Kerner gibt sich selbstkritisch

In einem Interview mit der "Zeit" spricht Johannes B. Kerner von der mühsamen Arbeit und seinem schwachen Start in Sat.1.

In einem Interview mit der "Zeit" spricht Johannes B. Kerner über die Startschwierigkeiten bei seinem neuen Arbeitgeber Sat.1. "Wir müssen die Zuschauer, die wir bei Sat.1 antreffen, breit umarmen. Breiter, als wir das bisher getan haben. Das ist ein ganz mühsamer Prozess. Ich gebe zu: Ganz so mühsam habe ich es mir nicht vorgestellt. Ich bin froh, dass wir es mittlerweile einmal geschafft haben, über dem Senderschnitt zu liegen", so Kerner im Gespräch mit Zeitmagazin-Autor Matthias Kalle.

Durchaus verliert Kerner angesichts der anfangs sehr schwachen Quoten seines wöchentlichen Magazins auch selbstkritische Worte: "Ich weiß auch, dass die ersten Sendungen nicht optimal waren, dass der Studioanteil zu gering war zum Beispiel." Dass Kerner mit seiner erfolgreichen Talkshow überhaupt vom ZDF weggegangen ist, verstehen heute noch Wenige. "Das Verhältnis zwischen dem ZDF war langjährig, großartig, erfolgreich - und letztlich verbraucht." Kerner ist dann zu Sat.1 gegangen, weil ihn der Ehrgeiz gepackt habe. Beim ZDF vermisse er nichts, außer vielleicht die Länderspiele.

Auch den frühen Sendeplatzwechsel seines Magazins spricht der Sat.1-Moderator an: "Es gab genügend Leute in der Redaktion, die gesagt haben: Lass uns nicht sofort im November starten, sondern im Januar, donnerstags um 22.15 Uhr. Machen wir jetzt auch, und ich will mich gar nicht aus der Verantwortung stehlen - ich habe das ja mitgemacht. Jetzt haben wir den Reset-Button gedrückt. Neues Spiel." Kerners Magazin war nach desaströsem Start im November nach nur drei Montags-Ausgaben auf den Donnerstag verlegt worden.

Für die Quote will der Moderator nicht alles tun: "Titten zeigen - Quote steigt: Mach ich nicht! Es gibt Sendungen, die beschäftigen sich in schöner Regelmäßigkeit mit den Preisen für Oralverkehr an der tschechischen Grenze. So was interessiert mich nicht. Sollen die anderen machen." Denkt Kerner schon ans Aufhören? "Verzeihung, ich bin 45 - das ist für mich nicht in Sicht. Und das nicht wegen vertraglicher Verpflichtungen. Ich verliere einfach nicht gerne. Ich finde schon ein Unentschieden ekelig." Aktuell sieht sich Kerner in Sat.1 noch mit einem Tor im Rückstand. Auf die Frage, in welcher Spielminute er sich denn befinde, antwortet Kerner: "Dritte."
25.02.2010 11:10 Uhr  •  Jan Schlüter Kurz-URL: qmde.de/40416