Milena Straube: 'Clare sehnt sich nach einer Partnerschaft, aber nicht um jeden Preis'

Als Schornsteinfegerin Clare wird Milena Straube in «Rosamunde Pilcher: Die Glücksbringerin» plötzlich mit ihrer Jugendliebe und einem folgenschweren Verdacht konfrontiert. Im Interview spricht sie über weibliche Selbstbestimmung, verlorenes Vertrauen und ihre Freude daran, Teil der Pilcher-Tradition zu sein.

Frau Straube, Clare Ridley ist Schornsteinfegerin und gilt in ihrem Heimatort ausgerechnet als Glücksbringerin. Was hat Sie an dieser Figur beim ersten Lesen des Drehbuchs besonders angesprochen?
Ihr Beruf hat mich auf Anhieb total angezogen, mir ist erst da aufgefallen, dass ich noch nie einer Schornsteinfegerin begegnet bin. Ich habe dann recherchiert, und Frauen machen aktuell wohl 10 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland aus, in England noch weniger, und deswegen habe ich mich sehr auf diese besondere Uniform gefreut. Es ist anscheinend auch so, dass der Frauenanteil beim Nachwuchs höher ist, zirka 17 Prozent in Deutschland. Ich find das toll, dass ich einen Beruf spielen durfte, auf den ich alleine nie gekommen wäre, weil diese Welt mir verschlossen vorkam.

Clare führt ein selbstbestimmtes Leben und scheint zunächst auch ohne große Liebesgeschichte ziemlich zufrieden zu sein. Wie wichtig war Ihnen, sie nicht als Frau zu spielen, der zu ihrem Glück eigentlich nur noch der richtige Mann fehlt?
Es ist mir grundsätzlich sehr wichtig. Bei „der Glücksbringerin" musste ich zum Glück nicht um Vielschichtigkeit kämpfen, denn Clare war von vornherein schon so angelegt. Es gibt Szenen, in denen gezeigt wird, wie selbstverständlich sie in ihrem Beruf agiert, dass sie für dieses Feld und generell Heizungs- und Sanierungsthemen brennt, ihre Kundschaft vertraut ihr, sie ist populär und engagiert. Ich mag es, dass ihr Beruf aus einem familiären Kontext entstanden ist, sie ist quasi im Heizungswesen durch ihren Vater aufgewachsen, ist dann aber trotzdem ihren eigenen Weg gegangen und Schornsteinfegerin geworden. Das erzählt viel über ihren Charakter, Clare ist sehr verwurzelt in ihrem sozialen Umfeld, sie mag es, Teil einer Gemeinschaft zu sein, ohne ihre Eigenheit darin zu verlieren.

Clare sehnt sich nach einer Partnerschaft, aber nicht um jeden Preis. Sie ist eine kleine Romantikerin, die sich aber verbietet alte Zeiten nostalgisch zu verklären. Ihr würde es nie in den Sinn kommen, einem vermeintlich perfekten Beziehungsmodell hinterherzurennen.

Dann steht plötzlich Josh vor ihr – ihre große Jugendliebe, die sie sofort erkennt, während er dafür einen Moment länger braucht. Was erzählt diese kleine Situation bereits über die beiden und ihre gemeinsame Vergangenheit?
Ich finde das einen interessanten Moment im Drehbuch, Clare erkennt ihn sofort, Josh braucht einiges an Starthilfe, um sich zu erinnern. Tatsächlich finde ich das durchaus realistisch, es gibt Menschen, die haben ihre Kindheit und Jugend so präsent, sie scheinen sich an jedes Detail erinnern zu können, und andere wiederum haben diese Phase eher als undeutliche, nicht greifbare Masse in Erinnerung. Für mich erzählt diese Entscheidung des Drehbuchs, dass wir hier zwei sehr unterschiedliche Menschen haben, sie leben auch mittlerweile in fast konträren Welten, und trotzdem oder gerade deswegen fühlen sie sich zueinander hingezogen.

Josh kommt zudem nicht allein nach Cornwall, sondern hat mit seiner Verlobten eigentlich längst ein anderes Leben geplant. Wie schwierig ist es, glaubwürdig zu erzählen, dass alte Gefühle trotzdem innerhalb kurzer Zeit wieder eine große Rolle spielen können?
Ich finde das, gerade bei «Rosamunde Pilcher» nicht schwierig, alle die an diesem Projekt beteiligt sind, haben das nötige Handwerk diesen Gefühlen Raum zu geben. Drehbuch, Regie, Kamera, das Zusammenspiel aus den verschiedenen Gewerken funktioniert einfach in diesem Format und die Zuschauenden kennen das Prinzip, wir nehmen es einfach an und ich mag das.

