Glenns Gedanken: Verswitcht im Dschungel

Unser Kolumnist macht sich Sorgen. Geht «Switch Reloaded» langsam die Luft aus?

Lange Zeit galt «Switch Reloaded» als eines der wenigen wirklich lustigen deutschen Comedy-Formate. Keine Sendung und kein Promi war sicher vor den gelungenen Parodien des Teams rund um Max Giermann, Michael Kessler, Martina Hill & Co. Niemand blieb verschont: Stefan Raab, Günther Jauch, Heidi Klum, Thomas Gottschalk - sie alle waren schon mal Opfer. Das Ursprungsformat «Switch» war schon in den 90er Jahren ein Erfolg für ProSieben ("Hoëcker, Sie sind raus!"), und die Neuauflage schaffte es erneut, Kultstatus zu erreichen. Die Sendung zeichnet sich durch ein schnelles Tempo und eine hohe Gagdichte aus, da zwischen den einzelnen parodierten Formaten ständig hin und her ge"switch"t wird.

Während die ersten beiden Staffeln der Neuauflage noch vollständig überzeugen konnten, gab es in der dritten Staffel unglücklicherweise bereits einige Anzeichen dafür, dass den Autoren offenbar allmählich die guten Ideen ausgehen. «Switch Reloaded» ging mit dem Anspruch auf Sendung, das deutsche Fernsehen satirisch unter die Lupe zu nehmen. Innerhalb der parodierten Sketche wurden treffende Seitenhiebe auf die verschiedenen Formate verteilt, z.B. wenn ein Peter Kloeppel bei «RTL aktuell» sensationsgeil zu Antonia Rados in das Katastrophengebiet Lampukistan schaltet und die Information, dass es keine weiteren Opfer gibt, mit einem "Schade." quittiert. Bei «Schwarzsehen mit Karten» wurde außerdem wunderbar das sogenannte Astro-Fernsehen vorgeführt. Doch im Laufe der Zeit gerieten die gelungenen Pointen in den Hintergrund, und es wurde zunehmend alberner. Sketche wie «Psychopath sucht Frau» oder Dick & Doof bei «Zwei bei Kallwass» wirkten sehr bemüht und mit dem Holzhammer. Die Perfektionierung der parodierten Personen stand nun im Fokus, scheinbar auf Kosten der Drehbücher. Es reicht leider nicht, wenn man bei «Lafer! Lichter! Lecker!» perfekt Ursula von der Leyen & Thomas Hermanns parodiert, aber gleichzeitig nur Dialoge ohne Pointe spricht.

Einen negativen Höhepunkt stellte das Dschungel-Spezial vom vergangenen Dienstag dar. Eine ganze Stunde lang dauerte diese Sondersendung, in der man sich darauf beschränkte, lediglich «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» zu parodieren. Als Lena Meyer-Landrut, Karl Lagerfeld, Elke Heidenreich, Günther Jauch und Peter Zwegat sowie Sonja Zietlow und Dirk Bach versuchte sich das «Switch»-Team an einem Gagfeuerwerk. Doch leider blieb es bei einem Versuch. Diese Ausgabe war das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn man talentierte Parodisten nur mit einem mangelhaften Skript ausstattet. Völlig hilflos schienen die Charaktere im Zusammenspiel, weitgehend pointenlos die Sendung, die sich ohne roten Faden wie ein Kaugummi zog. Die Texte waren schlecht, unlustig und vorhersehbar. Und oft unfassbar platt, insbesondere in Bezug auf Lena Meyer-Landrut, die man absolut unauthentisch dargestellt hat. Die Schere, die sich zwischen der Qualität der Parodien und den Büchern auftut, ist inzwischen einfach zu groß, und es bleibt zu hoffen, dass es bei den regulären Ausgaben der Sendung in den nächsten Wochen wieder einen Aufschwung gibt.
18.07.2010 00:00 Uhr  •  Glenn Riedmeier Kurz-URL: qmde.de/43280