kabel eins 2011/2012: «Two and a Half Men» bis zum Exodus

Noch kann sich kabel eins auf die erfolgreiche Sitcom verlassen. Sowohl in der Daytime als auch in der Primetime holt «Two and a Half Men» gute Quoten. Doch wann strafen die Zuschauer den Sender für die etlichen Wiederholungen ab?

In der Vergangenheit hat kabel eins besonders durch seine Sitcoms am Nachmittag geglänzt. Von diesem Erfolg ist inzwischen nicht mehr viel geblieben. Ob «Eine schrecklich nette Familie», «What’s Up, Dad?» oder kürzlich auch die «Bill Cosby Show»: Keine der genannten Sitcoms konnte auf längere Sicht überzeugen. Einzig und allein «Two and a Half Men» läuft weiterhin gut. Zwar nicht mehr mit dem ganz großen Erfolg mit über 20 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe, zweistellige Marktanteile sind aber dennoch oft drin.

«Two and a Half Men» läuft und läuft und läuft
Doch für das kommende TV-Jahr muss kabel eins Lösungen für die immer größer werdenden Probleme am Nachmittag finden. Vor allem, da nun auch ProSieben auf den Geschmack gekommen ist und mit Sitcoms wie «Scrubs - Die Anfänger» oder «How I Met Your Mother» in der Daytime große Erfolge feiert. Insbesondere aber sollte sich kabel eins nicht zu sehr auf «Two and a Half Men» verlassen. Die US-Serie läuft inzwischen in der unzähligsten Wiederholung, auch hier werden die Quoten im Laufe der Zeit spürbar bergab gehen.

Jüngst testete der Münchner Sender die Serie rund um Charlie Sheen sogar am Sonntag in der Primetime. Die Zuschauerzahlen konnten sich zwar sehen lassen, auf lange Sicht werden die zusätzlichen Ausstrahlungen dem Format aber schaden. Ebenso verhält es sich mit der US-Serie «Navy CIS», die in den vergangenen Wochen am Sonntag bei Sat.1 und donnerstags bei kabel eins zu sehen war. Nun testete der kleine Münchner Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe das Format am Samstag, die Donnerstags-Ausstrahlung fällt fortan weg.

Nun droht auch «Navy CIS» der Overkill
Auch hier gab der Erfolg den Verantwortlichen Recht: Mit bis zu 15,7 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen ließ man die meisten anderen Programme weit hinter sich. Doch zeigt die Sendergruppe die Serie weiter so oft, werden die Zuschauer dem Programm schnell überdrüssig werden. Freuen kann sich kabel eins dagegen über die US-Serie «Castle». Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft die Serie inzwischen ordentlich und hat sich über dem Senderschnitt etabliert, Wiederholungen von «Cold Case» präsentieren sich am Freitag meist ebenfalls gut.

Schlechte Quoten mit Sport-Übertragungen
Schlecht gefahren ist kabel eins in der vergangenen TV-Saison mit Übertragungen von Sport-Ereignissen aller Art. Weder die «ADAC GT Masters» noch die ungewöhnliche «Crashed Ice WM» erzielten annehmbare Quoten. Auch wenn der Sender Spiele der UEFA Europa League im Programm hatte, waren die Quoten miserabel. Sat.1 verzichtete zum Teil auf die Ausstrahlung einiger Spiele, weil sich keine deutsche Mannschaft im Wettbewerb halten konnte, und so kam kabel eins zu den Übertragungen. Geholfen hat es dem Sender aber nicht. Die ProSiebenSat.1-Gruppe sollte sich im kommenden Fernsehjahr überlegen, ob sie nicht komplett auf die Übertragungen der Spiele verzichtet oder sie stattdessen nur über das Internet auf ran.de zeigt.

Die Eigenproduktionen - Von sehr gut bis sehr schlecht
Mit seinen Eigenproduktionen hat kabel eins in der vergangenen TV-Saison unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Für «The Biggest Loser» lief es am Dienstagabend beispielsweise sehr gut, das Format lag deutlich über dem Senderschnitt. Hier wird es definitiv mit einer neuen Staffel weitergehen. Gut startete zudem die Neuauflage der Abenteuershow «Fort Boyard», zwölf Prozent Marktanteil erreichte die Premiere. Danach sackten die Quoten allerdings deutlich ab und die Sendung endete bei unter fünf Prozent Marktanteil. Hier war die Neugier der Zuschauer auf das Comeback einer großen Marke wohl größer als der Wunsch nach einer vollen Staffel. Fortgesetzt wird das Format in der kommenden Saison wohl nicht.

Ebenfalls nicht überzeugen konnte «Jumbos Würstchenmillionär» mit Jumbo Schreiner. Die Sendung kam am Dienstagabend nie auf Höhe des Senderschnitts. Auch mit «Schluss mit Hotel Mama» konnte kabel eins am Dienstag keine Erfolge verbuchen. «Urlaub undercover» floppte zudem am Sonntagabend zur besten Sendezeit. Richten sollte es stattdessen «Abenteuer Leben XXL», erfolgreich lief aber auch dies nicht. Wenngleich die Quoten gegen Ende deutlich anstiegen und sich kabel eins hier Hoffnungen machen kann, dass sich das Format dauerhaft über dem Senderschnitt etabliert. Wirklich gut lief es für die «Strengsten Eltern der Welt», die der Münchner Sender ebenfalls am Dienstag zeigte. Die Doku-Soap war ein verlässlicher Quotenbringer für den Sender - ein Wiedersehen im neuen TV-Jahr ist so gut wie garantiert.

Fazit: Der Nachmittag ist das größte Problem
Die größten Probleme wird kabel eins in der Fernsehsaison 2011/2012 wohl der Nachmittag machen. Die Quoten der US-Serien bewegen sich auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. «Two and a Half Man» kann diese Delle schon jetzt nicht mehr im Alleingang ausbügeln. Gegen das Serien-Line-Up von ProSieben wird es der Sender in Zukunft schwer haben. Auf Sport sollte kabel eins im neuen TV-Jahr komplett verzichten, hier hatte der Sender kein Glück. Bei den Eigenproduktionen zeigt sich jedoch, dass die Zuschauer durchaus bereit sind, sich auf diese einzulassen. Die Verantwortlichen sollten aber nicht auf spezielle Show-Events setzen, sondern langfristige Formate entwickeln.
19.07.2011 11:35 Uhr  •  Timo Niemeier Kurz-URL: qmde.de/50881