Der Streamingdienst weitet seine Kinoambitionen aus und will bei sechs kommenden Produktionen erstmals regulär Box-Office-Zahlen melden.

Netflix nähert sich offenbar stärker dem klassischen Kinogeschäft an. Wie „Variety“ berichtet, will der Streamingdienst bei sechs kommenden Filmen erstmals deren Kinoeinnahmen veröffentlichen. Bislang hatte Netflix Box-Office-Ergebnisse seiner Kinostarts nicht regulär offengelegt. Betroffen sein sollen «Narnia: The Magician’s Nephew», «Charlie and the Chocolate Factory», «La Bola Negra», David Finchers «The Further Mis-Adventures of Cliff Booth», «The Mosquito Bowl» und «Ink».
Besonders deutlich wird die veränderte Strategie bei «La Bola Negra». Das Drama mit Penélope Cruz soll am 16. Oktober 2026 in die Kinos kommen und dort 46 Tage laufen, bevor es am 2. Dezember bei Netflix startet. Damit erhält der Film laut „Variety“ das längste exklusive Kinofenster, das Netflix bislang einer Eigenproduktion eingeräumt hat. Der Film von Javier Ambrossi und Javier Calvo wurde im Mai beim Festival in Cannes ausgezeichnet und anschließend für rund fünf Millionen Dollar von Netflix erworben.
Noch größer werden die Kinoambitionen im kommenden Jahr. Greta Gerwigs «Narnia: The Magician’s Nephew» soll 2027 breit und unter anderem auf IMAX-Leinwänden ausgewertet werden. Der Kinostart soll fast 50 Tage dauern. Auch der Animationsfilm «Charlie and the Chocolate Factory» ist für einen rund 47-tägigen Kinolauf rund um Weihnachten vorgesehen. Damit bewegt sich Netflix deutlich näher an den mittlerweile üblichen Zeitfenstern zwischen Kino- und Heimverwertung.
Dass Netflix künftig auch Einnahmen meldet, dürfte vor allem Kinobetreibern entgegenkommen. Diese hatten in der Vergangenheit nicht nur die kurzen Auswertungsfenster des Streamingdienstes kritisiert, sondern auch dessen Weigerung, Umsätze transparent zu machen. Laut „Variety“ sehen mehrere Branchenvertreter die neue Entwicklung daher als Signal, dass Netflix zumindest bei ausgewählten Produktionen stärker nach klassischen Hollywood-Regeln spielen könnte.
Innerhalb des Unternehmens wird die Bedeutung der Entwicklung allerdings heruntergespielt. Netflix wolle weiterhin für jeden Film individuell entscheiden, welche Auswertungsstrategie sinnvoll sei. Co-CEO Ted Sarandos hatte erst zuletzt betont, Netflix bleibe in erster Linie ein Streamingunternehmen. Gleichzeitig räumte er ein, dass man im Kinobereich künftig Dinge tun könne, die früher nicht zum Geschäftsmodell gehörten. Natürlich veröffentlicht Netflix nicht nur Top-Produktionen, vor allem Filme wie «The Last House» wären an der Kinokasse gefloppt.