Filme des Grauens: «Schwerter des Königs – Dungeon Siege»

Jason Statham, Ray Liotta, Burt Reynolds, Ron Perlman und John Rhys-Davies: Für «Schwerter des Königs – Dungeon Siege» versammelte Uwe Boll eine erstaunlich prominente Besetzung. Rund 60 Millionen Dollar kostete das Fantasy-Abenteuer und spielte davon an den Kinokassen nur einen Bruchteil wieder ein.

Uwe Boll hatte schon einige Videospiele verfilmt, als er sich Mitte der 2000er Jahre an sein bislang mit Abstand größtes Projekt wagte. Nach «House of the Dead», «Alone in the Dark» und «BloodRayne» sollte mit «Schwerter des Königs – Dungeon Siege» ein richtiges Fantasy-Epos entstehen. Die Vorlage lieferte die Computerspielreihe «Dungeon Siege», doch unverkennbar schwebte über der Produktion ein wesentlich größerer Name: «Der Herr der Ringe». Boll wollte Schlachten, Monster, Magier, Könige und große Landschaften auf die Leinwand bringen. Dafür standen rund 60 Millionen US-Dollar zur Verfügung – sein teuerster Film überhaupt.

Sogar die Besetzung konnte sich sehen lassen. Jason Statham übernahm die Hauptrolle, daneben spielten Ray Liotta, Burt Reynolds, Ron Perlman, John Rhys-Davies, Leelee Sobieski, Claire Forlani, Matthew Lillard und Kristanna Loken. Für einen Film von Uwe Boll war das eine ungewöhnlich große Ansammlung bekannter Hollywoodnamen. Gerade deshalb wurde der spätere Absturz so spektakulär. Statham spielt einen Mann, der ausgerechnet Farmer genannt wird. Er lebt mit seiner Frau Solana und seinem Sohn Zeph friedlich im Königreich Ehb. Das Familienglück endet, als sogenannte Krugs das Dorf Stonebridge angreifen. Eigentlich gelten diese Wesen als primitive Kreaturen, doch plötzlich können sie Waffen benutzen und organisiert kämpfen. Dahinter steckt der Magier Gallian, gespielt von Ray Liotta, der die Krugs mit seinen Kräften kontrolliert.

Während des Überfalls wird Farmers Sohn getötet und Solana verschleppt. Gemeinsam mit seinem Freund Norick und seinem Schwager Bastian macht sich Farmer auf den Weg, um seine Frau zu retten. Gleichzeitig versucht König Konreid, dargestellt von Burt Reynolds, sein Reich gegen Gallians Armee zu verteidigen. Damit nicht genug: Konreids machtgieriger Neffe Fallow arbeitet heimlich mit Gallian zusammen und möchte selbst den Thron übernehmen. Außerdem stellt sich irgendwann heraus, dass Farmer keineswegs irgendein namenloser Landarbeiter ist. Sein wirklicher Name lautet Camden Konreid – und er ist der verschollene Sohn des Königs. Aus dem einfachen Bauern wird damit innerhalb weniger Stunden ein rechtmäßiger Thronfolger.

Im großen Finale dringt Farmer beziehungsweise Camden schließlich in Gallians Festung ein. Dort kommt es zum Kampf mit dem Magier. Solana hilft ihrem Mann, indem sie Gallian von hinten verletzt, ehe Farmer ihm die Kehle durchschneidet. Mit dessen Tod endet gleichzeitig die magische Kontrolle über die Krugs. Das Königreich ist gerettet und Farmer hat sowohl seinen Sohn gerächt als auch seine Frau zurückbekommen.

Das alles klingt nach einem durchaus klassischen Fantasy-Abenteuer. Genau hier beginnt allerdings das Problem. «Schwerter des Königs» erzählt praktisch nichts, was man nicht schon wesentlich besser gesehen hatte. Wälder, Schlachten, Königreiche, ein dunkler Magier, ein unbekannter Thronfolger und ganze Heerscharen monströser Gegner: Die Nähe zu Peter Jacksons «Der Herr der Ringe»-Trilogie war so offensichtlich, dass zahlreiche Kritiker den Vergleich unmittelbar zogen.

Nur verfügte Boll eben nicht über Jacksons dramaturgisches Gespür. Die Geschichte ist mit Nebenhandlungen, Figuren und Wendungen überfrachtet, ohne dass die meisten davon wirklich Gewicht bekommen. Gleichzeitig bleibt ausgerechnet die Beziehung zwischen Farmer und seiner Familie erstaunlich oberflächlich, obwohl der Tod seines Kindes und die Entführung seiner Frau seine gesamte Motivation darstellen.

Auch die Figuren wirken teilweise wie aus unterschiedlichen Filmen zusammengesetzt. Jason Statham spielt Farmer im Grunde wie eine mittelalterliche Version seiner üblichen Actionhelden: schweigsam, körperlich überlegen und wenig begeistert von langen Gesprächen. Auf der anderen Seite steht Ray Liotta als Gallian, der mit moderner Frisur und ausgesprochen theatralischem Spiel teilweise aussieht, als sei er versehentlich aus einem Gangsterfilm in ein Fantasyreich geraten. Matthew Lillard übertreibt als Herzog Fallow wiederum derart stark, dass seine Szenen fast wie eine Parodie wirken. Burt Reynolds gibt einen erstaunlich amerikanisch wirkenden Fantasykönig, während John Rhys-Davies nach «Der Herr der Ringe» zumindest bereits genau wusste, wie man in einem solchen Universum auftreten sollte. Das Ensemble besteht aus vielen bekannten Gesichtern, entwickelt aber kaum eine gemeinsame Tonalität.

