Sechs neue internationale Dokumentarfilme stehen bei BBC Four und BBC iPlayer an. Zusätzlich startet mit Shorts erstmals ein Format für kürzere Produktionen.

Die BBC setzt ihre preisgekrönte Dokumentarfilmreihe Storyville mit einer umfangreichen neuen Staffel fort. Fünf Filme sollen im Herbst 2026 bei BBC Four ihre Premiere feiern, ein weiterer folgt im frühen Winter 2027. Darüber hinaus erweitert der Sender die Marke erstmals um Shorts. Den Auftakt des neuen Kurzfilm-Ablegers macht «Allies in Exile».
Zu den prominentesten Filmen der Herbststaffel gehört
«Ask E. Jean». Regisseurin Ivy Meeropol porträtiert darin die Journalistin, Autorin und langjährige Ratgeberkolumnistin E. Jean Carroll. Der 90-minütige Film zeichnet ihre mehr als fünf Jahrzehnte umfassende Karriere nach – von ihren frühen Jahren über ihre Arbeit im amerikanischen Magazinjournalismus bis zu den Zivilprozessen gegen Donald Trump wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung. Carroll gewann beide Verfahren. Der Film beschäftigt sich sowohl mit ihrem beruflichen Weg als auch mit der internationalen Aufmerksamkeit, die sie durch die juristischen Auseinandersetzungen erhielt.
Sehr persönlich wird
«A Want in Her», das Spielfilmdebüt der Filmemacherin und Künstlerin Myrid Carten. Sie richtet die Kamera auf ihre Mutter Nuala, die mit einer bipolaren Störung und Alkoholabhängigkeit lebt, sowie auf ihre Familie im ländlichen Donegal. Aktuelle Aufnahmen, alte Familienvideos und Cartens künstlerische Arbeit verbinden sich zu einer Geschichte über Sucht, psychische Erkrankungen, familiäre Konflikte und die Frage, wie man einem geliebten Menschen helfen kann, ohne sich selbst zu verlieren. Die 81-minütige Produktion wird zunächst bei BBC One Northern Ireland ausgestrahlt.
«Black Is Beautiful: The Kwame Brathwaite Story» widmet sich dagegen dem Fotografen und Aktivisten Kwame Brathwaite. Über eine Karriere von mehr als sieben Jahrzehnten entstanden mehr als 500.000 Aufnahmen, mit denen er afroamerikanisches Leben, Kreativität und Identität dokumentierte. Seine Arbeit prägte die "Black Is Beautiful"-Bewegung. Für den Film von Yemi Bamiro wurden Archivmaterial und Gespräche mit Familienmitgliedern sowie Künstlern und Kulturschaffenden zusammengetragen. Zu Wort kommen unter anderem Alicia Keys, Swizz Beatz, Gabrielle Union und Jesse Williams.
Mit
«Manhood» nimmt Storyville wiederum die männliche Schönheitsindustrie ins Visier. Regisseur Daniel Lombroso begleitet den Geschäftsmann Bill Moore aus Dallas, der Penisvergrößerungen ähnlich selbstverständlich machen möchte wie Botox-Behandlungen. Über zwei Jahre wurden mehrere Männer begleitet, die sich entsprechenden Eingriffen unterziehen. Der Film untersucht dabei Unsicherheiten, Traumata und gesellschaftlichen Druck und fragt zugleich nach der Ethik einer Branche, die mit männlichen Selbstzweifeln Geld verdient.
Historisch wird es mit
«The Last Spy». Katharina Otto-Bernstein erzählt die Geschichte des 2024 im Alter von 102 Jahren verstorbenen CIA-Offiziers Peter Sichel. Der jüdische Flüchtling entkam dem nationalsozialistischen Deutschland und wurde später der erste CIA-Stationschef im Berlin der Nachkriegszeit. Interviews, die kurz vor seinem Tod entstanden, bilden die Grundlage des Films. Sichel blickt darin auf ein Jahrhundert voller Krieg, Spionage und politischer Umbrüche zurück und spricht über die moralischen Widersprüche der Geheimdienstarbeit.
Gleichzeitig startet die BBC mit Shorts einen neuen Zweig der Dokumentarfilm-Marke. Geplant sind Produktionen mit Laufzeiten zwischen zehn und 40 Minuten. Als erster Film läuft
«Allies in Exile» von Hasan Kattan und Fadi Al-Halabi. Die beiden syrischen Filmemacher lernten sich während der Dokumentation des Krieges in Syrien kennen. In Großbritannien richten sie die Kamera nun auf sich selbst und ihren Weg durch das dortige Asylsystem. Der 40-Minüter beschäftigt sich mit Vertreibung, Bürokratie, Freundschaft und der Suche nach Zugehörigkeit.
Für 2027 hat die BBC zudem bereits zwei weitere Filme angekündigt.
«One in a Million» begleitet die syrische Geflüchtete Israa über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Filmemacher Itab Azzam und Jack MacInnes begegneten ihr 2015 als Elfjährige in der Türkei und begleiteten anschließend den Weg ihrer Familie nach Deutschland. Nach dem in der BBC-Ankündigung auf 2025 datierten Fall des Assad-Regimes kehrt Israa, inzwischen selbst Mutter, schließlich nach Aleppo zurück. Der Film wurde beim Sundance Film Festival 2026 mit dem Publikumspreis und dem World Cinema Documentary Directing Award ausgezeichnet.
«Once Upon a Time in Harlem» wiederum basiert auf Material, das William Greaves bereits 1972 bei einem Treffen von Schriftstellern, Künstlern, Musikern und anderen Persönlichkeiten der Harlem Renaissance im New Yorker Stadthaus von Duke Ellington drehte. Mehr als 50 Jahre später vollendete sein Sohn David Greaves das Projekt. Der Film soll damit Erinnerungen und Gespräche von Menschen bewahren, die die Harlem Renaissance und die Schwarze Kultur des 20. Jahrhunderts entscheidend mitprägten.