Neu im Kino: Kalenderwoche 33

Shyamalans Fall, Seyfrieds Erfolg, Salts Verfolgung und Timos Erlösung. Quotenmeter.de stellt die wichtigsten Kinostarts der Woche vor.

«Die Legende von Aang»
Mit «The Last Airbender», wie man den Film im englischen Original schließlich betiteln musste, nachdem der Rechtsstreit mit James Camerons «Avatar» abzusehen war, hat M. Night Shyamalans Karriere nun endgültig den vollständigen Stillstand erreicht. Kritiker machten von Anfang an keinen Hehl aus ihren Gefühlen und räumten einen Sommer der letzten Chance für den 40-jährigen Regisseur ein. Addiert man Budget und die Zahlen des eminenten Werbefeldzuges, so hat «Die Legende von Aang» in etwa 300 Millionen Dollar verschlungen. Eingespielt wurde bislang lediglich circa 200 Millionen – ein unglückliches Ergebnis für den ersten Teil einer Trilogie, die Fans nun vermutlich aufgeben müssen. Wie es zum Fall des großen «The Sixth Sense»-Visionärs kam, wurde nicht wenigere Male erklärt als zu Herzen genommen. Fakt ist, dass es für Paramount Pictures und Nickelodeon Movies kein geringes Risiko war, den Stab der Regie an Shyamalan zu reichen, gar nicht erst zu reden von der Tatsache, dass er auch als Produzent und Drehbuchautor fungierte. Der Film wurde von ohnehin feindselig gestimmten Kritikern weitesgehend zerissen.

Shyamalans neunte Regiearbeit ist eine Realfilm-Adaption der beliebten und erfolgreichen
Animationsserie «Avatar: The Last Airbender», die den jungen Aang zur Hauptfigur hat. Dieser tritt nach einem Jahrhundert der Abstinenz zurück ins Rampenlicht, um eine lange Reise zu beginnen, die Frieden zwischen den vier Nationen von Luft, Wasser, Erde und Feuer zum Ziel hat. Über alle diese Elemente hat Aang eine gewisse Macht, der er als unerfahrerer 12-Jähriger allerdings noch Herr werden muss. Während er sich mit seinen Gefährten Katara und Sokka auf den Weg macht, führt die Feuernation einen gefährlichen Krieg gegen die restlichen Territorien und setzt sich so auch den Tod Aangs in den Kopf. Dieser wird in der Verfilmung, die wie beispielsweise auch «Alice im Wunderland» erst nachträglich in das Format 3D konvertiert wurde, von Newcomer Noah Ringer verkörpert. Ihm zur Seite stehen Nicola Peltz, Jackson Rathbone und Dev Patel, bekannt als Jamal aus «Slumdog Millionaire». «The Last Airbender» nimmt sich das erste Kapitel und somit die erste Staffel der Serie zum Vorbild.

OT: «The Last Airbender» von M. Night Shyamalan; mit Noah Ringer, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Dev Patel und Shaun Toub.

«Salt»
Wie schnell sich ein Drehbuch im Prozess der Pre-Production verändern kann, sieht man am Beispiel des Spionage-Thrillers «Salt». Eigentlich war die Hauptrolle des Edwin Salt für niemand geringeres als Tom Cruise vorgesehen. Dieser war im Prinzip auch nicht abgeneigt, sah zwischen Salt und seinem «Mission Impossible»-Charakter Ethan Hunt allerdings zu viele Parallelen. Autor Kurt Wimmer und Regisseur Phillip Noyce zeigten Verständnis und begaben sich wieder auf die Suche. Fündig wurden sie in Angelina Jolie, die schon seit Längerem vorhatte, der Star eines Action-Franchises zu werden. Man traf sich, räumte Missverständlichkeiten aus dem Wege und verpflichtete die Leinwandgröße kurzerhand. Brian Helgeland, der mit seinem Skript zu Clint Eastwoods «Mystic River» 2003 für den Oscar nominiert wurde, begann mit Wimmer an Dialogen und der Geschlechterolle zu feilen, während Jolie sich in halsbrecherischen Stunts übte. Bei den Dreharbeiten kam es so zu einem Unfall, der den Verdacht auf ein Schädeltrauma nahelegte. Alles halb so schlimm, meinte die 35 -jährige Mime und setzte die Arbeit nach einem Abstecher ins Hospital fort.

Im Film verkörpert sie Evelyn Salt, eine erfolgreiche und geachtete Agentin der CIA, die sich durch stets waghalsige Manöver ihren Weg an die Spitze der Organisation bahnt. Bis ein Überläufer sie bezichtigt, eine russische Schläferin zu sein und es innerhalb der eigenen Reihen zum Eklat kommt. Salt muss zum eigenen Wohle und das ihres Ehemannes untertauchen – ihr neues Ziel: Die Verschwörung, der sie zum Opfer gefallen ist, aufdecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Schenkt man einigen Kritikern glauben, hat «Salt» große Ähnlichkeit mit «Equilibrium», einem anderen Werk von Autor Wimmer. Der von Noycer («Todesstille» mit Nicole Kidman; «Das Kartell» mit Harrison Ford; aber auch «Sliver» mit Sharon Stone) inszenierten Spannung tut das aber wohl keinen Bruch. Ob Sidney Schering das genauso sieht, lesen sie am Freitag in der Quotenmeter.de-Kritik.

