Channel 4 stellt «Married at First Sight» ein

Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe und zwei unabhängigen Untersuchungen zieht der britische Sender einen Schlussstrich unter die erfolgreiche Realityshow.

Der britische Fernsehsender Channel 4 hat das Ende seiner Realityshow «Married at First Sight UK» bekannt gegeben. Die Entscheidung folgt auf schwere Vorwürfe sexueller Übergriffe, die Anfang des Jahres durch Recherchen des BBC-Magazins «Panorama» öffentlich wurden. In der Dokumentation berichteten Frauen über drei mutmaßliche sexuelle Übergriffe im Zusammenhang mit der Produktion. Die beschuldigten Männer bestreiten die Vorwürfe. Zum Zeitpunkt der BBC-Recherche waren die Beschwerden der Frauen nach damaligem Kenntnisstand nicht bei der Polizei angezeigt worden.

Nach Bekanntwerden der Anschuldigungen hatte Channel 4 zwei unabhängige Untersuchungen in Auftrag gegeben. Die Anwaltskanzlei Clyde & Co überprüfte, ob die bestehenden Schutzmaßnahmen für Teilnehmer den Anforderungen der britischen Medienaufsicht Ofcom entsprachen. Eine zweite Untersuchung unter Leitung der früheren BBC-One-Chefin Lorraine Heggessey beschäftigte sich mit möglichen Verbesserungen beim Schutz der Mitwirkenden. Beide Untersuchungen sind inzwischen abgeschlossen. Dabei wurden nach Angaben des Senders keine Verstöße gegen die Ofcom-Vorgaben festgestellt. Auch sei das Format nicht grundsätzlich als unsicher eingestuft worden. Dennoch zieht Channel 4 Konsequenzen. Die von Heggessey vorgeschlagenen Änderungen würden erhebliche Eingriffe in die bisherige Produktion erfordern. Dazu gehören unter anderem eine Überwachung durch Kameras rund um die Uhr sowie getrennte Schlafzimmer für die Teilnehmer in ihrer Hochzeitsnacht.

Channel-4-Geschäftsführerin Priya Dogra erklärte, die Empfehlungen seien sinnvoll und grundsätzlich umsetzbar. Ihre vollständige Einführung werfe allerdings grundlegende Fragen zum Konzept der Sendung auf. „Obwohl die Untersuchung die bestehenden Schutzmaßnahmen gelobt und weder Verstöße von Channel 4 gegen die Ofcom-Richtlinien festgestellt noch das Format als grundsätzlich unsicher eingestuft hat, muss ich abwägen, wann für Channel 4 der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich von einem Format zu verabschieden. Die Empfehlungen sind ausgesprochen vernünftig und umsetzbar, doch ihre vollständige Einführung warf grundlegende Fragen hinsichtlich des redaktionellen Konzepts einer Sendung auf, die meiner Ansicht nach nach zehn Jahren ihren Lauf genommen hat.“

«Married at First Sight UK» basiert auf einem ursprünglich australischen Format und wird in Großbritannien von CPL Productions hergestellt. Die Sendung begleitet Singles, die von Experten miteinander verkuppelt werden und sich erstmals bei ihrer inszenierten Hochzeit begegnen. Anschließend ziehen die Paare zusammen und müssen herausfinden, ob sich aus der arrangierten Verbindung eine dauerhafte Beziehung entwickeln kann. In Deutschland ist das Konzept durch die Sat.1-Sendung «Hochzeit auf den ersten Blick» bekannt.
06.11.2026 00:38 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/177270