Julia Brendler: ‚Wo Licht ist, ist auch Schatten‘

«Nord Nord Mord» taucht diesmal tief in die Sylter Vergangenheit ein. Julia Brendler spricht über die Schattenseiten der Ferieninsel, den schmalen Grat zwischen Krimi und Komik und darüber, warum Sparmaßnahmen die kreative Freiheit der erfolgreichen ZDF-Reihe zunehmend einschränken.

Frau Brendler, «Nord Nord Mord» verbindet diesmal einen klassischen Mordfall mit der Geschichte des Sylter Walfangs und einer verschwundenen Menge Ambra. Was hat Ihnen an diesem ungewöhnlichen Fall besonders gefallen?
Ina Behrendsen übernimmt in „Sievers und der Gesang der Wale“ den Vorstand des Sylter Heimatmuseums und wird dadurch noch stärker persönlich in die Ermittlungen hineingezogen.

Was macht diese zusätzliche Funktion mit Ihrer Figur?
Diese Position ist tatsächlich nur in diesem Film von Belang und hilft der Erzählung, hat aber keine weitere Konsequenz für meine Figur.

Das Heimatmuseum gehörte einst der Familie des Mordopfers, und plötzlich führt eine Spur bis zu einem Walfänger aus dem 19. Jahrhundert. Wie reizvoll finden Sie es, wenn «Nord Nord Mord» die Kriminalgeschichte so eng mit der Vergangenheit Sylts verbindet?
Mir sind Realitätsnähe und Logik im Allgemeinen sehr wichtig und eine große Motivation im Leben und bei der Arbeit. Insofern habe ich auch besondere Freude daran, wenn in unseren Filmen reale Aspekte der Geschichte oder Gegenwart Sylts angesprochen werden.

Ina Behrendsen, Carl Sievers und Hinnerk Feldmann funktionieren inzwischen als sehr eingespieltes Trio. Was hat sich in Ihrer Zusammenarbeit mit Peter Heinrich Brix und Oliver Wnuk über die Jahre verändert und wo können Sie sich inzwischen auch gegenseitig überraschen?
Ich empfinde das so, dass wir ein immer größeres Vertrauen miteinander haben, dass wir gemeinsam am Set die beste Version der Szene erarbeiten, auch wenn wir uns beispielsweise bei der Leseprobe darüber noch nicht sicher sind. Das beinhaltet vor allem auch, dass wir uns der Stärken eines jeden bewusst sind. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass wir die nötige Zeit für den kreativen Prozess haben.

Die Reihe lebt stark von der Balance zwischen Mordermittlung und trockenem Humor. Ist diese Tonlage inzwischen Routine oder bleibt es schwierig, genau den Punkt zu treffen, an dem die Komik den Kriminalfall nicht untergräbt?
Das ist in der Tat ein wichtiger Punkt. Die Notwendigkeit der Balance zwischen Komik und Krimi ist immer wieder Anlass für Überlegungen oder auch Diskussionen. Wir müssen unsere Fälle ernst nehmen und können nicht nach jedem Gag greifen, der sich uns bietet. Zwischen gutem Humor und Despektierlichkeit ist es da oft ein schmaler Grat.

Sylt ist in «Nord Nord Mord» selten nur die Ferieninsel mit Strand und Luxus, sondern bekommt immer wieder etwas Raues und Abgründiges. Was ist Ihnen bei der Darstellung der Insel wichtig, damit sie nicht zur bloßen Postkartenkulisse wird?
Wie die Frage schon andeutet, finde ich es wichtig und ehrlich gesagt auch viel spannender, die Insel von allen Seiten zu erzählen. Denn auch auf Sylt gilt: wo Licht ist, ist auch Schatten.

Ina hat sich über die Jahre deutlich weiterentwickelt und ist längst weit mehr als eine klassische Ermittlerfigur. Welche Seite von ihr würden Sie in kommenden Filmen gerne noch stärker kennenlernen oder zeigen?
Apropos Schatten…

Berno Kürten verantwortet bei „Sievers und der Gesang der Wale“ sowohl Drehbuch als auch Regie. Merkt man als Schauspielerin einen Unterschied, wenn der Regisseur die Geschichte selbst geschrieben hat und seine Figuren entsprechend genau kennt?
Ich mag das sehr, wenn Regie und Drehbuch eins sind. Ich will und brauche Klarheit, um glaubwürdig spielen zu können und weiß, dass ich unter diesen Umständen für meine Fragen, falls das Drehbuch welche aufwirft, das bestmögliche Gegenüber habe. Was nicht heißt, dass es nicht auch anders geht. Ich gehe allgemein gerne in Diskussion, wenn ich Zweifel habe, und ich liebe es, wenn sie ausgeräumt werden können.

«Nord Nord Mord» gehört seit Jahren zu den erfolgreichen ZDF-Krimireihen. Spüren Sie bei den Dreharbeiten inzwischen den Druck, diese Erwartungen immer wieder erfüllen zu müssen oder ermöglicht gerade der Erfolg mehr Freiheit für ungewöhnliche Geschichten?
Druck entsteht ehrlich gesagt durch die Sparmaßnahmen, nicht durch unseren Erfolg. Gleiche Qualität mit weniger Mitteln und Zeit zu liefern ist die Schwierigkeit und schränkt Kreativität und Freiheit ein.

Der neue Film beginnt mit einer Leiche im Hafen und entwickelt sich schließlich zu einer Geschichte über Liebe, Familiengeschichte und einen möglicherweise wertvollen Schatz. Was glauben Sie: Warum funktioniert diese Mischung aus klassischem Krimi, norddeutschem Humor und beinahe abenteuerlicher Spurensuche bei «Nord Nord Mord» so gut?
Ich denke die Antwort findet sich größtenteils schon in der Frage. Ich würde dazu noch ergänzen: Wegen des recht ausgeprägten persönlichen Stranges der Kommissare, der dem Zuschauer noch mehr Nähe erlaubt, und auch wegen der allseits verbreiteten Sehnsucht nach dem Meer, welches bei «Nord Nord Mord» natürlich immer, im Zusammenhang mit der wunderschönen Insel, eine Rolle spielt.

Danke!

«Nord Nord Mord» ist am Montag, den 5. Oktober im ZDF zu sehen. Der Film ist seit 26. September downloadbar.
03.10.2026 11:47 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/176013