Podstars: «Was tun?»: Vom Reden über Politik zum politischen Handeln

Inken Behrmann und Valentin Ihßen wollen gesellschaftliche Probleme nicht nur analysieren.

Politische Podcasts gibt es reichlich. Viele erklären Wahlergebnisse, diskutieren Parteipolitik oder analysieren gesellschaftliche Konflikte. «Was tun?» setzt an einem anderen Punkt an. Inken Behrmann und Valentin Ihßen interessieren sich vor allem dafür, was nach der Analyse kommt. Ihr Podcast fragt danach, mit welchen Strategien Aktivisten politische Veränderungen erreichen können und was sich aus erfolgreichen wie gescheiterten Kampagnen lernen lässt.

Das Programm versteht sich dabei ausdrücklich als politisch links und aktivistisch. Schon die Beschreibung des Podcasts variiert einen berühmten Gedanken von Karl Marx: Andere Podcasts hätten die Welt nur verschieden interpretiert, es komme darauf an, sie zu verändern. Entsprechend geht es nicht um eine möglichst distanzierte Gegenüberstellung politischer Positionen. Behrmann und Ihßen sprechen mit Menschen aus sozialen Bewegungen über gemeinsame politische Ziele, Erfahrungen und Strategien.

Das Themenspektrum ist breit. Mietpolitik und Feminismus gehören ebenso dazu wie Antirassismus, Klimaschutz oder die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten. Dabei bleiben die Gespräche nicht auf Deutschland beschränkt. Internationale Bewegungen dienen regelmäßig als Beispiele dafür, welche Formen von Protest funktionieren können und welche Schwierigkeiten entstehen, wenn Aktivismus auf staatlichen oder gesellschaftlichen Widerstand trifft.

Im Sommer 2026 widmet sich «Was tun?» etwa in einer Miniserie der Frage, wie progressive Bewegungen reagieren können, wenn rechte Parteien Regierungsverantwortung übernehmen. Anlass sind unter anderem die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Statt ausschließlich über Umfragen und mögliche Koalitionen zu sprechen, suchen Behrmann und Ihßen nach Erfahrungen aus Ländern, in denen Aktivisten bereits unter rechten Regierungen gearbeitet haben.

Dafür führen die Gespräche nach Polen, Israel und Brasilien. In der ersten Folge spricht Ihßen mit der polnischen Aktivistin Dominika Lasota. Sie war an einer Kampagne beteiligt, die junge Frauen zur Teilnahme an der Wahl mobilisieren sollte und damit zum Ende der langjährigen PiS-Regierung beitrug. Interessant ist dabei vor allem Lasotas rückblickende Kritik am eigenen Vorgehen: Ein Wahlsieg gegen eine rechte Regierung löst schließlich nicht automatisch die Probleme sozialer Bewegungen. Daraus entwickelt sich eine grundsätzliche Diskussion über das Verhältnis von Aktivismus und Parteien.

In einer weiteren Ausgabe spricht Behrmann mit Raluca Ganea von der israelischen Organisation Zazim. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen einer progressiven Zivilgesellschaft unter der Regierung Benjamin Netanjahus und die Frage, welche Strategien sich auf Deutschland übertragen lassen. Begriffe wie «Re-Humanization» werden ebenso diskutiert wie konkrete Lehren für Aktivisten, die sich gegen einen politischen Rechtsruck organisieren wollen.

Auch der Klimaprotest wird international betrachtet. Vertreterinnen der französischen Bewegung Soulèvement de la Terre berichten von ihren Aktionen gegen industrielle Wasserbecken und davon, wie wichtig die Zusammenarbeit mit lokalen Umweltinitiativen und der Bevölkerung vor Ort ist. Statt nur über die spektakulären Protestbilder zu sprechen, interessieren sich Behrmann und Ihßen dafür, wie solche Aktionen vorbereitet werden und welche Erfahrungen nach mehreren Jahren bleiben.

Die einzelnen Gespräche sind mit durchschnittlich mehr als einer Stunde vergleichsweise ausführlich. Das ermöglicht es, nicht nur politische Forderungen vorzustellen, sondern auch über Kampagnenplanung, Fehler und strategische Konflikte zu sprechen. Am Ende läuft vieles auf jene einfache Frage hinaus, die dem Podcast seinen Namen gibt: Was tun?

Wer eine politisch neutrale Gesprächsrunde sucht, ist bei «Was tun?» nicht an der richtigen Adresse. Das Format macht seine progressive Perspektive transparent und versteht sich eher als Austausch innerhalb einer politischen Bewegung. Gerade darin liegt sein besonderes Profil: Behrmann und Ihßen wollen weniger darüber diskutieren, wer eine politische Debatte gewonnen hat, sondern herausfinden, wie aus politischen Überzeugungen konkretes Handeln werden kann.

04.10.2026 12:50 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/175349