Hinzu kommen zwei investigative Dokumentationen von «team.recherche» über Machtmissbrauch in Kliniken und sektenähnliche Gruppen.

Die ARD Mediathek nimmt im Oktober 2026 mehrere neue Reportagen von
«Y-Kollektiv» ins Programm. Die Veröffentlichungen erfolgen jeweils montags und beschäftigen sich mit gesellschaftlicher Ungleichheit im deutschen Schulsystem, jungen Menschen mit lebensverkürzenden Erkrankungen, dem Phänomen der Hikikomori in Japan und den Folgen des illegalen Goldabbaus in Ghana. Die zwischen 20 und 45 Minuten langen Produktionen von HR, WDR und SWR bleiben jeweils zwei Jahre lang abrufbar. Zusätzlich erscheinen zwei neue Ausgaben des investigativen Formats «team.recherche».
Den Anfang macht am 5. Oktober die HR-Produktion „Aussortiert im Schulsystem?“. Reporter Adrian Oeser untersucht darin, weshalb die soziale Herkunft in Deutschland weiterhin einen erheblichen Einfluss auf den Bildungserfolg hat. Bereits im Alter von neun oder zehn Jahren werden Kinder auf unterschiedliche Schulformen verteilt. Jugendliche und junge Erwachsene berichten in sozialen Netzwerken zunehmend öffentlich darüber, welche Folgen diese frühe Entscheidung für ihre weitere Laufbahn hatte. Oeser nähert sich dem Thema auch über seine eigene Biografie. Er gehörte selbst zu den Kindern, die nach der Grundschule beinahe „aussortiert“ worden wären. Für die Reportage kehrt er an seine frühere Schule zurück und trifft Viertklässler, die heute vor einer ähnlichen Entscheidung stehen. Darüber hinaus reist er nach Estland, wo Schülerinnen und Schüler bis einschließlich der neunten Klasse gemeinsam lernen. Mit Archivmaterial zeichnet er nach, wie lange die Kritik am deutschen Schulsystem bereits existiert. Im Zentrum steht die Frage, weshalb sich an dessen Grundstruktur trotz weitgehend übereinstimmender Befunde der Bildungsforschung bislang kaum etwas geändert hat.
Am 12. Oktober folgt „Jung, todkrank, aber lebendig“. In der ebenfalls vom Hessischen Rundfunk produzierten Reportage begleitet Lukas Wiehler junge Erwachsene mit lebensverkürzenden Erkrankungen. Eine von ihnen ist die 27-jährige Sabrina, die mit einem angeborenen Herzfehler lebt. Ärzte hatten ihr ursprünglich nur wenige Lebensjahre prognostiziert. Durch den medizinischen Fortschritt hat sie diese Erwartung längst übertroffen. Was für die Betroffenen und ihre Familien zunächst ein großer Erfolg ist, stellt das deutsche Gesundheits- und Versorgungssystem vor neue Herausforderungen. Nach Angaben der Produktion leben mittlerweile mehr als 100.000 junge Erwachsene mit lebensverkürzenden Erkrankungen in Deutschland. Ihre Zahl verdoppele sich alle fünf Jahre. Viele Betroffene kämpften gegen Stigmatisierung, Diskriminierung, eine überbordende Bürokratie und erhebliche Lücken in der Hospizversorgung. Wiehler versucht, ihren Alltag und die damit verbundenen Unsicherheiten nachzuvollziehen. Wie entstehen Zukunftspläne, wenn niemand weiß, wie viel Zeit noch bleibt? Wie verändern schwere Erkrankungen Freundschaften und Partnerschaften? Und welche Unterstützung erwarten die Betroffenen von der Gesellschaft? Die Reportage richtet ihren Blick damit nicht allein auf medizinische Diagnosen, sondern vor allem auf die Lebensentwürfe junger Menschen, die sich nicht auf statistische Prognosen reduzieren lassen möchten.
Für „Hikikomori – Die einsamsten Menschen der Welt“ reist Reporter Tim Schreder nach Japan. Die WDR-Reportage steht ab dem 19. Oktober in der ARD Mediathek. In Japan leben Schätzungen zufolge etwa 1,5 Millionen sogenannte Hikikomori. Damit werden Menschen bezeichnet, die sich über Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte weitgehend aus der Gesellschaft zurückziehen und ihre Zimmer oder Wohnungen nur noch selten verlassen. Schreder trifft Betroffene, deren Angehörige sowie Menschen, die professionelle Hilfe anbieten. Einige Familien versuchen seit Jahren, den Kontakt zu ihren zurückgezogenen Kindern nicht vollständig zu verlieren. Ehemalige Hikikomori berichten wiederum davon, wie sie langsam einen Weg zurück in Arbeit und Gemeinschaft gefunden haben. Dabei zeigt sich, dass es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt. Auch bedeutet sozialer Rückzug nicht zwangsläufig, dass die Betroffenen niemals das Haus verlassen. Im Verlauf der Recherche verschiebt sich deshalb der Schwerpunkt des Films. Aus der zunächst japanisch erscheinenden Geschichte wird eine grundsätzlichere Auseinandersetzung mit Einsamkeit und sozialer Isolation. In einer von Leistungsdruck, hohen Erwartungen und digitalen Möglichkeiten geprägten Welt können immer mehr Menschen große Teile ihres Alltags von zu Hause aus bewältigen. Vergleichbare Entwicklungen lassen sich daher auch in Deutschland beobachten.
