Die Kritker: «The Nine – Die Geiseln»

Story
Zwei bewaffnete Männer stürmen die Filiale einer großen Bank und setzen die Wachmänner außer Gefecht. Nachdem der Überfall allerdings schief läuft, nehmen sie die Kunden der Bank als Geisel. Unter den neun Gefangenen befinden sich der Herzchirurg Jeremy Kates, die Assistentin des Staatsanwaltes Kathryn Hale, der Polizist Nick Cavanaugh, die Sozialarbeiterin Lizzie Miller, der Bankmanager Malcolm Jones, seine Tochter Felicia, der selbstmordgefährdete Egan Foote sowie die Bankangestellten Franny und Eva Rios. Letztere wird den Überfall nicht überleben.

Die acht sich bisher einander fremden Überlebenden werden durch das gemeinsame Erlebnis miteinander verbunden und treffen sich auch nach dem Überfall noch miteinander. Doch was passierte in den 52 Stunden der Geiselhaft, in denen die Personen so eng miteinander verbunden wurden? Warum musste Eva sterben? Wieso wirkt der Bankmanager seit dem Überfall so apathisch? In chronologischen Flashbacks werden die Ereignisse der Geiselnahme nacherzählt und so die Geheimnisse der einzelnen Charaktere gelüftet. Dies ist auch für die Polizei nicht uninteressant. Vermutet sie doch unter den Geiseln einen Mittäter.

Darsteller
Lourdes Benedicto («Dawson’s Creek», «24») ist Eva Rios
John Billingsley («Star Trek: Enterprise») ist Egan Foote
Jessica Collins («CSI – Den Tätern auf der Spur») ist Lizzie Miller
Tim Daly («Auf der Flucht», «Private Practice») ist Nick Cavanaugh
Dana Davis («Heroes») ist Felicia Jones
Camille Guaty («Prison Break», «Las Vegas») ist Franny Rios
Chi McBride («Boston Legal», «Dr. House») ist Malcolm Jones
Kim Raver («Third Watch», «24») ist Kathryn Hale
Scott Wolf («Party Of Five», «Everwood») ist Jeremy Kates

Kritik
Nach dem Erfolg von «Lost» versuchte man im Hause ABC schnell ein zweites Serial nachzulegen. Allerdings hatte «The Nine» trotz einer Programmierung in dessen Lead-Outs von Anfang an miese Quoten, sodass die Serie vorzeitig abgesetzt wurde. Wieso die Serie ihr Publikum nicht finden konnte, ist durchaus verständlich. Gerade bei Serials ist es entscheidend, dass die Pilotfolge überzeugen kann. Sie muss Fragen offen lassen, aber auch erste Hinweise geben, damit der Zuschauer neugierig auf den Rest der Serie wird. Die richtige Mischung ist dabei essentiell.

Genau dies ist bei beim Piloten von «The Nine» nicht gelungen. Es werden zwar viele Geheimnisse angedeutet, doch die erste Folge bietet keine Anhaltspunkte auf deren Aufklärung. Warum ist der Polizist auf den Verhandlungsführer sauer? Was passierte mit den Haaren der Staatsanwalt-Assistentin? Wieso kleben Tausende von Zetteln an den Fenstern der Bank? Es werden dutzende Fragen aufgeworfen, von denen nicht eine beantwortet wird. Das ist zu wenig, um für Spannung zu sorgen. Hier hätten wenigstens ein paar Lösungsansätze geliefert werden müssen. Was während der Geiselnahme passierte, wird im Piloten überhaupt nicht beleuchtet. Es ist keiner der angekündigten Flashbacks zu finden.

Die Serie verliert zudem nach dem Überfall an Fahrt. Bis dahin ist sie sehr schnell und dicht erzählt. Der Sturm auf die Bank ist noch actionreich und spektakulär inszeniert. Doch anschließend verkommt sie zu einer gewöhnlichen Soap. Die Ereignisse in den 52 Stunden spielen fortan keine Rolle mehr. Der Schwerpunkt wird ausschließlich auf die Verbindung der Figuren untereinander gelegt. Scheinbar wahllos wird dazu zwischen den Charakteren umhergeschnitten, ohne dass eine Geschichte besondere Akzente setzen kann. Von den gelungenen ersten 15 Minuten ist nichts mehr übrig.

Auch wirken die Handlungsstränge noch zu banal. Die Liebesgeschichte zwischen zwei der Geiseln hat nicht die Brisanz, die sich die Macher sicher erhofft haben und auch die Veränderungen des Bankmanagers sind nicht so mysteriös. Lediglich die Geschichte um den unscheinbaren Eugene Foote könnte halbwegs interessant werden. Plante er anfangs noch einen Selbstmord, wird er während der Geiselnahme zum Helden heranwachsen und anschließend sein langweiliges Leben neu ordnen. So wirkt auch der Cliffhanger am Ende der ersten Folge reichlich aufgesetzt und scheint mehr eine Pflichterfüllung als ein wichtiges Storyelement gewesen zu sein. Die hohe Anzahl an Hauptdarstellern wird im Verlauf der Serie ein großes Problem. Die neun Figuren werden gleich zu Beginn so schnell eingeführt, dass man die Namen und Berufe den Figuren erst viel zu spät zuordnen kann.

Zugegeben, die Idee eine Geiselnahme retrospektiv zu erzählen, lässt Spannung vermuten und vielleicht könnte die Serie insgesamt eine überzeugende Story haben. Doch soweit wird kaum ein Zuschauer kommen. Zu belanglos ist die erste Folge. Vielleicht wäre ein Start mit einer Doppelfolge ratsam gewesen, damit der Zuschauer auch ein versprochenes Flashback zu Gesicht bekommt. Es bleibt aber dennoch unwahrscheinlich, dass die Serie dadurch ihren Soapcharakter überwinden kann.

kabel eins zeigt ab dem 5. September 2008 die 13 Folgen von «The Nine – Die Geiseln» freitags um 22.15 Uhr.
04.09.2008 10:30 Uhr  •  Christian Richter Kurz-URL: qmde.de/29539