«Ganz nach oben»: Europas Wettlauf gegen die Raumfahrtgiganten

Ein ARD-Dokumentarfilm begleitet Unternehmerin Hélène Huby bei ihrem ambitionierten Versuch, Europa einen unabhängigen Zugang zum Weltraum zu ermöglichen.

Kann Europa im neuen Wettlauf ins All noch mit den großen Raumfahrtkonzernen mithalten? Dieser Frage nähert sich der ARD-Dokumentarfilm «Ganz nach oben – Hélène Hubys Wettlauf ins All», den Das Erste am Montag, 5. Oktober, um 22.20 Uhr ausstrahlt. Die Filmemacherinnen Lena Leonhardt und Nadine Neumann haben dafür die französische Unternehmerin Hélène Huby mehrere Jahre begleitet.

Huby gründete 2021 als erste Frau in Europa ein privates Raumfahrtunternehmen. Ihr Vorhaben ist ausgesprochen ambitioniert: Mit ihrem Start-up entwickelt sie eine wiederverwendbare Raumkapsel, die künftig Fracht und Menschen ins All transportieren soll. Damit möchte sie nicht zuletzt Europas Abhängigkeit von Unternehmen wie SpaceX und dessen Gründer Elon Musk verringern.

Der Dokumentarfilm erzählt allerdings nicht nur von technischen Herausforderungen. Leonhardt und Neumann zeigen Huby bei Verhandlungen und auf der Suche nach Investoren, begleiten sie durch Konferenzräume und Flughäfen und dokumentieren ebenso die Rückschläge des jungen Unternehmens. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob aus einer großen Vision tatsächlich ein konkurrenzfähiges Raumfahrtprojekt werden kann.

Zugleich wird Hubys persönlicher Einsatz beleuchtet. Je größer das Unternehmen und dessen Ambitionen werden, desto weniger Zeit bleibt für ihr Privat- und Familienleben. «Ganz nach oben» zeichnet damit auch das Porträt einer Unternehmerin, die ein bestehendes System verändern möchte und dabei Gefahr läuft, selbst zunehmend von dessen Mechanismen bestimmt zu werden.

Entscheidend wird schließlich ein erster Start der Kapsel in den USA. Von diesem Versuch hängt ein erheblicher Teil der Zukunft des Projekts ab, während die Gefahr eines Scheiterns groß bleibt. Der Film verbindet diese persönliche Geschichte mit einer größeren geopolitischen Frage: Denn im Wettbewerb um den Weltraum geht es längst nicht mehr ausschließlich um wissenschaftlichen Fortschritt. Wer über Technologien und Infrastruktur für den Zugang zum All verfügt, gewinnt auch wirtschaftlichen und politischen Einfluss.
20.09.2026 11:34 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/175688