Die Kritiker: «Tatort: Liebeshunger»

Story:
Der neueste Fall der Hamburger Kripo trifft Jan Casstorff unvermittelt auch persönlich: Die 45-jährige Karin Freiberg wird ermordet in ihrer "Arbeitswohnung" aufgefunden; sie hatte so genannten "Hausfrauensex" angeboten - Prostitution ohne Anbindung ans Milieu.
Zur Überraschung seiner Kollegen kannte Casstorff die Frau, denn er hatte vor vielen Jahren eine kurze, aber intensive Liebesaffäre mit ihr.

Betroffen durch den Anblick der recht übel zugerichteten Leiche, beleuchtet Casstorff zunächst den familiären Hintergrund der Toten. Er trifft auf ihren im Rollstuhl sitzenden Ehemann Joachim Freiberg und deren zwölfjährigen Sohn Felix. Mit ihrer Beschäftigung als Prostituierte hatte Karin - mit Wissen ihres Mannes - der Familie das Leben finanziert, nachdem der ehemalige Autoverkäufer nach einem Unfall seinen Job nicht mehr ausüben konnte.

Darsteller:
Robert Atzorn («Africa, mon amour») ist Jan Casstorff
Tilo Prückner («Der Untergang der Pamir») ist Eduard Holicek
Ursula Karven («M.E.T.R.O. – Ein Team auf Leben und Tod») ist Wanda Wilhelmi
Nils Düwell («Das Kommando») ist Joachim Freiberg

Kritik:
Mit dem neuen Tatort aus dem Norden ist dem NDR ein ganz großer Wurf gelungen. Ohnehin waren die Episoden mit Robert Atzorn in der Rolle des Jan Castorff allesamt spannend und clever umgesetzt. In «Liebeshunger» konnten die Macher aber noch eine Schippe draufsetzen. Der Spannungsbogen bleibt während der gesamten Lauzeit konstant hoch – der Zuschauer wird regelrecht gefesselt von den Geschehnissen.

Obendrein behandelt der Film ein gleichermaßen trauriges wie auch wahres Thema. Die Macher sind an das brisante Thema der Prostitution mit viel Gefühl herangekommen. Entstanden ist so eine Produktion, die wie viele andere vor ihr dieses Thema aufgreifen – selten ist es jedoch mit soviel Respekt. Auch die Musik von Jan Kazda trägt ihren Teil zur fast perfekten Inszenierung bei.

Die Kommissare tappen im Mordfall zunächst im Dunkeln – irgendwie kommen die Ermittlungen nicht entscheidend voran. Dies ist möglicherweise auch der einzige Kritikpunkt am aktuellen «Tatort». Ein Fehlgriff weniger hätte möglicherweise ganz gut getan – zu viele Wendungen und zu viele unvorhergesehenen Ereignisse tun einem Film nicht zwingend gut.

Alles in allem ist der neue Fall von Jan Castorff wohl einer der spannendsten Krimis, die die ARD im Jahr 2007 bisher auf dem Sonntagabendsendeplatz gezeigt hat. Die Empfehlung kann daher nur lauten: Einschalten.

Das Erste zeigt den «Tatort: Liebeshunger» am Sonntag, 11. März 2007, um 20.15 Uhr
10.03.2007 20:50 Uhr  •  Manuel Weis Kurz-URL: qmde.de/19158