«Geschichte der Liebe»: ZDFinfo zeigt fünf Jahrtausende voller Lust und Leidenschaft

Von der Steinzeit bis zur sexuellen Revolution: Eine neue Dokureihe untersucht, wie Liebe, Macht und gesellschaftliche Regeln zusammenhängen.

Warum verlieben sich Menschen ineinander, seit wann gibt es feste Paarbeziehungen und weshalb versuchten Kirche und Staat über Jahrhunderte, das Sexualleben der Bevölkerung zu kontrollieren? Diesen Fragen widmet sich die fünfteilige Dokumentationsreihe «Geschichte der Liebe», die ZDFinfo am Samstag, den 26. Dezember 2026, ab 20.15 Uhr vollständig ausstrahlt. Bereits ab Mittwoch, den 23. Dezember, um 5.00 Uhr stehen sämtliche Folgen im Streamingangebot des ZDF bereit. Verantwortlich für die Reihe ist Filmemacher Christoph Weber, der mithilfe von Spielszenen und wissenschaftlichen Interviews die Entwicklung menschlicher Beziehungen von der Steinzeit bis in die Gegenwart nachzeichnet.

Den Auftakt bildet um 20.15 Uhr die Episode „Steinzeit – Am Anfang war die Lust“. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie unsere frühen Vorfahren ihre Beziehungen gestalteten und welche Auswirkungen die Sesshaftigkeit auf das Zusammenleben hatte. Neue Forschungen legen nahe, dass bereits in der Steinzeit feste Paarbindungen verbreitet waren. Mit dem Übergang von Jäger- und Sammlergesellschaften zu Ackerbau und Viehzucht veränderten sich jedoch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Besitz, Vererbung und die Kontrolle über Ressourcen gewannen an Bedeutung. Die Dokumentation untersucht, ob in dieser Entwicklung auch die Ursprünge patriarchaler Gesellschaftsstrukturen liegen. Evolutionsbiologen und Anthropologen erläutern, wie wirtschaftliche Veränderungen die Stellung von Frauen und Männern beeinflussten.

Um 21.00 Uhr folgt „Antike – Sex und Macht“. Die zweite Folge führt nach Ägypten, Griechenland und ins Römische Reich. Dort waren Ehen häufig weniger eine Angelegenheit romantischer Gefühle als vielmehr ein Instrument zur Sicherung wirtschaftlicher und politischer Interessen. Während von Frauen sexuelle Zurückhaltung und die Geburt möglichst vieler Kinder erwartet wurden, genossen Männer deutlich größere Freiheiten. Besonders im Römischen Reich wurde die Familiengründung zu einer staatspolitischen Angelegenheit. Kaiser Augustus versuchte mit Ehegesetzen, steuerlichen Anreizen und Strafen gegen Kinderlosigkeit die Geburtenrate zu erhöhen. Die Dokumentation zeigt, dass staatliche Eingriffe in das Privatleben bereits vor mehr als 2000 Jahren auf Widerstand stießen.

Die dritte Episode „Mittelalter – Verbotene Begierde“ beginnt um 21.45 Uhr und untersucht den Einfluss der christlichen Kirche auf Liebe und Sexualität. Körperliche Lust galt zunehmend als sündhaft, während sexuelle Beziehungen innerhalb der Ehe vor allem der Fortpflanzung dienen sollten. Allerdings unterschieden sich kirchliche Vorschriften und gesellschaftliche Wirklichkeit erheblich. Historische Bußbücher belegen zahlreiche Verstöße gegen die offiziellen Moralvorstellungen. Auch innerhalb der Klöster wurde das geforderte enthaltsame Leben keineswegs immer eingehalten. Die Dokumentation beschäftigt sich zudem mit der Einführung und Durchsetzung des Zölibats sowie den wirtschaftlichen Interessen, die mit der kirchlichen Kontrolle über Ehe und Familie verbunden waren.

Mit „Aufklärung – Die Macht der Gefühle“ setzt ZDFinfo die Reihe um 22.30 Uhr fort. Im Mittelpunkt steht der gesellschaftliche Wandel des 18. und 19. Jahrhunderts, als romantische Liebe zunehmend an Bedeutung gewann und arrangierte Ehen an Einfluss verloren. Besonders in Großbritannien entwickelten sich neue Formen sexueller Freizügigkeit, während gedruckte erotische Literatur eine immer größere Verbreitung fand. Allerdings blieben diese Freiheiten überwiegend Männern vorbehalten. Frauen waren weiterhin zahlreichen gesellschaftlichen Einschränkungen unterworfen. Auch homosexuelle Menschen konnten nicht von den neuen Vorstellungen persönlicher Selbstbestimmung profitieren. Die Französische Revolution und die zunehmende Auflösung ständischer Grenzen veränderten schließlich die Möglichkeiten der Partnerwahl.

Den Abschluss bildet um 23.15 Uhr „Moderne – Die Sexuelle Befreiung“. Die fünfte Folge beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Zu den prägenden Persönlichkeiten gehören Sigmund Freud, dessen Theorien über Sexualität große Kontroversen auslösten, und Magnus Hirschfeld, der sich für die Rechte homosexueller Menschen einsetzte und 1919 in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft gründete. Auch die amerikanische Aktivistin Margaret Sanger spielt eine wichtige Rolle. Ihr Einsatz für Geburtenkontrolle und zuverlässige Verhütungsmethoden trug dazu bei, die Voraussetzungen für die sexuelle Revolution der 1960er- und 1970er-Jahre zu schaffen. Die Folge führt schließlich in die Gegenwart, in der Dating-Apps und digitale Kommunikationsmöglichkeiten neue Beziehungsformen ermöglichen, gesellschaftliche Vorurteile und rechtliche Einschränkungen jedoch weiterhin bestehen.

Für die fünfteilige Reihe kommen zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Wort. Dazu gehören die Evolutionsbiologin Matilda Brindle, der Verhaltensforscher Tamás Dávid-Barrett, der Anthropologe Steven Churchill, die Kulturhistorikerin Janina Ramirez, die Sexualhistorikerin Kate Lister und der Archäologe Darius Arya.
04.11.2026 08:49 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/177196