Die Kritiker: «Tatort - Türkischer Honig»

Das Duo Thomalla/Wuttke präsentiert sich zum Start ins Jahr überholungsbedürftig. Einzig Josephine Preuß glänzt in der Rolle der Ermittler-Schwester.

Inhalt:
Aus heiterem Himmel erhält Hauptkommissarin Eva Saalfeld einen Anruf, der ihr Leben durcheinanderbringt. Ihre Halbschwester Julia, die seit zweieinhalb Jahren in Leipzig lebt und die sie noch nie gesehen hat, will sich mit ihr treffen. Ehe es dazu kommt, wird Julia vor Evas Augen von zwei Männern entführt. Die Kommissarin und ihr Kollege Andreas Keppler nehmen sofort die Ermittlungen auf und befragen alle, die Julia nahe stehen. Doch Julias Freund Leon und auch ihr Onkel Hamid, in dessen Café Julia als Aushilfe arbeitet, können sich nicht erklären, weshalb Julia entführt worden sein könnte. In der gleichen Nacht wird Abdul Günes, ein Nachbar Hamids, in seiner Wohnung ermordet. Die Kommissare suchen die Verbindung zwischen beiden Fällen.

Darsteller:
Simone Thomalla («Ein Fall für den Fuchs») als Hauptkommissarin Eva Saalfeld
Martin Wuttke («Inglorious Basterds») als Hauptkommissar Andreas Keppler
Maxim Mehmet («Unsere Mütter, unsere Väter») als Kriminaltechniker Menze
Josephine Preuß («Das Adlon», «Die Pilgerin») ist Julia
Denis Moschitto («Allein gegen die Zeit») ist Ersoy Günes
Tayfun Bademsoy («Ein starkes Team») ist Hamid Özer

Kritik:
Nachdem die ARD-Krimireihe «Tatort» mit der Folge „Borowski und der Engel“ in der vergangenen Woche ein brillantes Finale 2013 feierte, müssen Fans der Sendung akzeptieren, dass nun mit einem neuen Fall der Leipziger Ermittler um Simone Thomalla zwei Gänge zurückgeschalten werden. Es fühlt sich an wie ein Vergleich eines frischen und jungen «Tatorts» (der der Kieler ja eigentlich gar nicht ist) und eines angestaubten, alten Teams, das 2014 dringend überholt werden sollte.

Das liegt allerdings weniger an der Grundkonstruktion, denn eigentlich bietet in Leipzig der von Martin Wuttke gespielte Kommissar Keppler genug Fläche für tolle Konstellationen. „Türkischer Honig“ konzentriert sich aber leider eher auf die von Thomalla verkörperte Ermittlerin Eva Saalfeld, der Autor Andreas Pflüger urplötzlich eine Schwester angedichtet hat, die seit über zwei Jahren in Leipzig lebt und entführt wird.

Würde sich der «Tatort» allein auf die Familien-Situation der Ermittlerin konzentrieren – hinzu kommt auch noch Saalfelds wenig geliebter Vater, den sie vor geraumer Zeit hinter schwedische Gardinen brachte – wäre das vermutlich schon wenig prickelnd, weil auch alles andere als neu. Stattdessen weiß „Türkischer Honig“ aber nicht, wohin. Ist diese Geschichte ein bisschen zu dick aufgetragen, streift er Themen an anderen Stellen nur sehr oberflächlich.

Gut zu beobachten nach dem Mord am Türken Abdul Günes, als der Satz „Ein toter Türke. Wen interessiert das?“ fällt. Nicht dass diese Thematik sonderlich neu und innovativ wäre – aber immerhin wäre es etwas, an dem sich der «Tatort» entlang hangeln könnte. Stattdessen gibt es später noch ein bisschen türkischen Stolz und wieder viel Herumgewühle in der Vergangenheit von Thomallas Figur samt Stress mit der wieder aufgetauchten Schwester.

Dass Eva Saalfeld in der Realität wohl viel zu sehr persönlich in den Fall involviert ist, um als leitende Ermittlerin agieren zu können, ist nicht mal der Makel dieser Folge. Eben weil er vieles nur streift und das, was er ausführlicher behandelt, zu dick und viel zu wenig innovativ umsetzt, ist „Türkischer Honig“ eine Enttäuschung, die wohl besser nicht an Neujahr hätte programmiert werden sollen. Nach möglicherweise durchfeierter Nacht droht bereits nach einigen Minuten akute Einschlafgefahr.

Pluspunkte gibt es für die Leistung der aktuell omnipräsent erscheindenden Josephine Preuß, die kürzlich schon in «Das Adlon» überzeugte und am Wochenende in «Die Pilgerin» ihr Können zeigen soll. Preuß agiert als Evas Schwester und spielt Thomalla in der Mehrheit der gemeinsamen Szenen klar an die Wand.

Die Feststellung, im Osten sollte man sich ernsthafte Gedanken über die Zukunft des Ermittler-Teams machen, beruht hingegen nicht nur auf den Erfahrungen bei „Türkischer Honig“. Qualitativ wussten schon die in 2013 gezeigten Fälle nicht zu überzeugen. Wenn der rbb also Dominic Raacke nicht mehr im «Tatort» sehen möchte, dann muss als nächstes einfach das Duo Thomalla/Wuttke dran sein.

Das Erste zeigt «Tatort: Türkischer Honig» an Neujahr um 20.15 Uhr.
01.01.2014 09:42 Uhr  •  Manuel Weis  •  Quelle: Inhaltsangabe: ARD Kurz-URL: qmde.de/68211