Wetten, dass...?

Man kann am Wochenende die Stadt mit Freunden unsicher machen. Man könnte auch ein gutes Buch lesen und ein Glas Wein dazu trinken. Oder man erinnert sich an ein paar Ankündigungen im Fernsehen und schaut dann «Wetten, dass...?» mit Thomas Gottschalk.

So geschah es denn auch gestern und der blonde Lockenkopf vom ZDF hatte ein interessantes Line-Up auf der berühmten Couch anzubieten. Für die junge Generation hatte Bewährungshelfer Raab seiner Lena einen Abend Ausgang genehmigt, Denzel Washington präsentierte Hollywood und für den Sport war einer der beiden Klitschko-Brüder angereist. Damit wäre auch schon der Verlauf der Sendung für jeden Zuschauer klar. Überraschungen gibt und gab es da natürlich keine. «Wetten, dass...?» ist nun einmal die seichte Unterhaltung für alle Altersgruppen und sozialen Schichten im Fernsehen.

Und doch könnte es zumindest manchmal ein wenig mehr sein. Vielleicht erwartet man aber auch einfach nur zu viel von dieser Show. Oder man erkennt mittlerweile einfach schneller den Sinn und Zweck der Gespräche zwischen Thomas und seinen Gästen. Der Film von Denzel Washington lief noch nicht in den USA und so versucht man mit einem Besuch bei «Wetten, dass...?» zumindest in Europa bekannt zu machen. Stehen denn schon neue Filme an? Ähhm..jaa....also irgendwann in 2012 kommt da was und bald moderiert der gute Denzel eine Gala für die Unseco. Karrieretechnisch dürfte es für den Hollywoodstar auch schon besser gelaufen sein. Stattdessen darf er dank verlorener Wette auch noch Popsternchen Miley Cyrus auf deutsch ansagen. Man will den Stars auch nicht zu viel abverlangen. Lustig ist dabei nur noch der Moderator der überdimensionalen Show. Gottschalk hat sein Handwerk einfach nicht verlernt, macht sich gern auch über die Fähigkeiten in Sachen Moderation von Frau Hunziker lustig und wirkt unfreiweillig komisch wenn er Miley Cyrus gefühlte 80 Mal von Justin Bieber als Gast der nächsten Ausgabe von «Wetten, dass...?» erzählt. Ob sie das wohl wirklich interessiert hat?

Und doch gibt es da Lichtblicke und einen Verbündeten auf dem Sofa. Atze Schröder ergriff gleich mehrmals die Initiative, wollte Thomas gegen Vitali als Wetteinsatz boxen lassen und brachte auch noch drei Omis in einer Ente zum Bahnhof. Wäre der Mann kein Comedian, so hätte er die Show sicherlich auch allein gewuppt. Das Highlight der Show? Ganz klar die Darbietung der Blue Man Group. Hier konnte «Wetten, dass...?» einmal seine bombastischen Ausmaße im deutschen Fernsehen unter Beweis stellen. Das war etwas Besonderes. Genau diese besonderen Momente fehlen aber leider immer mehr.

Landete früher noch Jean Paul Belmondo am Helikopter hängend vor dem Studio, so lässt man heute bestenfalls noch die Fanta4 mit Engelsflügeln in den Saal schweben. Der Inhalt der Sendung wird einfach nicht mehr ihren Ausmaßen gerecht. Bei Atze Schröder steht Gottschalk in der Familie noch eine Stufe über dem Papst und dieser Rolle sollte sich der Entertainer wieder bewusst werden. «Wetten, dass...?» kann viel bewegen, die TV-Nation nutzen und Highlights produzieren. Stattdessen produziert man sich selbst und langweilt das Publikum vor dem Fernseher mit einer Klassik-Wette von vor zwanzig Jahren. Wozu braucht man da noch einen angeblichen TV-Titan? Das kann ehrlich gesagt auch bald Markus Lanz oder Jörg Pilawa. Und so wird es wahrscheinlich sogar leider kommen. «Wetten, dass...?!»

Ihr

Rob Vegas



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07.11.2010 19:15 Uhr  •  Rob Vegas Kurz-URL: qmde.de/45666