Der Sprecher wirft dem Streamingdienst vor, seine Stimme ohne Zustimmung für künstliche Intelligenz genutzt zu haben. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte unterstützt das Verfahren.

Der deutsche Synchronsprecher Matti Klemm, der unter anderem Hollywoodstars wie Jason Momoa und Mahershala Ali seine Stimme leiht, will gerichtlich gegen Netflix vorgehen. Nach Angaben des Verbands Deutscher Sprecher:innen (VDS) plant Klemm eine Klage gegen den Streamingdienst, weil dieser persönliche Sprachaufnahmen ohne seine Zustimmung zum Training künstlicher Intelligenz verwendet haben soll. Der Sprecher beruft sich dabei auf sein Persönlichkeitsrecht sowie auf urheber- und datenschutzrechtliche Ansprüche. Unterstützt wird er von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), während die Kanzlei Spirit Legal die rechtliche Vertretung übernimmt.
Ausgangspunkt des Konflikts ist eine Datenauskunft von Netflix. Daraus geht nach Darstellung des Verbands hervor, dass das Unternehmen bereits in der Vergangenheit Sprachaufnahmen von Klemm für das Training eigener KI-Systeme eingesetzt hat. Der Synchronsprecher erklärt, weder über diese Nutzung informiert worden zu sein noch eine entsprechende Einwilligung erteilt zu haben. Auch eine gesonderte Vergütung sei nicht erfolgt. Die Klage soll nun klären, in welchem Umfang Unternehmen bereits vorhandene Synchronaufnahmen für das Training künstlicher Intelligenz verwenden dürfen und welche Rechte den betroffenen Künstlern dabei zustehen. Ob die konkrete Nutzung rechtswidrig war, muss gerichtlich geklärt werden.
Anna-Sophia Lumpe, erste Vorsitzende des Verbands Deutscher Sprecher:innen, erklärte: „Viele Konzerne haben sich über Jahre an urheberrechtlich geschützten Werken und persönlichen Daten zum Training ihrer KI-Systeme bedient, ohne die Menschen dahinter zu fragen. Diese Klage soll klären, ob sie das durften und verlagert den Kampf der Synchronsprecher:innen in die Mitte der Gesellschaft.“
Klemm selbst sieht in dem geplanten Verfahren eine grundsätzliche Auseinandersetzung, die weit über seine eigene Tätigkeit hinausgeht. „Wir brauchen dringend einen Präzedenzfall, denn es betrifft die gesamte Kreativbranche. Ich stelle mich gern stellvertretend für alle in den Regen und hoffe, dass möglichst viele dabei helfen für einen guten Schirm zu sorgen. Wir sind sehr viele und können das gemeinsam schaffen“, erklärte der Synchronsprecher.
Auch die anwaltliche Vertretung formuliert deutliche Vorwürfe gegen den Streamingdienst. Dr. Jonas Kahl, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei Spirit Legal, sagte: „Netflix hat unserem Mandanten selbst bestätigt, seine Stimme für das Training eigener Systeme zu verwenden. Gefragt wurde er dafür nie, bezahlt auch nicht. Stimmen sind kein frei verfügbarer Rohstoff und ein Unternehmensinteresse rechtfertigt es nicht, sie ungefragt für KI-Training zu nutzen. Wir wollen aufklären, was Netflix mit seiner Stimme gemacht hat und Netflix untersagen lassen, sie weiter für KI-Training zu verwenden. Der Fall hat Signalwirkung für die gesamte Branche und wir werden ihn wenn nötig bis in die letzte Instanz führen.“
Der Konflikt steht im Zusammenhang mit den bereits seit Monaten geführten Auseinandersetzungen zwischen deutschen Synchronschaffenden und Netflix über neue Vertragsbedingungen. Der Verband Deutscher Sprecher:innen vertritt nach eigenen Angaben rund 700 professionelle Sprecherinnen und Sprecher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein erheblicher Teil seiner Mitglieder arbeitet regelmäßig an Synchronfassungen von Netflix-Produktionen mit. Eine Stellungnahme von Netflix zu der angekündigten Klage liegt in der Mitteilung des Verbands nicht vor.