Kurz nach neuem Urteil: Das Erste zeigt Benko-Film zur Primetime

Thomas Stipsits spielt René Benko in «Benko – Size does matter». Der fiktionale Film fragt, warum so viele Menschen an den Signa-Gründer glaubten.

Nur wenige Wochen nach einem neuen Gerichtsurteil gegen René Benko rückt dessen Aufstieg auch im Ersten in den Mittelpunkt. Am Montag, 2. November, zeigt der Sender um 20.15 Uhr «Benko – Size does matter». Bei der Produktion von Hannah Ley und Raymond Ley handelt es sich allerdings ausdrücklich nicht um eine klassische Dokumentation, sondern um einen fiktionalen Spielfilm über Benko und das System, das seinen Aufstieg ermöglichte.

Der aktuelle juristische Hintergrund dürfte dem Film zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen: Am 22. September wurde Benko vom Landesgericht Innsbruck in einem teilweise neu aufgerollten Verfahren zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Gläubiger mit einer Mietvorauszahlung von 360.000 Euro geschädigt hatte. Die Strafe erhöhte sich damit gegenüber einem früheren Urteil von zwei auf zweieinhalb Jahre. Das neue Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Benko bestreitet die Vorwürfe und sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft.

In «Benko – Size does matter» übernimmt Thomas Stipsits die Hauptrolle. Dabei soll es ausdrücklich nicht darum gehen, den Unternehmer möglichst genau zu imitieren. Vielmehr entwickelt Stipsits aus der öffentlichen Person eine fiktionalisierte Figur mit Charme, Witz und Verletzlichkeit. Der Film versucht damit auch zu erklären, weshalb Investoren und Weggefährten Benko über Jahre vertrauten.

Eine ungewöhnliche zweite Ebene übernimmt Heino Ferch. Er verkörpert Benkos unsichtbaren Schatten und damit gewissermaßen dessen innere Stimme. Mal tritt diese als Verführer, mal als Gewissen und mal als Antreiber auf. Nur Benko selbst kann die Figur sehen. Auf diese Weise zeichnen Ley und Ley ihren Protagonisten als Getriebenen, der andere verführen kann, zugleich aber selbst den Mechanismen einer immer größer werdenden Geschäftswelt folgt.

Parallel dazu versuchen zwei von Harald Schrott und Renate Regel gespielte Journalisten, das System hinter dem Unternehmer zu verstehen. Sie sprechen mit Weggefährten, Investoren und Insidern und setzen nach und nach ein Bild jener Strukturen zusammen, die immer weiter wachsen mussten. Die Tragikomödie beschäftigt sich damit nicht nur mit Benko selbst, sondern mit Vertrauen, Macht und Maßlosigkeit.
23.09.2026 07:04 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/175798