Wanja Mues: ‚Es ist zumindest schön, dass wir auf dem Zenit aufhören‘
Nach zwölf Jahren als Leo Oswald steht Wanja Mues vor dem Abschied von «Ein Fall für zwei». Im Interview spricht er über das Erfolgsgeheimnis des Duos mit Antoine Monot, die besondere Nähe zu den Fans und seine Hoffnung auf einen würdigen letzten Fall.
Herr Mues, mit den aktuellen Folgen beginnt der Abschied von «Ein Fall für zwei». Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass sich ein großes Kapitel Ihrer Karriere dem Ende zuneigt?
Ich habe in meinen vierzig Jahren Berufsleben schon einige langlebige und erfolgreiche Formate drehen dürfen und weiß daher, dass irgendwann immer ein Ende kommt.
Jetzt bleibt Zeit und Raum für neue spannende Kapitel meines Berufslebens.
Sie spielen Leo Oswald mittlerweile seit der Neuauflage 2014. Wie hat sich die Figur in diesen zwölf Jahren verändert?
Wir sind in diesen zwölf Jahren auf der Höhe des Erfolgs angekommen, beim Zuspruch der Zuschauer und was die Qualität der Folgen angeht und die Entwicklung unserer Figuren. Insbesondere die vom Zuschauer so geliebte „odd couple“-Beziehung der beiden Freunde Benni und Leo hat jetzt die perfekte Mischung von 100% beste Freunde und liebenswerte Ermittler mit einer guten Prise Humor und Selbstironie und den nötigen, unterhaltsamen Differenzen um gemeinsam zur Lösung des Falls zu finden. Wir haben, wie ich finde, dieses und letztes Jahr die besten Folgen überhaupt gedreht. Es ist zumindest schön, dass wir auf dem Zenit aufhören.
Leo ist mutig, direkt und manchmal impulsiv, ist aber zugleich aber das perfekte Gegenstück zu Benni Hornberg. Warum funktioniert dieses Duo aus Ihrer Sicht so gut?
Der eine denkt bevor er handelt. Manchmal wie ein Schachspieler um Züge voraus. Er ist gebildet, wortgewandt, ein Mann des Gesetzes und kennt sich auf dem Parkett der Welt aus. Der andere handelt manchmal schneller als er denkt. Aus einer Emotion heraus, mit fast animalischem Instinkt der ihm innewohnt als Straßenköter, der Leo nun einmal ist. Er kennt sich aus in den dunklen Gassen, kennt die Sprache und die Gesetze der Straße. Diese unterschiedlichen Welten machen sie gemeinsam zu einem Ganzen, führen aber auch immer wieder zu Reibereien unter den beiden Freunden. Beide sind neugierig auf diesen unterschiedlichen Teil des anderen, sehnen sich vielleicht danach auch etwas davon zu haben, zu können, zu sein, ecken aber zeitgleich immer wieder an bei der Ergründung dieser unbekannten Welt.
«Ein Fall für zwei» blickt auf eine Geschichte von über 46 Jahren zurück. Hat man als Schauspieler manchmal das Gefühl, Teil eines echten Fernsehdenkmals zu sein?
Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Wer für sich selber ein Denkmal baut ist mir suspekt.
Viele Zuschauer haben Leo und Benni über Jahre hinweg begleitet. Spüren Sie diese besondere Verbundenheit der Fans auch im Alltag?
Selbstverständlich! Gerade bei den gemeinsamen „Pater Brown“-Auftritten merken wir die Liebe der Fans, denen wir nach unserem Auftritt dann ja auch persönlich begegnen. Unser «Fall für zwei» ist für die meisten von Ihnen das Highlight der Fernsehwoche. Und es ist immer toll zu sehen, was für wunderbare Fans unsere Serie hat!
Die vorletzte Staffel bietet noch einmal vier sehr unterschiedliche Fälle. Gibt es eine Episode oder einen Moment, auf den Sie sich besonders freuen und der Ihnen beim Dreh besonders viel Spaß gemacht hat?
Für mich persönlich ist immer das Highlight, wenn wir am Ende der Folge auf dem Hausboot den guten Ausgang der Geschichte feiern!
Die Serie verbindet klassische Kriminalfälle mit Humor und einer engen Freundschaft zwischen den Hauptfiguren. War genau diese Mischung für Sie immer das Erfolgsgeheimnis von «Ein Fall für zwei»?
Genau so spiegeln es uns die Zuschauer! Sie berichten, dass sie am Freitagabend mit unseren humorvollen Folgen entspannt das Wochenende einläuten. Sie können mit uns mitermitteln, sich von den Geschichten unterhalten lassen und gehen dann, in der heutigen, zur Zeit von besonders großen Problemen und Gefahren belasteten Welt, erleichtert und nicht beschwert ins Bett.
Das ZDF hat angekündigt, die Geschichte 2027 mit einer letzten Staffel und einem Abschlussfilm zu beenden. Was wünschen Sie sich für Leos letzten großen Fall?
Da wissen Sie offenbar mehr als wir. (lacht) Von einer abschließenden Staffel habe ich nichts gehört. Einen Abschluss 90-Minüter soll es wohl geben. Ich bin sehr gespannt! Ich hoffe wir verlassen da dann die bisherigen Pfade der Serie ein bisschen, brechen die Form auf und schenken unseren beiden Helden noch einen gebührenden Abschied und einen – metaphorischen - Ritt in den Sonnenuntergang.
Wenn Sie an die vergangenen Jahre zurückdenken: Gibt es eine Szene oder einen Drehtag, der Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es so viele! Was mir immer in Erinnerung bleiben wird sind die Begegnungen vor und hinter der Kamera. Sowohl die Arbeit mit den Gaststars - und damit meine ich alle großen und kleineren Rollen, die immer von tollen, dem Format zugewandten SchauspielerInnen verkörpert wurden, auch die KomparsInnen die zum Teil viele Jahre immer wieder gerne zu uns zurückgekehrt sind, aber ich meine besonders auch die Arbeit und Begegnungen mit den Mitgliedern des Teams. Viele von den Menschen am Set und im Büro haben uns über Jahre liebevoll begleitet und unterstützt. Das bleibt besonders in Erinnerung!
Gemeinsam mit Antoine Monot stehen Sie künftig auch mit dem Live-Hörspiel „Pater Brown“ auf der Bühne. Ist das für Sie eine schöne Möglichkeit, die besondere Zusammenarbeit auch nach dem Serienende fortzusetzen?
Genauso ist es! Antoine und ich sind seit Jahren eng befreundet und haben gerne Zeit beim Arbeiten, aber auch nach Feierabend verbracht und ich freue mich, dass wir jetzt in über 50 Städten, deutschlandweit und in Zürich auf der Bühne stehen werden! Am 5. September in München geht’s los!
Nach so vielen Jahren in derselben Rolle fällt der Abschied vermutlich nicht leicht. Worauf werden Sie am Set von «Ein Fall für zwei» am meisten verzichten?
Auf die Arbeit mit so vielen unterschiedlichen, wunderbare KollegInnen, die in ihren Rollen meinem Leo Oswald begegnet sind. Aber in meinen zukünftigen Projekten werde ich diesen Menschen dann eben in einer anderen Rolle wiederbegegnen.
Danke für Ihre Zeit!
«Ein Fall für zwei» ist ab Freitag, 11. September, im ZDF zu sehen. Bereits seit 4. September sind die Folgen in der ZDFmediathek abrufbar.