«ARD History» rollt mysteriösen Tod von Matthias Domaschk neu auf

1981 starb der 23-Jährige in einem Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit. Eine neue Dokumentation rekonstruiert sein kurzes Leben und die bis heute offenen Fragen.

Das Erste widmet sich am Montag, 9. November, um 22.50 Uhr einem der bis heute umstrittenen Todesfälle aus der DDR. «Die Freiheit, die Stasi und der Tod – Das kurze Leben des Matthias Domaschk» von Sabine Michel und Sonia Otto zeichnet im Rahmen von «ARD History» nach, wie der junge Familienvater ins Visier der Staatssicherheit geriet und schließlich im April 1981 in einem Untersuchungsgefängnis starb. In der ARD Mediathek ist der Film bereits ab dem 2. November verfügbar.

Am 10. April 1981 steigen der 23-jährige Matthias Domaschk und sein Freund Peter Rösch in einen Zug nach Ostberlin. Während dort der X. Parteitag der SED stattfindet, wollen die beiden Jenaer lediglich eine Geburtstagsparty besuchen. In Berlin kommen sie jedoch nie an. Zwei Tage später ist Domaschk tot. Nach offizieller Darstellung soll er sich in der Haft der Staatssicherheit mit seinem eigenen Hemd erhängt haben. Angehörige und Freunde zweifeln bis heute an dieser Version. Die Dokumentation fragt deshalb, was am 12. April 1981 tatsächlich geschah.

Dabei beschränkt sich der Film nicht auf die letzten Tage Domaschks. Michel und Otto zeichnen das Bild einer jungen Generation, die reisen, internationale Rockmusik hören und selbstbestimmt leben möchte. Domaschk und sein Umfeld träumen von einem freiheitlichen Sozialismus und geraten aufgrund ihrer Haltung zunehmend ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 gehört Domaschk zu den Unterzeichnern eines Protestappells. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin Renate knüpft er außerdem Kontakte zu oppositionellen Bewegungen in der Tschechoslowakei und Polen.

Für die Rekonstruktion kommen zentrale Menschen aus seinem damaligen Umfeld zu Wort. Dazu gehören seine Tochter Julia Deane, seine Schwester Stefanie Domaschk und Renate Ellmenreich, die Mutter seiner Tochter. Auch Bernd Roth, damals hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, schildert die Sicht des Apparats auf junge Menschen, die von den gesellschaftlichen Vorgaben der DDR abwichen.

«Die Freiheit, die Stasi und der Tod» ist dabei als eine Art historischer Cold Case angelegt. Erstmals sollen die entscheidenden Ereignisse multiperspektivisch durch Angehörige und Freunde sowie anhand privater Dokumente und Einblicke in den Staatssicherheitsapparat erzählt werden. Umfangreiches Film- und Fotoarchivmaterial sowie animierte Szenen ergänzen die Rekonstruktion.

Zugleich geht die Dokumentation der Frage nach, wie die Staatssicherheit nach Domaschks Tod mit dem Fall umging. Laut Film versuchte das MfS, die Tragödie zu verschleiern und selbst die Beerdigung geheim zu halten. Damit verbindet die Produktion die weiterhin offenen Fragen zu den konkreten Todesumständen mit einem größeren Blick auf staatliche Repression, persönliche Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen innerhalb einer Gesellschaft.
17.10.2026 07:26 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/176573