Das ZDF startet eine Langzeitbeobachtung, die Schülerinnen und Schüler aus Mülheim an der Ruhr vom ersten bis zum vierten Schuljahr begleitet.

Mit „Unsere Klasse: Chaos und Chancen in der 1d“ startet das ZDF ein auf vier Jahre angelegtes Projekt innerhalb der Reihe
«37°». Die Dokumentation von Julia Weber und Anna Wolters läuft am Dienstag, 20. Oktober 2026, um 22.15 Uhr und steht am selben Tag ab 10.00 Uhr im Streamingangebot bereit. Begleitet wird eine Klasse der Grundschule am Steigerweg in Mülheim an der Ruhr über ihre gesamte Grundschulzeit.
Der erste Film konzentriert sich auf das erste Schuljahr und erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, wie die Kinder mit dem neuen Alltag zurechtkommen. Zu ihnen gehört der sechsjährige Jeremiah, genannt Jerry, der dreisprachig aufwächst und Schwierigkeiten hat, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Im Laufe des Schuljahres wird bei ihm ADHS diagnostiziert. Eine Ergotherapie kann jedoch nicht unmittelbar beginnen, da die Familie mehrere Monate auf einen Platz warten muss.
Der ebenfalls sechsjährige Jan besucht die Schule mit einer Integrationshilfe und benötigt mehr Zeit, um sich auf neue Situationen einzustellen. Sicherheit findet er unter anderem durch seine Freundschaft mit Tom, muss sich jedoch neu orientieren, als seine vertraute Schulbegleiterin die Klasse verlässt. Alessia wiederum übernimmt gerne die Führung und muss lernen, eigene Wünsche zurückzustellen, Kompromisse einzugehen und die Bedürfnisse anderer Kinder stärker wahrzunehmen.
Eine zentrale Rolle spielt Klassenlehrerin Nicole Artmeyer. Die 55-Jährige muss Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gleichzeitig unterrichten. Während einige bereits weitgehend selbstständig arbeiten können, benötigen andere intensive Unterstützung. Hinzu kommen unterschiedliche Deutschkenntnisse. Die Dokumentation soll dadurch auch zeigen, wie sich die Anforderungen an Grundschullehrer verändert haben und welche Bedeutung zusätzliche Unterstützung im Schulalltag besitzt.
Begleitet wird das Projekt außerdem vom Entwicklungspsychologen Sven Lindberg. Er besucht die Klasse zu Beginn und gegen Ende des Schuljahres und führt mit den Kindern spielerische Experimente zu Konzentration, Selbsteinschätzung und Empathie durch. Für die Langzeitbeobachtung kommen unter anderem ferngesteuerte Kameras zum Einsatz. Nach vier Schuljahren soll so ein umfassendes Porträt der Entwicklung der Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse entstehen.