Eine neue Dokumentation untersucht, wie der fränkische Herrscher nicht nur Europa prägte, sondern nach seinem Tod auch auf anderen Kontinenten zu einer mythischen Figur wurde.

ARTE zeigt am Samstag, den 5. Dezember 2026, um 20.15 Uhr die Erstausstrahlung des 90-minütigen Dokumentarfilms
«Karl der Große – Der Kaiser, der Legende wurde». Die französische Produktion von Thibaud Marchand und Emanuele Arioli beschäftigt sich mit dem historischen Herrscher und der Entstehung seines Mythos. Karl der Große regierte vor mehr als 1.200 Jahren ein Reich, das sich von den Pyrenäen bis zur Nordsee erstreckte. Nach seiner Kaiserkrönung im Jahr 800 wurde sein Herrschaftsgebiet zu einem wichtigen Bezugspunkt für das christliche Europa. Bereits ab dem 28. November ist die Dokumentation in der ARTE-Mediathek verfügbar.
Der Film zeichnet nach, wie Karl der Große durch militärische Eroberungen, Verwaltungsreformen und die Förderung von Bildung und Kirche die Entwicklung Europas beeinflusste. Zugleich hinterfragt er das Bild des Herrschers als „Vater Europas“. Denn schon kurz nach seinem Tod begann die Verklärung seiner Person. Mittelalterliche Dichter machten ihn zum Helden, das berühmte „Rolandslied“ stilisierte ihn zum Verteidiger des Christentums. Später wurde seine Geschichte auch für die Propaganda der Kreuzzüge genutzt. Im Zuge der europäischen Kolonialgeschichte verbreitete sich die Legende schließlich weit über den Kontinent hinaus.
Besonders überraschend sind die Spuren, die Karl der Große in Lateinamerika und Afrika hinterlassen hat. Auf den Kanarischen Inseln, in Brasilien sowie auf São Tomé und Príncipe lebt sein Mythos bis heute in lokalen Traditionen fort. Dabei wurde der einstige Eroberer teilweise sogar zu einer Identifikationsfigur für Emanzipation und Widerstand. Ein internationales Forschungsteam um den Mediävisten Emanuele Arioli untersucht diese unterschiedlichen Deutungen und folgt den historischen Überlieferungen von Paris und Aachen bis in den brasilianischen Sertão.