Dabei war die Produktion keineswegs klein. Gedreht wurde in British Columbia, unter anderem in der Umgebung von Sooke. Zahlreiche Komparsen wurden verpflichtet, große Schlachtszenen inszeniert und mehrere Unternehmen arbeiteten an den visuellen Effekten. Mit einem Budget von rund 60 Millionen Dollar war «Schwerter des Königs» ein ernsthafter Versuch, einen international konkurrenzfähigen Fantasyfilm auf die Beine zu stellen. Umso härter fiel das Ergebnis an den Kinokassen aus. In den USA spielte der Film am ersten Wochenende nur knapp drei Millionen Dollar ein und schaffte es nicht einmal in die Top Ten. Weltweit kamen je nach Erfassung nur rund 10 bis 13 Millionen Dollar zusammen. In Deutschland, wo der Film am 29. November 2007 startete, wurden bis Anfang 2008 knapp 250.000 Kinobesucher gezählt. Für ein 60-Millionen-Dollar-Projekt war das ein katastrophales Ergebnis.

Auch die Kritiker ließen kaum ein gutes Haar an der Produktion. Bei Rotten Tomatoes kam «In the Name of the King» auf lediglich vier Prozent positive Kritiken, Metacritic verzeichnete nur 15 von 100 Punkten. Bemängelt wurden hölzerne Darstellungen, schwache Dialoge, die Produktionsqualität und insbesondere die offensichtliche Nähe zu erfolgreicheren Fantasyfilmen. Bei den Goldenen Himbeeren folgten fünf Nominierungen. Uwe Boll gewann schließlich als schlechtester Regisseur.

Bemerkenswert ist allerdings, dass der Film damit noch nicht vollständig abgeschrieben war. Im Heimkinomarkt verkaufte sich «Schwerter des Königs» wesentlich besser und brachte mit mehr als 800.000 verkauften DVDs weitere knapp 15 Millionen Dollar Umsatz. Vor allem aber entstand tatsächlich eine Filmreihe. 2011 folgte «Schwerter des Königs – Zwei Welten» mit Dolph Lundgren, 2014 «Schwerter des Königs – Die letzte Mission» mit Dominic Purcell. Beide Produktionen waren allerdings erheblich günstiger und wurden direkt für den Heimkinomarkt hergestellt.

Für Jason Statham erwies sich das Desaster ohnehin als vollkommen bedeutungslos. Seine Karriere nahm anschließend erst richtig Fahrt auf. Mit den «Transporter»-Filmen hatte er sich bereits etabliert, später wurde er Teil von «The Expendables» und der «Fast & Furious»-Reihe und entwickelte sich zu einem der zuverlässigsten Actionstars Hollywoods. Ein Fantasyflop von Uwe Boll konnte daran nichts ändern. Auch Matthew Lillard überstand den Film problemlos. Der frühere «Scream»- und «Scooby-Doo»-Star wurde später vor allem als Stimme von Shaggy bekannt und feierte in den 2020er Jahren unter anderem mit «Five Nights at Freddy's» neue Erfolge. Ron Perlman blieb ebenfalls dauerhaft beschäftigt, John Rhys-Davies ohnehin. Leelee Sobieski schlug dagegen einen ungewöhnlichen Weg ein: Sie zog sich in den 2010er Jahren weitgehend aus der Schauspielerei zurück und arbeitet inzwischen vor allem als bildende Künstlerin. Ray Liotta blieb bis zu seinem Tod 2022 ein gefragter Schauspieler. Burt Reynolds starb 2018. Beide hinterließen Karrieren, in denen «Schwerter des Königs» bestenfalls eine kuriose Fußnote darstellt.

Und Uwe Boll? Ausgerechnet der Mann, dessen Name zeitweise nahezu als Synonym für schlechte Videospielverfilmungen verwendet wurde, drehte unverdrossen weiter. Nach mehreren Jahren Regiepause kehrte er sogar wieder zum Film zurück. «Schwerter des Königs» blieb aber sein mit Abstand teuerster Versuch, im großen Hollywoodgeschäft mitzuspielen. Genau deshalb ist der Film für «Filme des Grauens» so wichtig. Viele schlechte Uwe-Boll-Filme waren vergleichsweise günstig produziert und konnten über internationale Verkäufe, DVD-Auswertungen und damalige Finanzierungsmodelle ihre Kosten zumindest teilweise wieder hereinholen. Bei «Schwerter des Königs» wurde diese Strategie jedoch auf Blockbustergröße aufgeblasen. 60 Millionen Dollar wurden investiert, um zu beweisen, dass Boll auch ein großes Fantasyabenteuer inszenieren konnte.

Das Ergebnis zeigte eher das Gegenteil. Geld war vorhanden, bekannte Schauspieler ebenfalls, große Schlachten wurden gedreht und sogar ein 155 Minuten langer Director's Cut entstand. Doch all das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Film eine eigene Identität fehlte. «Schwerter des Königs – Dungeon Siege» wollte offensichtlich in einer Liga mit «Der Herr der Ringe» spielen, sah aber oftmals wie dessen deutlich weniger eleganter Nachahmer aus.

Und vielleicht liegt darin die größte Ironie: Die Videospielvorlage «Dungeon Siege» war erfolgreich genug, um eine aufwendige Verfilmung zu rechtfertigen. Der Film entfernte sich aber so weit von ihr, dass selbst der bekannte Name kaum noch half. Heraus kam weder eine überzeugende Spieleverfilmung noch ein starkes eigenständiges Fantasyepos. Für 60 Millionen Dollar produzierte Uwe Boll seinen größten Film und gleichzeitig einen seiner größten Flops.
26.09.2026 12:17 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/175090