Die Kritiker: «Lewis - Die Schlüssel zum Mord»

Story
Nachdem die Ehefrau des Oxforder Kriminalinspektors Robert Lewis bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, hat sich Lewis, der ehemals der Assistent des legendären Inspektor Morse gewesen ist, für zwei Jahre auf die britischen Jungferninseln zurückgezogen.

Nun ist er wieder zurück, um einen ruhigen Ausbilderposten auf Bezirksebene anzunehmen. Doch daraus wird zunächst nichts. Kurz nachdem er von dem jungen Detective Seargent James Hathaway am Flughafen abgeholt worden ist, werden die beiden Kriminalbeamten zu einem Mordfall gerufen. In einem Schlaflabor, das von der Professorin Kate Jekyll geleitet wird, ist die Mathematikstudentin Regan Peverill erschossen worden. Der Verdacht fällt auf ihren Kommilitonen Daniel Griffon. Immerhin benutzte der Täter dessen Türcode. Professor Denniston gibt seinem Studenten Daniel für die Tatzeit aber ein überzeugendes Alibi.

Bei ihren Recherchen rund um die Industriellenfamilie Griffon stoßen Lewis und Hathaway auf Verhältnisse von geradezu shakespeareschem Ausmaß. Daniel nämlich hat seinen Onkel Rex in Verdacht, seinen Vater ermordet zu haben, um mit Daniels Mutter zusammenzuleben. Außerdem gibt es auch noch den Finanzdirektor des Betriebes, Tom Pollock. Dessen Tochter Jessica wiederum ist in Daniel verliebt.

Bevor die beiden Kommissare dazu kommen, all diese Verhältnisse zu überprüfen, überstürzen sich die Ereignisse. Tom Pollock wird ermordet in seinem Wagen aufgefunden, und in einem Ruderboot liegt die Leiche Daniel Griffons. Bei Daniel deuten die Indizien auf Selbstmord hin. Doch einem alten Fuchs wie Inspektor Lewis, dessen kriminalistischer Instinkt längst wieder erwacht ist, kann man nichts vormachen.

Auch Daniel wurde ermordet. Nur von wem und warum? Dass alle drei Morde miteinander zusammenhängen, scheint nahe zu liegen. Noch aber fehlen Lewis und Hathaway die Schlüssel zu diesen Morden. Einen Hinweis findet Lewis ausgerechnet in den alten Unterlagen von Inspektor Morse, der seinerzeit den Tod des alten Griffon untersucht hatte. Schließlich ergibt sich mit schier mathematischer Präzision ein Muster, in das alle drei Morde hineinpassen.

Die Kriminaldirektorin Jean Innocent kann Inspektor Lewis am Ende nur noch zu seinem Scharfblick beglückwünschen. Und der nutzt die Gunst der Stunde und unterbreitet spontan den Vorschlag, statt als Ausbilder Vorträge zu halten, auch in Zukunft wieder in Oxford auf Mörderjagd zu gehen. Tatkräftig unterstützt natürlich von James Hathaway.

Darsteller
Kevin Whately («Der englische Patient», «Inspector Morse») ist DI Robert Lewis
Laurence Fox («Gosford Park», «The Hole») ist DS James Hathaway
Rebecca Front («The Catherine Tate Show») ist CH. Supt. Innocent
Clare Holman («Blood Diamond», «Midsomer Murders») ist Dr. Laura Hobson
Jemma Redgrave («Mansfield Park», «Waking the Dead») ist Trudi Griffon
Michael Maloney («Babel», «Robin Hood») ist Ivor Denniston
Jack Ellis («Coronation Street», «Bad Girls») ist Rex Griffon
Charlie Cox («Casanova», «Der Kaufmann von Venedig») ist Danny Griffon
Lizzy McInnerny («Nostradamus», «The Commander») ist Kate Jekyll
Marc Elliott («The Bill - The Deadly Game», «Mile High – Ep. 2.08») ist Hal Bose

Kritik
Gerade erst hat «Inspector Barnaby» seinen Dienst im ZDF vorübergehend wieder eingestellt, da steht mit der neuen Krimiserie «Lewis» schon der nächste britische Ermittler auf dem Programm. Und mit dem Oxforder Kriminalinspektor Robert Lewis tritt sogar ein alter Bekannter im neuen Gewand an, dem Unrecht auf die Schliche zu kommen. Denn so manchem Zuschauer dürfte der Schauspieler Kevin Whately alias Robert Lewis noch durch seine Rolle in der Krimireihe «Inspektor Morse» bekannt sein. Diese auf den Büchern von Colin Dexter basierende Reihe lief von 1987 bis 2002 erfolgreich im britischen Fernsehen, in Deutschland kamen lediglich die Zuschauer von DDR2 bzw. DFF von 1989 bis 1990 in den Genuss der Reihe «Mordkommission Oxford». Anschließend verschlug es die Serie auch in so manches Regionalprogramm, versank dann aber unverständlicherweise in den Tiefen der Archive. Im Jahr 2002 verstarb dann der Schauspieler John Thaw, und damit auch die Titelfigur Morse. Robert Lewis hingegen war der stets der ergebene Kollege an seiner Seite und zugleich eine sehr prägende und mit vielen Anhängern versehene Figur. Der logische Schritt folgte letztlich auf dem Fuße – ein eigenes Spin-Off unter dem Namen «Lewis».

