Hinter den Kulissen einer Filmschmiede

Mehrere Kilometer außerhalb von Los Angeles, Kalifornien, gibt es eine Stadt namens Burbank. Hier haben sich gleich mehrere große Film- und Fernsehschmieden niedergelassen. Disney, NBC und Warner Bros. produzieren dort ihre großen Blockbuster und Serienerfolge.



Die einzige Firma, die Außenstehenden eine Tour bei einem aktiven Studio anbietet, ist Warner Bros. Bei den anderen Produktionsstätten gibt es vorwiegend aufregende Attraktionen zu sehen statt Filmgebäude. Seit der Eröffnung hat sich jeder amerikanische Präsident das Gelände zeigen lassen – mit Ausnahme von zwei Staatsmännern, die beide den gleichen Nachnamen tragen.



Das Gelände von Warner Bros. ist das größte eigene Geländer in der Stadt Burbank und zudem auch der größte Stromverbraucher. Mit einer eigenen Postleitzahl, eigener Polizeistation, Tankstelle und sieben Restaurants sowie mehreren dutzenden Stages ist man das größte Studio in den Vereinigten Staaten. 95 Prozent des Kino-Hits «Ocean’s 13» entstanden alleine auf dem Gelände in der Nähe von Los Angeles, nur für drei Wochen befand man sich wirklich in der Stadt Las Vegas. Im größten Restaurant der Filmstadt werden des Öfteren zudem auch Partys von Angestellten abgehalten, doch selbst der Secret Service mag das Gelände. Der kalifornische Governeur Arnold Schwarzenegger höchstpersönlich verbringt dort mehrfach einige Stunden im Jahr.



Als einziges Studio hat Warner Bros. zudem noch ein Naturset, auf dem zuletzt die komplette Serie «Invasion» gedreht wurde. Doch wirklich groß ist es nicht – maximal eineinhalb Fußballfelder nimmt es wohl in Anspruch. Insgesamt gibt es nur drei Häuser und einen schmalen Weg, auf dem übrigens auch die Schlüsselszene von «Jurassic Park» abgedreht wurde. Den Rest – so erzählen die Mitarbeiter stolz – wurde im Computer hergestellt. Auch nach dem Ende von «Jurassic Park» gibt man sich tierlieb: Mehrere Wölfe leben derzeit auf der Naturfläche. Da allerdings keine Produktion ansteht, wurde das Wasser aus dem künstlichen See abgelassen.

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Direkt nebenan liegt das Gelände „Warner Bros. Village“, das Häuser der nördlichen Ostküstenstaaten und Englands zeigen soll. Für die Erfolgsserien «Cold Case» und «Without a Trace» werden ständig die gleichen Bauten verwendet. Die Designer legten einfach eine Fieberglasplatte darüber und verpassen dem Haus einen neuen Anstrich. Woche für Woche – Serie für Serie. Hinter den Fassaden befinden sich tatsächlich Räume, jedoch nicht für Aufnahmen, sondern beispielsweise die Sound- oder Spezialeffekt-Abteilungen. Nur wenige Häuser entfernt – unter dem großen Parkhaus, welches auch für viele Serien verwendet wird – befindet sich die Kostümabteilung. Hier schneidern mehrere Mitarbeiter die passenden Outfits für Filme wie «The Invasion», «Harry Potter» oder «Sweeney Todd». Ab und an wird die Arbeit dann mit einem Oscar ausgezeichnet.







Das «Gilmore Girls»-Set

Sieben Jahre lang konnte man das riesige «Gilmore Girls»-Set im Fernsehen bewundern. Auch in Deutschland müssen die Fernsehzuschauer bald Abschied nehmen, jedoch können sie auch weiterhin Geschichten von dem Marktplatz und Lukes Diner sehen. Denn Warner Bros. wird das Set weiterhin verwenden und hat bereits am Freitag mit den Dreharbeiten zu einem neuen Film mit Kiefer Sutherland begonnen. Im Übrigen ist Lukes Diner das einzige Filmgebäude, in dem auch im Inneren gedreht wird. Die kleine Rasenfläche, die von mehreren Gebäuden umgeben ist, wurde schon für mehrere Campus-Filme und –Serien verwendet. Der Computer macht es eben möglich.