Der Film kippt schließlich von der romantischen Geschichte beinahe in einen kleinen Kriminalfall: Schmuck verschwindet und ausgerechnet Clare wird verdächtigt. Was macht dieser Vertrauensverlust mit einer Frau, die vorher offenbar fest in ihrer Gemeinschaft verwurzelt war?
Das ist eine herbe Enttäuschung für Clare. Ich denke, dass sie total erschrocken darüber ist, wie schnell ihre Gemeinschaft, ihre Kundschaft das Vertrauen in sie verloren hat. Sie hat sich immer sicher gefühlt, immer als fester Teil davon, sie kümmert sich um jeden und denkt, das würden andere auch für sie tun und da reicht ein haltloser Verdacht, und schon wird ihr nicht mehr gegrüßt und mit offenem Misstrauen begegnet, sogar der Laden ihres Vaters wird vandaliert, das ist ein großer Schock. Der Kriminalfall wird schnell aufgedeckt, aber ich denke, dass Clare noch lange an dieser Verletzung zu knabbern haben wird.

Besonders schmerzhaft dürfte für Clare sein, dass selbst Josh an ihr zweifelt. Ist mangelndes Vertrauen für ihre Beziehung am Ende das größere Hindernis als seine Verlobung und die vielen Jahre, die zwischen den beiden liegen?
Definitiv, der Vertrauensbruch von Josh trifft sie noch einmal auf eine besondere Ebene, sie ist verletzt und schämt sich. Wie konnte sie mal wieder nur so doof sein und an ein Happy End mit ihm glauben, wie damals als Teenie! Aber er wird sich schnell eines Besseren besinnen und sich entschuldigen, Clare respektiert so eine Fähigkeit.

Dietmar Bär spielt Ihren Vater Daniel, dessen berufliche Existenz durch die Vorwürfe ebenfalls bedroht wird. Wie haben Sie gemeinsam dieses Vater-Tochter-Verhältnis entwickelt und wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
Dietmar Bär hat eine offene und einnehmende Art, die sehr hilfreich war, um in kürzester Zeit ein Vater-Tochter-Verhältnis zu entwickeln, er macht es einem sehr leicht, mit ihm zu spielen. Außerdem hatte die Regisseurin Karola Meeder tolle Einfälle, um den Alltag der beiden zu erzählen, um ihnen eine Geschichte, einen Background zu geben. Die beiden frühstücken z.B. immer zusammen und haben ihre Routinen. Sie haben auch einen besonderen, verbindenden Schwur. Das hat sehr geholfen.

Bei «Rosamunde Pilcher» gehören Cornwall, große Gefühle und romantische Landschaften seit Jahrzehnten zur DNA. Gleichzeitig muss jeder neue Film etwas Eigenes erzählen. Hatten Sie bei den Dreharbeiten das Gefühl, Teil einer großen Fernsehtradition zu werden, oder blendet man diesen Namen als Schauspielerin eher aus?
Ich hatte total das Gefühl, Teil einer Fernsehtradition zu sein, und habe das sehr genossen. Die Regisseurin Karola Meeder, der Kameramann Marc Prill, die Chefmaske Stefanie Baumann und generell alle Gewerke wissen genau, was es braucht, um die Rosamunde-Pilcher-Welt magisch zu machen. Es ist ein sehr eingespieltes und liebevolles Team, da macht es Spaß, Teil einer Tradition zu werden.

Clare arbeitet in einem Beruf, den viele noch immer eher mit Männern verbinden. Haben Sie sich für die Rolle tatsächlich mit dem Schornsteinfegerhandwerk beschäftigt – und mussten Sie für die Dreharbeiten selbst aufs Dach oder an den Kamin?
Leider war eine nicht sehr hohe Brücke das Höchste der Schwindelgefühle für mich, aber ich wäre durchaus für diverse Stunts zu haben gewesen, ich stehe auf Klettern und Höhe. Das geht meistens nicht aus versicherungstechnischen Gründen. Ich habe mich im Kontakt mit der Ausstattung und dem Kostüm mit diesem Beruf auseinandersetzen können, mit den unterschiedlichen Werkzeugen, die mir zur Verfügung gestellt wurden usw. Viel Schornsteinfegergeschick musste ich beim Dreh nicht beweisen. Ich habe aber die Szenen, in denen Clare als Schornsteinfegerin auftritt sehr gerne gedreht, sie zeigen ihre professionelle und romantische Seite.

Der Titel lautet «Die Glücksbringerin», doch Clare erlebt selbst ziemlich viel Unglück, Misstrauen und Enttäuschung. Was bedeutet Glück für diese Figur am Ende eigentlich: die Liebe zu Josh, das Vertrauen anderer Menschen oder vielmehr die Gewissheit, ihren eigenen Weg gehen zu können?
Clare hat erlebt, dass sie in Extremsituationen zu sich stehen kann, dass sie niemals allein sein wird, weil sie so ein Urvertrauen in sich selbst hat, und das ist eine Kraft, die Glück ermöglichen kann. Und dann ist es doch immer schön, wenn die eine Person, die man all die Jahre nie vergessen konnte, zu der man in Gedanken immer wieder gegangen ist und sich mehr als nur einen einzigen Kuss gewünscht hat, am Ende doch die Gefühle erwidert und sich für einen entscheidet.

Danke für Ihre Zeit!

Das ZDF zeigt «Die Glücksbringerin» am Sonntag, 6. September, um 20.20 Uhr. Der Film ist bereits seit 21. August in der Mediathek abrufbar.
04.09.2026 12:20 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/175042