Eine zweiteilige Dokumentation untersucht die Ursprünge der Bibel und erzählt von spektakulären Papyrusfunden, internationalen Sammlern und umstrittenen Geschäften.

Tausende Jahre alte Schriftstücke, verborgene Archive und ein internationaler Handel mit wertvollen Handschriften: Die Geschichte der Bibel ist auch eine Geschichte spektakulärer Entdeckungen. Am Mittwoch, den 16. Dezember 2026, zeigt 3sat um 20.15 Uhr und 21.05 Uhr die zweiteilige Dokumentation
«Das Geheimnis der Bibel – Auf der Jagd nach verschollenen Papyri» als Erstausstrahlung. Regisseur Jesus Garcés Lambert beschäftigt sich darin mit der Frage, wie die biblischen Texte entstanden sind, wer sie verfasste und welche Erkenntnisse sich aus den ältesten erhaltenen Manuskripten gewinnen lassen. Die Produktion von SRF und 3sat verbindet historische Forschung mit einer Spurensuche, die von Ägypten bis in die bedeutendsten Bibliotheken der Welt führt.
Ausgangspunkt sind die Wüsten Ägyptens, in denen zahlreiche antike Schriftstücke über Jahrhunderte erhalten geblieben sind. Eine besondere Rolle spielen die britischen Wissenschaftler Bernard Pyne Grenfell und Arthur Surridge Hunt, die Ende des 19. Jahrhunderts in der antiken Stadt Oxyrhynchus Tausende Papyrusfragmente entdeckten. Die später als Oxyrhynchus-Papyri bekannt gewordenen Funde lösten eine internationale Suche nach weiteren Handschriften aus. Für Historiker und Religionswissenschaftler sind solche Dokumente von besonderer Bedeutung, weil sie Einblicke in die Überlieferung antiker Texte und die Entwicklung des frühen Christentums ermöglichen.
Die Dokumentation führt allerdings nicht nur zu archäologischen Ausgrabungsstätten. Weitere Stationen sind Zürich, Oxford, Washington, Rom und Dublin. Dabei öffnet der Film die Türen bedeutender Archive und Museen, in denen historische Handschriften untersucht, restauriert und aufbewahrt werden. Vorgestellt wird unter anderem die Bibliotheca Bodmeriana in Cologny bei Genf. Die Sammlung des Schweizer Bibliophilen Martin Bodmer gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe und beherbergt eine der wichtigsten Papyrussammlungen weltweit. Auch die Vatikanische Bibliothek mit dem sogenannten Hanna-1-Papyrus spielt bei der Spurensuche eine Rolle.
Neben der wissenschaftlichen Bedeutung der Funde beschäftigt sich «Das Geheimnis der Bibel» mit den wirtschaftlichen Interessen, die den internationalen Handel mit antiken Handschriften prägen. Ein Beispiel ist die amerikanische Familie Green, die in den 2010er-Jahren eine umfangreiche private Antikensammlung für das „Museum of the Bible“ in Washington zusammentrug. Der Film untersucht damit auch die Frage, wie historische Kulturgüter in private Sammlungen gelangen und welche Herausforderungen sich daraus für den Schutz und die Erforschung des kulturellen Erbes ergeben.
Für die visuelle Umsetzung setzt Regisseur Jesus Garcés Lambert auf eine Kombination aus dokumentarischen Aufnahmen, wissenschaftlichen Untersuchungen und KI-gestützten Rekonstruktionen. Diese sollen unter anderem die antiken Fundorte in Ägypten wieder zum Leben erwecken und die Arbeit früherer Forscher veranschaulichen. Die beiden jeweils rund 50 Minuten langen Folgen verbinden damit die Geschichte der biblischen Überlieferung mit den Biografien jener Menschen, die nach verschollenen Schriftstücken suchten und teilweise bis heute um deren Besitz und Bedeutung streiten.