Popcorn und Rollenwechsel: Disney, Travers und Banks

Der erste Trailer zu «Saving Mr. Banks» zeigt Tom Hanks als Walt Disney und Emma Thompson als störrische Buchautorin. Aber wovon handelt der Film wirklich?

In der vergangenen Woche veröffentlichten die Filmstudios zahlreiche Trailer, unter anderem für die heiß erwartete (oder lang befürchtete?) Romanadaption «Feuchtgebiete» und das Biopic «Diana». Doch der meiner Ansicht nach reizvollste Trailer der letzten Tage ist der für ein Ende dieses Jahres anstehendes Drama aus dem Hause Disney: «Saving Mr. Banks».

Die neue Regiearbeit von John Lee Hancock, dessen letzter Streifen der überraschend für einen Oscar als bester Film nominierte «Blind Side – Die große Chance» mit Sandra Bullock war, handelt von der Autorin P. L. Travers, deren berühmtestes Werk die Kinderbuchreihe über das magische Kindermädchen Mary Poppins ist. «Saving Mr. Banks» erzählt von den realen Auseinandersetzungen zwischen der energischen Autorin und Filmproduzent Walt Disney, der die Filmrechte an Travers' Schöpfung erwerben wollte, sich mit Travers aber nicht über den Tonfall des Films einigen konnte.

Dass es bereits jetzt einigen Buzz über den Film gibt, rührt hauptsächlich daher, dass das Drehbuch von Kelly Marcel 2011 auf der so genannten „Black List“ aufgeführt wurde (eine alljährliche Bestenliste der hochwertigsten, noch nicht in Produktion befindlichen Skripts) und daher, dass es der erste größere Film ist, in dem sich jemand darin versucht, die Hollywood-Produzentenikone Walt Disney darzustellen. Doch selbst wenn Tom Hanks' Performance als Micky-Maus-Schöpfer Walt Disney sicherlich zu den Aspekten des Films gehört, über die Filmfreunde besonders leidenschaftlich diskutieren werden, so darf man nicht denken, dass «Saving Mr. Banks» primär eine Geschichte über den Studioboss darstellt.



Kelly Marcels Drehbuch erzählt stattdessen davon, wie eine verbissene, ihre Schöpfung verteidigende Autorin nach Hollywood reist, um mit dem ebenfalls sehr ambitionierten, doch viel kindlicheren Walt Disney die Bedingungen einer «Mary Poppins»-Adaption auszuhandeln. Es ist eine Geschichte zweier charakterlich völlig unterschiedlicher, gleichermaßen engagierter Schaffender, deren Fokus aber auf Travers liegt, die eine tiefreichende emotionale Bindung zu den Poppins-Geschichten hat. Diese basieren auf Kindheitserinnerungen an eine Zeit, als sich ihr von den beruflichen Pflichten geplagter Vater von seinen Kindern mehr und mehr distanzierte – weshalb Travers schließlich mit Disneys so fröhlichen Filmideen auf Kriegsfuß stand.

Das Skript von Kelly Marcels verwehrt sich, Position zu beziehen, und bislang bleiben beruhigenderweise Meldungen aus, dass die Disney-Studios den Tonfall der Handlung ändern ließen. Der Trailer hat zwar ein „... und dann hat Disney Travers, die berechtigte Zweifel hegte, verzaubert“-Flair, jedoch besteht Anlass zu hoffen, dass es schlicht eine Entscheidung der Filmvermarkter war, um den Film so als eine inspirierende, hoffnungsvolle Geschichte (halt im Stil von «Blind Side») zu verkaufen. In Wahrheit war Travers ausreichend von Disney überzeugt, seinen Bitten, einen «Mary Poppins»-Musicalfilm drehen zu dürfen, nachzugeben, das Ergebnis dagegen stellte sie nicht gerade zufrieden. Das kann man in einem Drama unterbringen – in einem Trailer dagegen nimmt es doch etwas Schwung raus.
15.07.2013 08:15 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/64926