OT: «Salt» von Phillip Noyce; mit Angelina Jolie, Liev Schreiber, Chiwetel Ejiofor, August Diehl und Daniel Olbrychski.

«Das letzte Schweigen»
Das Band zwischen Timo und Peer war immer besonders. Geknüpft wurde es vor mehr als 20 Jahren durch blutiges Schweigen. Damals teilten die beiden ihre Gewalt- und Sexfantasien über junge Mädchen in ihrer eigenen kleinen, träumerischen Welt. Aus eben dieser brach der ältere Peer eines Tages aber mit der grausamen Vergewaltigung und Ermordung eines Kindes aus. Timo hielt den Mund – und verließ die Stadt. Auf den Tag genau verschwindet nun die 13-jährige Pia unter denselben Bedingungen wie vom Erdboden. Die Anwohner sind schockiert, die Mutter des Mädchens dem sprichwörtlichen Abgrund nahe. Der erst kürzlich pensionierte Kommissar Mittich, einst an dem Fall verzweifelt, schickt sich an, diesmal einen Schlusstrich unter das Verbrechen zu ziehen. Auch Timo kann die Schatten der Vergangenheit nicht ziehen lassen und kehrt so zurück in die Heimat.

«Das letzte Schweigen» basiert lose auf Jan Costin Wagners Buch «Das Schweigen», das 2007 veröffentlicht wurde. In der Verfilmung von Regisseur Baran bo Odar («Unter der Sonne», 2006) übernimmt Wotan Wilke Möhring die Hauptrolle des verstörten Timo. Bereits im viel gelobten «Antikörper» verkörperte Möhring einen Charakter, für den die Grenze zwischen Gut und Böse zu verschwimmen drohte. In anderen Rollen sind Ulrich Thomsen, Katrin Saß, Burghart Klaußner, Sebastian Blomberg und Karoline Eichhorn zu sehen. Ein Gespräch mit Regisseur Baran bo Odar lesen Sie kommende Woche bei Quotenmeter.de.

OT: «Das letzte Schweigen» von Baran bo Odar; mit Wotan Wilke Möhring, Ulrich Thomsen, Burghart Klaußner, Katrin Saß und Sebastian Blomberg.

«Briefe an Julia»
Betritt man in letzter Zeit das Kino seines Vertrauens mit dem Vorhaben, dem Charme einer Liebesgeschichte der etwas anderen Art zu verfallen, so stehen die Chancen nicht schlecht, Amanda Seyfried in einer ihrer gegenwärtig zahlreichen Hauptrollen zu bewundern. Zum einen wäre da das mit dem Thema Krieg verwobene Drama «Dear John», das bislang nicht den Sprung in deutsche Gefilde vollbrachte. Ganz im Gegensatz zu «Chloe», dessen Plot die 24-Jährige als dirigierte Versuchung für einen Geschäftsmann einsetzte, beauftragt von dessen besorgter Gattin. Rückblickend gäbe es selbstverständlich noch das musikalische «Mamma Mia», das ihre Hochzeit zum Zentrum der Geschichte macht sowie das amüsante Horrorintermezzo «Jennifers Body» - auch wenn die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Seyfried und Megan Fox auf Grund einiger läppischer Morde nicht zu einem Happy End fand.

Ihr Engagement in der Serie «Big Love» legte die Darstellerin zuletzt komplett nieder, um sich bewusst der Filmkarriere zu widmen. «Briefe an Julia» fährt dabei die durchwegs romantische Schiene: Seyfried porträtiert Sophie Hall, deren Urlaub in Italien mit Victor, ihrem mehr als beschäftigten Verlobten, weniger Freude bereitet als gedacht. Sophie findet Gefallen an einer alten Tradition, die unglücklich Verliebte dazu bewegt, Briefe an Julia Capulet, die Figur aus Shakespeares «Romeo und Julia» zu schreiben. Dem Brauch zufolge ist es jeder Person erlaubt, zu antworten. Eine Möglichkeit, die Sophie nutzt, als sie den Brief einer gewissen Claire liest, die ihre große Liebe einst aus kleinlicher Angst verlor und sich ihre Schuld von der Seele reden musste. Auf Sophies Antwort folgt jedoch kein weiterer Brief, sondern Claire höchstpersönlich mitsamt Sprössling. Während sich die drei auf den Weg machen, Claires Herzblatt zu finden, kommen sich deren Sohn und Sophie immer näher. Platz auf dem Stuhl der Regie nahm Gary Winick, der bisher Filme wie «30 über Nacht» (2004), «Schweinchen Wilbur und seine Freunde» (2006) sowie zuletzt «Bride Wars» (2009) iszenierte.

OT: «Letters to Juliet» von Gary Winick; mit Amanda Seyfried, Chris Egan, Vanessa Redgrave, Franco Nero und Gael García Bernal.
18.08.2010 13:28 Uhr  •  Marco Croner Kurz-URL: qmde.de/43958