Die Kritiker: «Leo & Marie - Eine Weihnachtsliebe»

Story
Leo Schreiber war schon immer einer derjenigen Menschen, die kaum unauffälliger sein könnten. Keiner schenkt ihnen Beachtung oder merkt, was sie tun und wie es ihnen geht. Leo hat sich längst mit dieser Tatsache abgefunden und lebt sein einsames Versicherungs-Angestellten Dasein. An einem ganz gewöhnlichen Tag bemerkt er im Fahrstuhl seines Unternehmens eine unbekannte Frau, die es ihm ganz offensichtlich angetan hat. Da ihm diese Gefühle aber vollkommen neu sind, geht er nicht weiter darauf ein und folgt seinem tristen Alltag.

Das lässt sein Schicksal jedoch nicht zu und greift sofort ein: Der Fahrstuhl, in dem sich die beiden befinden, bleibt stecken. Nun erkennt auch Leo die Zeichen und geht sogar zur dato immer ignorierten Weihnachtsfeier der Versicherung. Dort kommen sich Leo und Marie langsam näher … Ist Leo bereit für eine Veränderung? Was verbirgt sich hinter der Fassade seines missmutigen Chefs? Und gibt es für Leo und Marie eine gemeinsame Zukunft?

Darsteller
Wotan Wilke Möhring («Antikörper») ist Leo Schreiber
Bernadette Heerwagen («Ich bin die Andere») ist Marie Johanson
Uwe Bohm («Vater aus Liebe») ist Robert Hanke
Michael Schenk («Der Baader Meinhof-Komplex») ist Frank Petersen
Falk Rockstroh («Free Rainer») ist Wolfgang Piehl
Suzan Anbei («Und Jimmy ging zum Regenbogen») ist Susanne Pascheidt
Ulrike Grote («Der Untergang der Pamir») ist Frau Meisner

Kritik
Warum konnte die Bavaria Fernsehproduktion für den Film «Leo & Marie - Eine Weihnachtsliebe» wohl solch namhafte Schauspieler wie Bernadette Heerwagen und insbesondere Wotan Wilke Möhring gewinnen? Die Antwort auf diese bedeutende Frage bleibt einem zunächst verwehrt, da zum Teil vorhandene Chancen, einen guten Film zu machen, vertan werden und am Ende ein fader Nachgeschmack überwiegt.

Der ZDF-Fernsehfilm, der auf die Weihnachtszeit einstimmen soll, beginnt mit dem kleinen Leo, der - so erfährt es der Zuschauer durch ein Voice-Over, in ein Waisenhaus kam und schließlich Versicherungsangestellter wurde. Potenzial für eine nette Romantikstory ist theoretisch da, wenn der Protagonist so vereinsamt ist, dass er mit einem Kleiderständer tanzt und Menschengeräusche auf Schallplatte laufen lässt.

Sobald der Fahrstuhl aber stehen bleibt und die Lovestory langsam ins Rollen kommt, gibt es einige Aspekte, die den Gesamteindruck des Films trüben. Die vom Schicksal gesandten Zeichen und Verbindungen (Stichwörter Streichholz und Weihnachtsfeier) sind einfach zu offensichtlich und werden dem Zuschauer mit einem zusätzlichen Sternefunkeln unter die Nase gerieben.

Die langsamen Annäherungsversuche von Leos Seite bieten natürlich einige wenige lustige Szenen. Eine der lustigsten Szenen geht im ganzen Trubel leider vollkommen unter. Als er bei Marie klingelt, fragt eine Frauenstimme “Eckhart? Bist du betrunken?”, er “Nein.”, sie “dann bist du nicht Eckhart.” Ansonsten gibt es aber nicht besonders viel zu lachen.

Ein Glück, dass Bernadette Heerwagen und Wotan Wilke Möhring die Hauptrollen inne haben. Mit ihrer charmanten Spielweise verhindern sie das Schlimmste und retten den Film vor dem Total-Absturz. Allein die Tatsache, dass Marie Leo nach einer gewissen Zeit mit einer anderen in flagranti im Bett erwischt, zeigt, dass die Story noch einmal hätte überarbeitet werden müssen. Das pseudo-dramatische Ende passt nicht wirklich zur Machart des Films und lässt einen verdutzt zurück.

Ein Film von Rolf Schübel über zwei Menschen, die das Leben gemeinsam neu entdecken, der mit Sicherheit nicht zum Weihnachts-Pflicht-Programm gehört.

Das ZDF strahlt «Leo & Marie - Eine Weihnachtsliebe» am Montag, den 8. Dezember 2008 um 20.15 Uhr aus.
07.12.2008 10:09 Uhr  •  Philipp Stendebach Kurz-URL: qmde.de/31419