Die Kritiker: «Inga Lindström: Der Tag am See»

Inhalt:
Clara Stellingbosch überlegt hin und her: Soll sie zu ihrem Verlobten nach Stockholm ziehen und Teilhaberin einer erfolgreichen Kanzlei werden oder lieber doch die geschätzte Anwältin in ihrer Heimat Millegart bleiben? Diese Frage stellt sie sich erst recht, als sie den attraktiven Stellan Mansfeld kennen lernt, der in dem schönen Ort bei seiner Großmutter Maria einzieht und eine Stelle als Landschaftsarchitekt auf dem Landsitz von Claras Beinahe-Schwiegereltern annimmt.

Clara und Stellan fühlen sich auf Anhieb voneinander angezogen. Ausgerechnet der junge Mann entdeckt in der Villa seiner neuen Arbeitgeber das verschollen geglaubte Gemälde "Der Tag am See", das eigentlich seiner Großmutter gehört. Als dieses auch noch gestohlen wird und bei Maria auftaucht, findet sich Anwältin Clara plötzlich in einem gewaltigen Konflikt zwischen beiden Familien wieder. Nicht nur ihren beruflichen Verstand, sondern auch ihr Herz muss Clara für die Lösung dieses schwierigen Falles einsetzen.

Darsteller
Katharina Heyer («Die Samenhändlerin») als Clara Stellingbosch
Mike Hoffmann («Da kommt Kalle») als Stellan Mansfeld
Gerlinde Locker («Geld.Macht.Liebe») als Maria Mansfeld
Dietrich Mattausch («Engel der Gerechtigkeit») als Gustaf Hagen
Sarah Beck («Es ist ein Elch entsprungen») als Natalie Stellingbosch
Michael Härle («SOKO Wismar») als Jens Hagen
Timmi Trinks («Allein gegen die Zeit») als Mikael

Kritik
Drehbuchautorin Christiane Sadlo will in ihrem neuen «Inga Lindström»-Film ein wenig den Unterschied zwischen „richtig“ und „rechtmäßig“ auseinanderklamüsern. Für ZDF-Schmonzetten-Verhältnisse kommt sie damit recht weit, da die juristischen Hintergründe ganz ordentlich recherchiert sind, letztendlich muss man das Unterfangen allerdings als gescheitert bezeichnen. Denn es fehlt erwartungsgemäß an einer tiefsinnigen Auseinandersetzung mit der Hypothese, dass das, was „moralisch“ richtig ist, nicht immer das ist, was juristisch einwandfrei ist. Doch diese Debatte führt man hier nur oberflächlich und schrecklich suggestiv. Denn alle Vertreter des positiven Rechts sind hier kalt, herzlos oder zumindest unglücklich; viele von ihnen wandeln sich dann im Laufe des Films zu dem, was Sadlo wohl für rechtschaffen hält. Dann triumphieren Gefühle über Logik, rationale Werte werden konsequent abgelehnt.

Doch das ist nur die zweite Ebene, die vom durchschnittlichen «Inga Lindström»-Zuschauer wohl allenfalls rudimentär wahrgenommen wird. Die Handlung dreht sich mal wieder um eine Frau (diesmal eine Juristin), die zwischen zwei Männern steht, und wird mit den allbekannten Stilmitteln erzählt. Wenn sich die Hände an der Türklinke berühren und zum ersten sinnlichen Moment zwischen der starken Frau, die noch gebunden ist (was sie allenfalls am Rande interessiert), und dem heißen Naturburschen mit Waschbrettbauch führen, oder beim Abspülen heftig geknutscht wird, weiß man, wo man gelandet ist. Denn sonntags wird im ZDF das Triviale gefeiert. Das Einfache. Das Banale.

Für die Schauspieler ist es da natürlich schwer, in irgendeiner Weise zu glänzen. Sie können nur den Versuch unternehmen, an den Stellen glaubwürdig zu spielen, wo das Drehbuch das noch zulässt. In diesen Passagen lässt sich dann feststellen, dass Hauptdarstellerin Katharina Heyer keine schlechte Schauspielerin ist – nur fehlten ihr bisher offenbar die Möglichkeiten in einem ernsthaften Genre. Vielleicht wirkt sie in «Inga Lindström – Der Tag am See» (Regie: Ulli Baumann) deswegen oft so deplatziert. Mike Hoffmann passt dagegen zu dem Format recht gut, erfüllt er doch alle Kernkriterien, die die Reihe an das männliche Love-Interest so stellt: Denn er ist groß, attraktiv, spricht geschmeidig und kann stundenlang lächeln, ohne dass es allzu sehr nach Gesichtslähmung aussieht. «Inga Lindström» hat schon immer klare Prioritäten gesetzt. Und bei ausgeklügeltem Storytelling, vielschichtigen Charakteren und Differenziertheit lagen die noch nie.

Das ZDF zeigt «Inga Lindström: Der Tag am See» am Sonntag, 01. April 2012, um 20.15 Uhr.
30.03.2012 13:23 Uhr  •  Julian Miller Kurz-URL: qmde.de/55844