«Die Klimafrage»: Klimaschutz zwischen Zapfsäule und Weltpolitik

Ann-Kathrin Horn und Ann-Kathrin Büüsker wollen zeigen, wie Klimapolitik unseren Alltag verändert – und welche Lösungen tatsächlich funktionieren.

Der Klimawandel gehört zu jenen Themen, die längst nicht mehr ausschließlich in Wissenschaftsressorts oder auf internationalen Konferenzen verhandelt werden. Energiepreise, Mobilität, Landwirtschaft, Wohnen und Wirtschaftspolitik sind unmittelbar damit verbunden. Genau an dieser Stelle setzt der neue Deutschlandfunk-Podcast «Die Klimafrage» an. Seit dem 25. September 2026 sprechen Ann-Kathrin Horn und Ann-Kathrin Büüsker jeden zweiten Freitag darüber, welche Folgen der Klimawandel hat, wo politische und gesellschaftliche Veränderungen ins Stocken geraten und welche Lösungsansätze tatsächlich vorhanden sind.

Dabei soll es ausdrücklich nicht nur um abstrakte Klimamodelle und langfristige Temperaturentwicklungen gehen. Schon die erste reguläre Ausgabe zeigt, wie stark das Format auf konkrete Fragen aus dem Alltag zielt. Unter dem Titel „Spritpreis – Wie viel Klimaschutz steckt drin?“ beschäftigen sich die beiden Journalistinnen mit den derzeit hohen Kosten an der Tankstelle. Denn sobald Benzin und Diesel teurer werden, landet die Debatte schnell beim Klimaschutz. Maßnahmen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen werden für steigende Preise verantwortlich gemacht – doch wie groß ist deren Anteil tatsächlich? Und was geschieht eigentlich mit dem Geld, das durch klimapolitische Instrumente eingenommen wird?

Für «Die Klimafrage» ist das ein passender Einstieg. Statt grundsätzlich darüber zu diskutieren, ob der Klimawandel existiert oder wie dramatisch einzelne Zukunftsszenarien ausfallen könnten, setzt der Podcast einen Schritt später an: Was bedeutet Klimapolitik konkret? Welche Maßnahmen funktionieren? Was kosten sie? Und wo liegen möglicherweise Missverständnisse in der öffentlichen Diskussion?

Für diese Herangehensweise bringt vor allem Ann-Kathrin Büüsker viel Erfahrung mit. Als Klimafachfrau des Deutschlandfunks beschäftigt sie sich mit den politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Dimensionen des Themas. Ihre Arbeit führt sie ebenso zu internationalen Klimakonferenzen wie in Moore oder zu Kraftwerken. Entscheidend ist dabei der Blick auf die Zusammenhänge: Klimaschutz besteht eben nicht aus einer einzelnen politischen Entscheidung, sondern greift tief in zahlreiche Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft ein.

An ihrer Seite steht Ann-Kathrin Horn, die unter anderem für die Nachrichten von Deutschlandfunk Nova arbeitet. Nach Stationen beim Uniradio während ihres Studiums in Leipzig und Athens im US-Bundesstaat Georgia absolvierte sie ihr Volontariat beim Mitteldeutschen Rundfunk. Wissenschaftliche Themen und insbesondere der Klimawandel rückten später stärker in den Mittelpunkt ihrer journalistischen Arbeit. Ihr eigener Anspruch, komplizierte Sachverhalte verständlich aufzubereiten, passt damit ziemlich genau zum Konzept des Podcasts.

Das Duo hat sich somit eine Aufgabe vorgenommen, die schwieriger ist, als sie zunächst klingt. Kaum ein anderes Thema ist inzwischen derart mit politischen Grundsatzdebatten, wirtschaftlichen Interessen und persönlichen Lebensentscheidungen verbunden. Gerade deshalb kann ein Podcast wie «Die Klimafrage» funktionieren, wenn er nicht bei den großen Schlagworten stehen bleibt.

Mit einer Laufzeit von rund 20 Minuten ist die erste Ausgabe zudem angenehm kompakt. Das Format will offenbar keine zweistündigen Grundsatzdiskussionen führen, sondern einzelne Fragen herausgreifen, erklären und einordnen. Dass neue Folgen lediglich alle zwei Wochen erscheinen, dürfte dabei eher ein Vorteil sein: Ein komplexes Thema wie Klimapolitik gewinnt durch Recherche und Einordnung mehr als durch künstlichen Aktualitätsdruck.

«Die Klimafrage» verspricht deshalb vor allem Orientierung. Nicht jede Folge wird Lösungen präsentieren können, die alle überzeugen. Aber schon die Frage, welche Maßnahmen tatsächlich wirken, wer dafür bezahlt und welche Behauptungen einer genaueren Überprüfung standhalten, bietet genügend Stoff. Der Klimawandel ist schließlich längst kein Zukunftsthema mehr – und genau so behandelt ihn dieser Podcast.

08.11.2026 12:21 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/176286