Jonas Ems: Der YouTube-Wandler

Früher bestimmten Comedy, Beziehungen und Millionen-Klicks seinen Kanal. Heute nutzt Jonas Ems seine Reichweite für Tierschutz und gesellschaftliche Themen.

Wer Jonas Ems schon lange auf YouTube verfolgt, kennt im Grunde zwei verschiedene Versionen seines Kanals. Der 1996 geborene Webvideoproduzent begann bereits als Jugendlicher mit klassischen Unterhaltungsvideos. Heute beschäftigt er sich dagegen mit problematischen Internettrends, Influencern, Tierschutz und gesellschaftlichen Fragen. Der Wandel kam nicht zufällig: Ems hat selbst ausführlich darüber gesprochen, wie sehr ihn die Jagd nach immer höheren Klickzahlen irgendwann belastete.

Sein erstes Video veröffentlichte Jonas Ems im Februar 2012. Unter dem Titel „10 Dinge, die ich hasse – wenn ich in der Schule bin“ beschäftigte er sich mit typischen Problemen aus dem Alltag eines Jugendlichen. Es folgten Comedy-Videos, Fußballtricks und andere Formate, die zum damaligen YouTube passten. Über die Jahre wuchs sein Kanal immer weiter und erreicht inzwischen knapp drei Millionen Abonnenten.

Besonders große Aufmerksamkeit erhielt zeitweise seine Beziehung mit der Influencerin Denise Mski. Zwischen 2018 und 2019 produzierten beide zahlreiche gemeinsame Videos und machten ihre Partnerschaft damit zu einem Bestandteil ihrer Online-Auftritte. Einzelne Beiträge erreichten mehrere Millionen Menschen. Nach der Trennung setzte sich die öffentliche Geschichte allerdings fort. Beide äußerten sich in Videos übereinander, während Teile ihrer Community Partei ergriffen. Vor allem Denise wurde auch längere Zeit später noch mit Hassnachrichten konfrontiert.

2021 veröffentlichten beide schließlich gemeinsam ein Video, in dem sie ihre Versöhnung öffentlich machten und ihr früheres Verhalten kritisch betrachteten. Für Ems gehörte dies zu einer Phase, in der er seinen Umgang mit YouTube grundsätzlich hinterfragte.

Wie groß diese Veränderung war, erklärte er Ende 2021 in seinem Video „Das Ende meines alten Contents“. Darin sprach Ems ungewöhnlich offen über die Mechanismen hinter seiner früheren Arbeit. Hohe Abrufzahlen hätten ihm einen regelrechten „Kick“ gegeben. Weil bestimmte Videos besonders erfolgreich waren, habe er immer mehr davon produziert – auch als er sich selbst längst nicht mehr mit diesen Inhalten identifizieren konnte. Gleichzeitig habe ihn die Trennung von Denise persönlich stark belastet.

Bereits 2020 hatte Ems deshalb deutlich weniger veröffentlicht. Ihm fehlten nach eigenen Angaben Ideen für Videos, die ihm selbst noch Freude bereiteten. Ende 2021 zog er schließlich öffentlich einen Schlussstrich unter seine bisherige Ausrichtung. Damit begann auch inhaltlich ein neues Kapitel.

Heute erinnern viele Videos kaum noch an den Jonas Ems der Anfangsjahre. In seinen sogenannten Reality Checks greift er gesellschaftliche und mediale Themen auf. Titel wie „Tödliche Likes – Warum Influencer für Klicks ihr Leben riskieren“ oder „Straftat Klassenchat? – Wie WhatsApp-Gruppen völlig eskalieren“ zeigen bereits, wohin die Reise geht. Ems beschäftigt sich mit den Schattenseiten sozialer Netzwerke und versucht insbesondere einem jüngeren Publikum zu erklären, welche Konsequenzen vermeintlich harmlose Online-Trends haben können.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Tierschutz. Auch hier verbindet Ems Recherche mit der direkten Ansprache, die sein Publikum seit seinen früheren Videos kennt. Dabei kritisiert er beispielsweise Influencer, wenn deren Geschäftsmodelle oder Inhalte aus seiner Sicht problematisch für Tiere sind. Aus einem Unterhaltungskanal ist damit zumindest teilweise ein journalistisch angehauchtes Aufklärungsformat geworden.

Allerdings beschränkt sich die Karriere von Jonas Ems längst nicht mehr auf klassische YouTube-Videos. Gemeinsam mit Jonas Wuttke entwickelte er die Webserie «Krass Klassenfahrt». Das Format startete 2019 und erzählte von Schülerinnen und Schülern auf gemeinsamer Reise. Dabei bediente sich die Produktion bewusst der Ästhetik von Scripted-Reality-Formaten und überzeichnete deren typische Geschichten. Ems übernahm verschiedene Rollen, trat später sogar als er selbst auf und arbeitete gemeinsam mit Wuttke auch an Drehbuch und Regie.

Nach 13 Staffeln endete die ursprüngliche Serie 2021. Später wurde das Konzept mit «Krass Klassenfahrt – Die neue Generation» fortgesetzt. Ems und Wuttke entwickelten darüber hinaus weitere fiktionale Projekte. 2020 erschien die Webserie «Villa der Liebe», ein Jahr später folgte «Krass Klassenfahrt – Der Kinofilm».

Auch mit «Schattenseite» wagte Ems den Schritt in die fiktionale Erzählung. Zunächst veröffentlichte er die Geschichte als Buch. Daraus entstand später eine Miniserie, die 2025 in der ARD Mediathek veröffentlicht wurde. Inhaltlich passt das Projekt durchaus zu seiner heutigen Ausrichtung: Im Zentrum stehen soziale Medien und die Abgründe, die sich hinter einer vermeintlich perfekten Onlinewelt verbergen können.



Damit ist die Entwicklung von Jonas Ems auch ein Beispiel dafür, wie sich eine lange YouTube-Karriere verändern kann. Viele der Mechanismen, die er heute kritisch betrachtet, hat er selbst erlebt: die Jagd nach Klicks, das öffentliche Ausschlachten privater Beziehungen und den Druck, erfolgreiche Inhalte immer weiter fortzusetzen.

Statt seinen Kanal aufzugeben, hat Jonas Ems deshalb dessen Ausrichtung verändert. Unterhaltung spielt weiterhin eine Rolle, doch aus dem Teenager, der über nervige Situationen in der Schule sprach, ist ein Creator geworden, der sich zunehmend mit den problematischen Seiten der digitalen Welt beschäftigt. Gerade weil Ems einige dieser Mechanismen aus der eigenen Karriere kennt, haben seine heutigen Reality Checks eine interessante Vorgeschichte.
04.10.2026 12:56 Uhr  •  Ben Holländer Kurz-URL: qmde.de/175350