschäftsführung des ORF äußerst schwer gefallen, bekundeten mit der Innsbrucker Olympiahalle sowie der Grazer Stadthalle doch bis zum Schluss auch zwei sehr attraktive Mitbewerber Interesse am internationalen Großevent. Seit Dienstagvormittag berieten die Spitzenkräfte über das Bietertrio – zunächst in einer größeren Runde, zuletzt dann nur noch in einem Dreierkreis. Erst am Mittwochnachmittag verkündete Generaldirektor Alexander Wrabetz offiziell die Entscheidung, auf Wien setzen zu wollen. Im Vorfeld wurde nicht selten Innsbruck als Top-Favorit gehandelt.

Die für den «ESC» hauptverantwortliche Europäische Rundfunkunion (EBU) äußerte sich "sehr erfreut" über die Entscheidung des ORF: "Wir sind überzeugt, dass die Stadt über die Erfahrung, Menschen mit dem nötigen Know-How und die Einrichtungen verfügt, um Gastgeber des größten Unterhaltungsevents der Welt zu sein", sagte Jon Ola Sand, Executive Supervisor der EBU. Auch der Wiener Oberbürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zeigte sich erfreut über den Zuschlag und preist seine Stadt als "weltoffen" und "bestmöglichen Ausstrahlungsort" an. Die Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) bedankt sich derweil bei der Siegerin Conchita Wurst, welche "dieses Riesengeschenk für Österreich möglich gemacht hat".

Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) versuchte sich gegenüber der Österreichischen Presse-Agentur bereits an einer Prognose hinsichtlich der aufzubringenden Finanzen. Demnach werde aktuell mit etwa zehn Millionen Euro kalkuliert, wovon die Stadt den Großteil für die Bereitstellung der Stadthalle zahlen müsse. Zieht man allerdings die Ausgaben der vergangenen Jahre als Vergleichswert zu Rate, kann man durchaus von höheren Kosten ausgehen. In Kopenhagen gab es zuletzt ein böses Erwachen, als man herausfand, dass der «ESC» umgerechnet rund 15 Millionen Euro verschlungen hatte - statt der sehr optimistischen 4,6 Millionen, mit denen ursprünglich gerechnet wurde (Quotenmeter.de berichtete). Ohnehin kursieren in der österreichischen Presse ganz andere Zahlen hinsichtlich der Gesamtkosten, "Die Presse" sprach erst Ende Juli von über 20 Millionen Euro, die Wien alles in allem aufbringen müsse.

Sind Millionenausgaben für den «ESC» auf Kosten der Steuerzahler gerechtfertigt?
Ja, das Ereignis ist einmalig und stärkt Ruf und Attraktivität des Austragungsortes.
60,1%
Nein, die horrenden Ausgaben sollten sich die Städte lieber für wirklich wichtige Dinge aufsparen.
39,9%


Wiener Stadthalle

  • Seit Eröffnung 1958 über 10.000 Events
  • Größte Halle fasst bis zu 16.000 Zuschauer
  • Musistars: u.a. Lady Gaga, ABBA, Celine Dion, Udo Jürgens
  • Jährlich rund 300 Tage belegt
Für Wien und gegen die Konkurrenten Innsbruck und Graz sprachen letztlich unterschiedliche Dinge. Der größte Nachteil Innsbrucks liegt in der Größe von Stadt und Location begründet: Gerade einmal rund 120.000 Menschen leben hier, das Fassungsvermögen der Olympiahalle beschränkt sich auf gerade einmal 11.600 Sitzplätzen. Graz wiederum soll vor allem an den geringen finanziellen Möglichkeiten gescheitert sein, nicht einmal einen zweistelligen Millionenbetrag soll man dem Österreichischen Rundfunk geboten haben. Auch die Stadthalle ist zwar modern, hätte allerdings nicht einmal 11.000 Gäste unterbringen können.

Die konkreten Rahmentermine des 60. «Eurovision Song Contests» stehen bereits fest: Zwischen dem 19. und dem 23. Mai 2015 wird der Wettbewerb in der Wiener Stadthalle über die Bühne gehen. Am Dienstag (17. Mai) und Donnerstag (19. Mai) gibt es die beiden Halbfinals zu bewundern, am Samstag, den 23. Mai, folgt dann die große Finalshow. Deutschland ist als Teil der "Big Five", der größten Finanzierer der Show, ebenso sicher für das Finale qualifiziert wie Österreich als Siegernation.
06.08.2014 22:30 Uhr  •  Manuel Nunez Sanchez Kurz-URL: qmde.de/72297