Mit einem kuratierten Verzeichnis setzt Mats Schönauer auf menschliche Empfehlungen. Die neue Website soll aufwendigen Videos mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Wer auf YouTube interessante Videos sucht, überlässt die Auswahl häufig dem Empfehlungsalgorithmus. Doch welche Inhalte besonders sichtbar werden, sagt noch wenig über ihre Qualität aus. Der Journalist und YouTuber Mats Schönauer, bekannt durch seinen Kanal „Topfvollgold“, hat deshalb ein eigenes Angebot ins Leben gerufen: Auf keinslop.de werden sehenswerte YouTube-Kanäle gesammelt und nach Themen geordnet vorgestellt. Das Projekt soll Menschen Orientierung bieten und zugleich diejenigen unterstützen, die Zeit, Recherche und Kreativität in ihre Videos investieren.
Den Anlass beschreibt Schönauer in einem Video, in dem er sich mit massenhaft produzierten KI-Inhalten und täuschenden Social-Media-Profilen beschäftigt. Zwischen seinen Recherchen stellt er die Website als konstruktive Antwort auf diese Entwicklung vor. Seine Überlegung: Wer sich über minderwertige Videos ärgert, braucht auch eine Möglichkeit, bessere Angebote zu entdecken. Gute Inhalte sollen deshalb einen zusätzlichen Weg zu ihrem Publikum bekommen.
Das Verzeichnis deckt ein breites Spektrum ab. Auf der Startseite führen sechs große Themenbereiche von Naturwissenschaften, Ingenieurswesen und IT über Politik, Wirtschaft und Medien bis zu Kultur, Unterhaltung und Freizeit. Unterkategorien und eine Filterfunktion sollen die Suche erleichtern. Hinzu kommt ein hervorgehobener «Kanal der Woche». Damit bietet die Seite sowohl einen Einstieg für gezielte Interessen als auch Empfehlungen für Nutzer, die sich überraschen lassen möchten. Die Videos selbst bleiben auf YouTube; keinslop.de hilft bei ihrer Entdeckung.
Entstanden ist die Sammlung unter Beteiligung von Schönauers Zuschauern. Nach seiner Darstellung gingen über mehrere Monate Tausende Vorschläge ein. Fabian Pichl setzte die Website technisch um, Solveig Gerhard unterstützt die Auswahl der Kanäle. Schönauer betont in seiner Ankündigung, dass die Beteiligten das Projekt ehrenamtlich und in ihrer Freizeit betreiben. Entsprechend werden Einreichungen schrittweise geprüft und aufgenommen. Interessierte können weiterhin Vorschläge über ein Formular einsenden; ein Newsletter informiert über Erweiterungen.
Bemerkenswert ist, dass der Name keine pauschale Absage an künstliche Intelligenz bedeutet. Die Betreiber lassen ausdrücklich Raum für einen kreativen und transparent gekennzeichneten KI-Einsatz. Entscheidend ist für sie, ob ein Angebot interessante, unterhaltsame oder anderweitig lohnende Inhalte liefert. Einen verbindlichen Kriterienkatalog gibt es allerdings nicht. Das Team berücksichtigt die Begründungen der Einsender und schaut sich die vorgeschlagenen Videos selbst an. Die Auswahl bleibt damit ein redaktionell geprägtes Urteil. Zunächst werden ausschließlich YouTube-Kanäle aufgenommen, weitere Plattformen sind geplant. Diese Grundsätze erläutert das Projekt in seinen FAQ.