Ursprünglich als einmaliger TV-Film geplant, mutierte der Krimi aber vom Start weg mit über elf Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Fernsehfilm des Senders ITV im Jahr 2006 und machte eine Fortsetzung gleichsam unentbehrlich. So folgten schon im darauffolgenden Jahr drei weitere Filme, die auch das ZDF an den nächsten drei Wochenenden zeigen wird. 2008 folgten weitere vier Filme, von denen auch im Jahr 2009 eine Fortsetzung geplant ist.

Ohne hier den Vergleich zum Original vornehmen zu können bzw. auch zu wollen, steht bei «Lewis» und den meisten anderen britischen Krimiproduktionen immer die Frage im Vordergrund, was die Zuschauer so an ihren Protagonisten fasziniert. Kommen die Filme doch meist ohne große Effekte und überraschende Ideen aus. Zuvorderst sind es die ausgefeilten Charaktere und ihre Hauptdarsteller, in diesem Fall ganz klar Kevin Whateley als Titelheld Lewis und sein Assistent Laurence Fox als James Hathaway. Vor allem Whateley überzeugt als, nach dem Tod seiner Frau, ziemlich desillusionierter und etwas vereinsamter Kriminalinspektor. Aber schon im Verlauf der ersten Minuten verliert er schnell seine Selbstzweifel und Traurigkeit und kämpft sich mit Einfühlungsvermögen und britisch-kauzigem Humor wieder aus dem Seelentief. Ihm zur Seite gestellt wurde der noch junge Kollege James Hathaway, als eher stiller und introvertierter Charakter, auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von Lewis. Doch nach und nach entdeckt auch Lewis, dass der ehemalige Theologiestudent und Sportler Hathaway noch so einiges zu bieten hat. Insgesamt ergänzen sich die beiden jedoch perfekt und bilden ein sehr sympathisches und glaubwürdiges Ermittlerduo.

Doch die Ermittler einer Serie können noch so intelligent und sympathisch sein, letztlich kommt es doch immer auf die Fälle und damit die Drehbücher an. Doch auch hier kann Entwarnung gegeben werden. Die Mörderjagd im Serienauftakt in Oxford ist raffiniert geraten und zuweilen erfordert der Krimi auch eine hohe Aufmerksamkeit vom Zuschauer, um mit den Wendungen und vielen Namen der Geschichte überhaupt klar zu kommen. Dem Drehbuchautor Stephen Churchett sei Dank. Der von ihm ausgearbeitete und sehr raffinierte erste Fall führt in die Sphären des ortsansässigen Geldadels und der berühmten Universität der Stadt. Nichts scheint so, wie es auf den ersten Blick wirkt und letztlich entspinnt sich auch das Netz aus unzähligen Beziehungen, Motiven und Indizien.

Natürlich dürfen dabei auch die für britische Krimis typischen Wendungen in der Handlung nicht fehlen und bieten dem Zuschauer damit genügend Spielraum für eigene Ermittlungen bei der Mördersuche. Umrahmt wird das Ganze von beeindruckenden Bildern von den Originalschauplätzen aus Oxford und Umgebung sowie ein insgesamt perfektes Kameraspiel.

Wer also die Lust verspürt, ein neues scharfsinniges und souveränes Ermittlerteam kennenzulernen, das mal nicht auf die mittlerweile so häufig zu sehenden effektvollen Methoden zurückgreift, sondern sich mit Sinn und Verstand in spannenden und intelligenten Geschichten bewegt, ist bei «Lewis - Der Oxford-Krimi» genau richtig aufgehoben.

Das ZDF zeigt «Die Schlüssel zum Mord», Auftakt der neuen britischen Krimi-Reihe «Lewis – Der Oxford-Krimi», am Sonntag, den 01. Februar 2009, um 22.00 Uhr. Weitere drei Teile werden an den darauffolgenden Sonntagen ausgestrahlt.
29.01.2009 11:07 Uhr  •  Torben Gebhardt Kurz-URL: qmde.de/32834