Am 26. Oktober folgt die vorläufig „Tödliches Gold“ betitelte SWR-Reportage. Gold ist derzeit nicht nur als Schmuck und Statussymbol gefragt, sondern gilt vielen Menschen auch als vermeintlich sichere Geldanlage. Steigende Preise und wirtschaftliche Unsicherheiten haben dazu geführt, dass sich insbesondere auch jüngere Anleger für das Edelmetall interessieren. Die Produktion fragt, unter welchen Bedingungen das Gold gewonnen wird, das später in Münzen, Barren oder Schmuckstücken landet. Autorin Judith Hartmann lebte selbst ein Jahr in Ghana. Als sie zwei Jahre später in das westafrikanische Land zurückkehrte, stellte sie fest, dass sich ganze Regionen verändert hatten. Mitten im Regenwald waren große illegale Goldminen entstanden. Gemeinsam mit Autor Jakob Sax taucht sie in ein Geschäft ein, das enorme Gewinne verspricht, zugleich aber Menschen und Umwelt gefährdet. Die beiden treffen Arbeiter, die unter lebensgefährlichen Bedingungen in illegalen Minen schuften. Anwohner berichten von Böden und Flüssen, die durch den Einsatz von Quecksilber vergiftet werden. Im Verlauf der Recherche zeigt sich, wie stark das Goldgeschäft inzwischen in den örtlichen Gemeinschaften verankert ist. Selbst Personen, bei denen die Reporter zunächst keine Verbindung zum illegalen Abbau vermuten, sind daran beteiligt. Die Aussicht, innerhalb kurzer Zeit vergleichsweise viel Geld verdienen zu können, überlagert oftmals die bekannten gesundheitlichen und ökologischen Risiken.
Neben den vier «Y-Kollektiv»-Filmen kündigt die ARD zwei neue Ausgaben von
«team.recherche» an. Bereits am 6. Oktober startet die 30-minütige NDR-Produktion „Diagnose Machtmissbrauch“, die bislang unter einem Arbeitstitel geführt wird. Sie beschäftigt sich mit Abhängigkeiten und Benachteiligungen innerhalb deutscher Krankenhäuser. Die Dokumentation soll unbegrenzt in der ARD Mediathek abrufbar bleiben. Im Mittelpunkt stehen Ärztinnen, die trotz langer Ausbildung, Nachtschichten und großer beruflicher Verantwortung an Grenzen stoßen. Sie berichten von Chefärzten, die darüber entscheiden, wer operieren darf, wer befördert und wer gezielt gefördert wird. Wiederholt würden Frauen bei wichtigen Eingriffen oder Karriereschritten übergangen. Hinzu kommen abwertende Bemerkungen sowie die Sorge, berufliche Nachteile zu erleiden, wenn sie Fehler oder Missstände offen ansprechen. Für die investigative Dokumentation spricht das Team mit Ärztinnen aus ganz Deutschland. Dabei soll geklärt werden, wie viel Macht einzelne Vorgesetzte tatsächlich über die Karrieren ihrer Beschäftigten besitzen und welche Auswirkungen diese Strukturen auf die Betroffenen haben. Die Produktion untersucht außerdem, weshalb fachliche Leistung allein in einem eigentlich stark leistungsorientierten Beruf häufig nicht genügt.
Am 27. Oktober folgt die SWR-Dokumentation „Sog der Sekten“. Während die großen Kirchen seit Jahren Mitglieder verlieren, verschwindet die religiöse und spirituelle Sinnsuche nicht. Insbesondere neu-religiöse Bewegungen können jungen Menschen Gemeinschaft, Orientierung und scheinbar einfache Antworten anbieten. Unter diesen Gruppen befinden sich nach Einschätzung der Redaktion allerdings auch Organisationen, die ihre Mitglieder psychisch unter Druck setzen und persönliche Abhängigkeiten schaffen. Das Team recherchiert undercover in sektenähnlichen Gruppierungen und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die dem Druck innerhalb ihrer Gemeinschaft nicht mehr standhielt. Neben den Methoden solcher Organisationen geht es um die Frage, wo Aussteiger und Angehörige Unterstützung finden können. Zudem untersucht «Sog der Sekten», welche Verantwortung staatliche Stellen übernehmen und ob die vorhandenen Beratungsangebote ausreichen. Die halbstündige Dokumentation bleibt nach ihrer Veröffentlichung zwei Jahre in der ARD Mediathek verfügbar.