Die Kritiker: «Maria Wern, Kripo Gotland - Schwarze Schmetterlinge»

Inhalt
Die Wahrsagerin Isabella Solheim wird vermeintlich Opfer eines Wohnungsbrands. Kurz darauf findet man die verkohlte Leiche des Kinderpsychologen Frank Leander. Beide Male wurde Feuer gelegt, doch es stellt sich heraus, dass die Opfer nicht in den Flammen starben, der Mörder erstickte sie zuvor mit einer Plastiktüte. Die Polizei aus Jönköping meldet einen ähnlichen Fall: Bei der Ermordeten handelt es sich um eine pensionierte Sozialarbeiterin namens Klara Syrén, die früher mit Frank Leander zusammengearbeitet hatte. Bei der Durchsicht von Leanders Akten findet Maria Wern heraus, dass der renommierte Psychologe auch als Gerichtsgutachter tätig war. Er galt als Hardliner, der häufig Familien auseinanderriss, denn Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen waren seiner Meinung nach bei Pflegeeltern besser aufgehoben. Doch welche Verbindung gibt es zur Ermordung der Wahrsagerin?

Bei der Klärung dieser Frage ist Marias Kollege Arvidsson keine große Hilfe. Er hat sich in eine mysteriöse Krankenhausärztin namens Felicia verliebt, die er bei einem Autounfall kennenlernte. Merkwürdigerweise ist diese in keinem Adressregister verzeichnet. Und warum taucht sie auf Frank Leanders Beerdigung auf? Mit Unterstützung seiner Schwester Pernilla, einer Journalistin, die erst kürzlich nach Visby gezogen ist, stößt Arvidsson auf Felicias kritische Dissertation über Leanders fragwürdige Methoden. Pernilla rät ihrem Bruder, sich von dieser Frau fernzuhalten. Als Arvidsson sich zufällig einige Schnappschüsse auf dem Kameradisplay seiner Schwester ansieht, macht er eine schockierende Entdeckung.

Darsteller
Eva Röse («Der Kommissar und das Meer – Ein Leben ohne Lügen») ist Maria Wern
Allan Svensson («Tod auf See») ist Thomas Hartman
Peter Perski («Die Brandmauer») ist Arvidsson
Ulf Friberg («Håkan Nesser - Van Veeterens schwerster Fall») ist Ek
Tanja Lorentzon («Die falsche Fährte») ist Erika
Linda Zilliacus («Anno 1790») ist Felicia
Malena Engström («Spung») ist Pernilla
Lena Nylén («Simon and the Oaks») ist Isabella Solheim
Daniela Svensson («Labyrint») ist Elaine Solheim
Rasmus Troedsson («Bessere Zeiten») ist Daniel Solheim
und andere

Kritik
Im fünften Fall der schwedischen Krimiserie müssen sich Kommissarin Maria Wern und ihre Kollegen von der örtlichen Polizei in Gotland mit einer mysteriösen Mordserie auseinandersetzen. In dieser werden scheinbar zusammenhanglos Personen nach ähnlichem Muster ermordet. Nur nach und nach erkennen sie, was wirklich hinter den Taten stecken könnte.

Sprichwörtlich explosiv und zudem recht spannend beginnt der neueste «Maria Wern»-Fernsehfilm, den das Erste an Neujahr präsentiert. Wurden die vorangegangenen Filme vor allem wegen ihrer Vorhersehbarkeit und schlecht ausgearbeiteten Plots bemängelt, scheint nun berechtigte Hoffnung auf eine deutliche Steigerung zu bestehen. Der Kriminalfall wurde spannend von den Regisseuren Charlotte Berlin und Leif Lindblom in Szene gesetzt, das Drehbuch von Fredrik T. Olsson («Die Brandmauer») und Alexander Söderberg («Kommissarie Winter») kann sich im Vergleich zu den Vorgängern immens steigern. Allerdings gilt dies nicht für die gesamte Spielzeit von gut 90 Minuten. Gut ist, dass Marias Privatleben erst einmal auf ein Mindestmaß reduziert wurde. Mangelhaft ist hingegen der Subplot um Arvidssons erneutes Suchen nach der großen Liebe geraten. Dass etwas mit seiner Geliebten nicht stimmen mag, wird allzu schnell offensichtlich, nur er selbst scheint auf diesem Auge blind zu sein. Auch sein fataler Fehler in der weiteren Ermittlungsarbeit ist nicht wirklich nachvollziehbar und hat mit professioneller Polizeiarbeit nichts zu tun. Leider mangelt es dann auch am finalen Part der Geschichte. Die – ohne Zweifel – überraschende Wendung kommt viel zu schnell, für eine ausführliche Herleitung der zur Tat führenden Probleme bleibt keine Zeit mehr. Schade.

Denn ansonsten hat dieser Schwedenkrimi fast alles, was das Zuschauerherz begehrt. Neben den guten Schauspielern um Eva Röse und Allan Svensson gibt es nämlich auch sehenswerte Bilder aus der schwedischen Landschaft. Einzig die Bilder aus den Polizeibüros sollten ein wenig aufgewertet werden. Die Stets in diesen Aufnahmen muten eher wie ein Überbleibsel aus der TV-Soap an.

Der Trend stimmt und zeigt deutlich in die positive Richtung. Es bleibt zu hoffen, das sich die Produzenten und Drehbuchautoren auch für die künftigen TV-Krimis der Reihe mehr in die Arbeit hineingekniet haben, denn Potential für eine solide und längerlebige Krimiserie ist durchaus vorhanden.

Das Erste zeigt «Maria Wern, Kripo Gotland - Schwarze Schmetterlinge» am Sonntag, den 1. Januar 2012, um 21:45 Uhr.
30.12.2011 11:00 Uhr  •  Torben Gebhardt Kurz-URL: qmde.de/54057