Nur wenige Meter davon entfernt liegt der Daily Planet, den man früher für die Serie «Lois & Clark – Die Abenteuer von Superman» verwendet hatte. Die alte Wohnung von Lois Lane gehörte zeitweise auch Agent Jack Malone («Without a Trace») und wird bis heute dutzendfach benutzt, um das Straßenbild New Yorks abzubilden.



«Emergency Room» ist Maß aller Dinge»

Das bisher größte Set in der über 70-jährigen Geschichte von Warner Bros. nimmt seit Jahren die US-Erfolgsserie «Emergency Room» in Anspruch. Derzeit hat man ein komplettes Krankenhaus nachgebaut, drei weitere Hallen für Studioaufnahmen, den traditionellen Eingang und den Hubschrauberlandeplatz. Für eine neue Serie musste das Team aus der Notaufnahme allerdings drei Studios freimachen. Doch auch bei der Einfahrt zum County General wird für unzählige Filme verwendet, wie man bei Warner Bros. stolz verkündet. Die Methode ist inzwischen bekannt: Einfach eine Fieberglasplatte drauf und ein neuer Anstrich.



Nur ein paar Straßen weiter befindet sich das Möbelarchiv der Filmschmiede, das man aus diversen Museen zusammengekauft hat. Im Mittelgang befindet sich eine Kulisse aus «Fluch der Karibik», ein paar Meter weiter hängt einer der vier Kronleuchter der letzten russischen Zaren. Zwei gehören Warner Bros., die zwei anderen sind in Museen untergebracht. Finanziert werden diese teuren Einkäufe durch Vermietungen an andere Studios, die nicht nur Kulissen ausleihen, sondern auch auf dem Gelände drehen. Selbst die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences ließ hier ihre Oscar-Statuen produzieren, die am roten Teppich aufgestellt wurden.



Die großen Tricks der Filmemacher

Bei Warner Bros. spart man, wo man nur kann. Die Gebäude weisen jeweils nur maximal vier Stockwerke auf, nur wenige Gebäude stehen auf dem großen Gelände, schließlich werden die meisten Filme und Serien am Computer digital bearbeitet. Mit einfachem Klebeband wird den Schauspielern gezeigt, wo sie sich hinzustellen haben, damit sie perfekt vor der Kamera aussehen und gut ausgeleuchtet sind.



Um den Punkt zu finden, benutzen die Charaktere ganz unterschiedliche Tricks. «The West Wing»-Präsident Martin Sheen schaute immer nachdenklich auf den Boden und lief so zu seinem zugewiesenen Punkt. Jennifer Aniston fummelte sich bei «Friends» an der Kleidung herum und spitzte so mehrfach auf den Punkt.



Egal wie man das Blatt wendet, das Leben in der Filmschmiede ist alles andere als luxuriös. Arbeitszeiten von zehn bis 12 Stunden sind alltäglich, wie man gegenüber Quotenmeter.de mitteilt. Bis zum Alter von knapp 40 Jahren hält man das gut durch, danach zehrt es an den Knochen. Wer einmal hinter die Kulissen seiner Lieblingsserie geschaut hat, stellt fest, dass mehr getrickst wurde, als man tatsächlich geglaubt hat. Selbst auf große Außendrehs wird verzichtet, stattdessen werden Woche für Woche die gleichen Kulissen verwendet. Denn pro Tag werden nur vier Minuten einer Serie hergestellt. Und die TV-Sender wollen schnell neue Episoden haben, denn das Motto heißt nicht umsonst „The Show Must Go On!“.
26.02.2008 14:57 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/25627